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Die P&V Holding baut ihr Druckereiportfolio aus © Panthermedia.net/Igterex
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Skender Fejzuli 23.06.2017

Die P&V Holding baut ihr Druckereiportfolio aus

Robert Plaschko, Vorstand der P&V Gruppe und CEO des Holding-Bogendruckbereichs, im Interview.

••• Von Skender Fejzuli

Die österreichische Druckbranche wandert schon seit langer Zeit durch eine Phase der Konsolidierung, in der die Unternehmen verschiedenste Strategien wählten, um sich den Herausforderungen in diesem rauen Umfeld zu stellen. Einige Betriebe haben sich spezialisiert, andere sind verschwunden, und einige setzen auf Wachstum, wie die Printsparte der P&V Holding mit dem aktuellen Zukauf der Paul Gerin GmbH & CoKG, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Bundeswettbewerbsbehörde.

Die Wachstumsstrategie

„Die Eigentümer der P&V Holding sind schon sehr lange in diesem Business und wissen ganz genau, dass der Markt seit 2008 durch digitale Medien bedroht ist. Es ist ein strategisches Umfeld, in dem in den letzten Jahren viele Druckereien ihren Betrieb eingestellt haben. Insbesondere viele kleine Druckereien waren darunter, ohne dass es von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Andere haben aufgehört, selbst zu drucken und komplett auf Vertrieb umgestellt. Dieses Umfeld ist nicht wirklich sexy und verlangt nach besonderen Lösungen.

Unsere Strategie ist es, aktiv in dieser Marktkonsolidierung zu sein. Wir sind uns sicher, dass jetzt die Zeit gekommen ist, Unternehmen zu übernehmen und die Chance zu ergreifen, zu agieren. Ziel ist es, eine gewisse Größe zu erreichen”, so Robert Plaschko, einer der Vorstände der P&V Gruppe und Geschäftsführer des Bogendruckbereichs der Holding, mit dem medianet über die Marktsituation und den Printbereich der Gruppe sprach, zu dem unter anderem im Printbereich die Herold Druck und Verlag AG, aus dem Bereich Zeitungsdruck und anteilig die Bogendruckspezialisten AV+Astoria, Wien, agensketterl, Mauerbach, Schreier & Braune, Wien, Grasl Druck & Neue Medien, Bad Vöslau, Alwa & Deil, Wien, und der Amedia Vertrieb gehören.

Die Standortstrategie

Schon jetzt ist die Gruppe die Nummer eins in ihrem Segment in Österreich und beschäftigt bei einem Umsatz von rund 40 Mio. € rund 180 Mitarbeiter im Bogendruck. „Gerin ist entsprechend groß und hat sich in den letzten Jahren ganz gut entwickelt. Das Unternehmen würde sehr gut zu uns passen”, so Plaschko.

Bei einer Zustimmung der Wettbewerbsbehörde und der darauffolgenden Übernahme von Gerin, der Nummer zwei im österreichischen Bogendruck, würde dieses Segment der Gruppe auf bis zu 65 Mio. € anwachsen und 310 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz bieten. Damit wird weiterhin von der Gruppe auf den Standort Österreich gesetzt. „Es gibt Produkte, die von einer bestimmten Lieferfrist abhängen und damit eine Nahversorgung benötigen. Natürlich muss man dafür auch Standortnachteile in Kauf nehmen. Die Lohnkosten sind ein wichtiges Thema in Österreich, denn sogar in Deutschland sind die Tarifverträge rund 15% niedriger. Dazu kommt ein schrumpfender Markt bei steigenden Druck. Der Markt ist aber nach wie vor groß genug und hat sich inzwischen stabilisiert. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass inzwischen der Bodensatz erreicht ist und man bei einer bestimmten Unternehmensgröße immer noch gut in ihm leben kann, wenn man weiterhin die neuen Technologien nicht aus den Augen verliert”, skizziert Plaschko die Standortstrategie und betont, dass Gerin bei positiven Bescheid der Wettbewerbsbehörde als Teil der Gruppe weiterhin in Wolkerdorf unter der bestehenden Marke produzieren wird. Das entspricht auch der Markenstrategie der Holding.

Die Mehrmarkenstrategie

Plaschko hat nach der kurzen Zeit, an der er an der Spitze steht, nach vielen Gesprächen mit den bestehenden Kunden festgelegt, auch weiterhin die Mehrmarkenstrategie fortzuführen: „Solange uns mehr Vorteile dadurch erwachsen, als es uns kostet, werden wir aus der entstandenen Tradition, der Historie und den vielen Kundenbindungen, die bestehen, mit der Mehrmarkenstrategie fortfahren. Eine Änderung soll nicht dazu führen, dass bestehende Kundenbeziehungen geschwächt werden. Sollten sich die Rahmenbedingungen einmal ändern, dann werden wir entsprechend darauf reagieren;dDazu habe ich mir schon ein Konzept zurechtgelegt.”

Die Gruppenidentität

„Wir sind eine klassische Bogenoffsetdruckgruppe, die in bestimmten Formaten Produkte fertigt und vollstufig aufgestellt ist. Von der Vorstufe über die Weiterverarbeitung mit Klebebinden bieten wir unseren Kunden spezielle Möglichkeiten, die kaum eine andere Bogendruckgruppe in ihrem Portfolio hat. Wir haben über unsere Produktionsstandorte hinweg ein sehr breites Spektrum, das wir optimieren werden, um es entsprechend geordnet industriell anbieten zu können”, beschreibt Plaschko den aktuellen Status, in dem die Gruppe noch klassische Verfahren verwendet, mit denen sie ihren Kunden ein sehr gutes Service bieten kann.

Der Plan

Um für die Zukunft noch besser gewappnet zu sein, beschäftigt sich die Gruppe neben der digitalen Automatisierung und Vernetzung intensiv mit ­Inkjetlösungen: „Es ist eine Technologie, die unseren Kunden gute Lösungen anbieten kann und Teile des Offsetdruck anders darstellen wird.” An das oft erwähnte Sterben der Druckbranche glaubt Plaschko nicht: „Es wird neben dem Onlinebusiness auch weiterhin ein industrielles Business geben, in welchem Unternehmen mit klassischen Vertriebsmethoden erfolgreich wirtschaften werden.”

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