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Die Frage nach Qualität und eine Auszeichnung © Fama/Werner Mueller
© Fama/Werner Mueller

Gianna schöneich 16.09.2016

Die Frage nach Qualität und eine Auszeichnung

Der Fachverband Film and Music Austria vergibt die ­Auszeichnung „Certified Austrian Film Producer”.

••• Von Gianna Schöneich

Seit zwei Jahren können Österreichs Werbe- und Wirtschaftsfilmproduzenten das Qualitätszeichen „Certified Austrian Film Producer” (cafp) erwerben. Knapp 60 Unternehmen können sich mit diesem bereits im Markt präsentieren.

„Filmproduzent ist in Österreich ein freies Gewerbe. Umso wichtiger ist es, sowohl den Filmunternehmen als auch v.a. den potenziellen Kunden eine Orientierung am Markt zu geben; genau diese Aufgabe kann ein Qualitätszeichen erfüllen”, erklärt Werner Müller, Geschäftsführer Film- und Musikwirtschaft WKO.

Was ist ein Wirtschaftsfilm?

Er hat zum Gespräch geladen und zum Interview mit medianet sind außer ihm Günter Kaser, Gründer und Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma ­Casamedia, Alexander Kammel, Inhaber und Geschäftsführer Österreichisches Filmservice, und Manfred Studnitzka, Obmann der Berufsgruppe Werbung, Wirtschaft, Bildung, Inhaber und Geschäftsführer film+grafik studios, erschienen.

Das Zeichen geht an Produzenten von Werbe- und Wirtschaftsfilmen. Doch wann findet sich ein Film in diesem Genre wieder? „Während der Werbefilm noch relativ leicht einzuordnen ist, bedient der Wirtschaftsfilm ein weites Feld: Imagefilme, Marketingfilme oder Tourismus­filme informieren über Produkte, Dienstleistungen, Unternehmen und vieles mehr – aber auch der Schulungs- und Bildungsfilm fällt in dieses Genre. Wobei der formale Anspruch an gute Wirtschaftsfilme oft dem des internationalen Spiel- oder Fernsehfilms entspricht”, so Kaser. Es geht um Definitionen. Denn wenn wir schon von einem Qualitätszeichen sprechen, was ist dann überhaupt Qualität?

In die Materie einarbeiten

„Wenn eine klar definierte Aufgabe punktgenau umgesetzt wird. Der Produzent muss die Bedürfnisse des Kunden verstehen, sich in die jeweilige Materie einarbeiten. Wenn das Briefing nicht erfüllt und damit am Bedürfnis des Kunden vorbeiproduziert wird, nützen die schönsten Bilder nichts”, so Studnitzka.

Auf die Frage nach Filmen, die nur mit geringen Mitteln produziert wurden, beispielsweise typische YouTube-Clips, erklärt Studnitzka: „Auch hier kann es sich um qualitativ hochwertige Filme handeln – vorausgesetzt, dass eine durchdachte Strategie konzise umgesetzt wird. Nette Bilder allein sind sicher zu wenig. Egal ob aufwendig oder mit Handykamera produziert wurde.” „Wenn ein Film beispielsweise bei mehreren Filmfestivals ausgezeichnet wurde, und die verschiedenen Jurys immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen kommen, ist dieser Film ebenfalls als qualitativ hochwertig einzuschätzen”, so Alexander Kammel, der mit seinem Unternehmen dem Österreichischen Filmservice Bildungs- und Informationsfilme verleiht und der größte Veranstalter von Wirtschaftsfilmfestivals ist.

Eindeutige Richtlinien

Es scheint nicht einfach bestimmbar zu sein, was Qualität ausmacht. Die Richtlinien für das Qualitätszeichen „Certified Austrian Film Producer” sind jedoch eindeutig. Es gibt klare Regeln, die erfüllt werden müssen; beispielsweise muss eine fünfjährige Berufspraxis vorhanden sein.

Ob man mit dieser Vorgabe Berufseinsteigern den Einstieg in die Branche nicht erschwert?
„Es braucht ein gewisses Maß an Erfahrung, Wissen und Kompetenzen; denken Sie allein an Sicherheitsbestimmungen, Haftungs- oder urheberrechtliche Fragen. Da sind wir mit dem cafp den Auftraggebern gegenüber schon in der Pflicht”, so Studnitzka. „Allerdings können natürlich Ausnahmen gemacht werden. Wenn jemand bereits zu Beginn der Karriere ‚Talente-Credits' – etwa Filmpreise – nachweisen kann, werden wir diese Auszeichnung nicht verwehren”, ergänzt Müller.
Aberkannt werde das Qualitätszeichen keinem Unternehmen. Das sei so nicht vorgesehen, erklärt man. „Als Auftraggeber erkenne ich, ob die von einem Produktionsunternehmen hergestellten Filme meinen Vorstellungen entsprechen. Und danach kann ich natürlich auswählen”, so Studnitzka weiter. Genau dazu sei das Qualitätszeichen ja da – als Orientierungshilfe.


Weitere Informationen:
www.wko.at

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