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Dietrich Mateschitz: Der Herr über die Ein- & Ausschalttaste © APA/Erwin Scheriau
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Dinko Fejzuli und René Ach 06.05.2016

Dietrich Mateschitz: Der Herr über die Ein- & Ausschalttaste

ServusTV wird nun, wie es scheint, doch weitergeführt – die Grundsatzkritik mancher am derzeitigen dualen TV-System bleibt.

••• Von Dinko Fejzuli und René Ach

SALZBURG. Es war ein Paukenschlag, der am Dienstagvormittag aus dem salzburgerischen Wals-Siezenheim die österreichische Medienbranche erschütterte. „ServusTV gibt den Betrieb auf”, gab das Unternehmen am Dienstag dieser Woche in einer kurzen Aussendung bekannt. Nachdem man Jahr für Jahr einen „dreistelligen Millionenbetrag in ServusTV investiert” habe und sich keine Veränderung des Markts zeige, sei das Unternehmen „wirtschaftlich untragbar geworden”. Alle Mitarbeiter, über 240 an der Zahl, wurden laut Medienberichten am Dienstag zur Kündigung angemeldet.

Mittwochnachmittag kam dann die überraschende Wende: Nach einem Treffen der Verantwortlichen von Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Red Bull ließ man in einer kurzen Pressemeldung verlauten, ServusTV werden nun doch weiter- geführt. „Nicht überraschend für einen Betrieb, der für seine hohen sozialen Standards bekannt ist, lehnt die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter einen Betriebsrat ab”, hieß es in der Aussendung. „Im Gespräch mit AK und ÖGB wurde diese Haltung der Belegschaft respektiert und damit bestehende Vorbehalte beseitigt. Die Fortsetzung der parteipolitischen unabhängigen Linie wird von allen Beteiligten begrüßt. Red Bull führt daher den Sender weiter, und die Kündigungen werden zurückgenommen.”

Was war passiert?

Die Chronologie eines zu früh angekündigten Todes: Am Dienstag schrieben mehrere Medien nach den Berichten über die wirtschaftlichen Gründe für das Sender-Aus, dass die geplante Gründung eines Betriebsrats ServusTV-Eigentümer Dietrich Mateschitz dermaßen erzürnt habe, dass er kurzentschlossen bei seinem Sender die Stopp-Taste gedrückt hatte. Auch Mateschitz selbst bestätigte anschließend, dass es sich hierbei um den ausschlaggebenden Grund handle, denn „Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit, insbesondere durch politische Parteien, egal welcher Richtung” sei von Anfang an ein tragender Pfeiler von ServusTV gewesen und die sehe er dadurch „nachhaltig beschädigt”. ­Eine solche Forderung sei daher „bei der Entscheidung in der aktuellen Situation nicht gerade dienlich” gewesen, so Mateschitz. Letztendlich war es dann nicht „Stopp”, sondern „Pause” ...

Das sagte die Branche

Peter Drobil, Werbeleiter Bank Austria und ein Kunde des Senders, fand es auf Anfrage von medianet schade, dass ein qualitativ so hochwertiger Sender wie ServusTV nicht mit einem geringen Minus zu finanzieren war. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass man den Sender jährlich mit einem dreistelligen Millionenbetrag stützen musste.”

Auch ein weiterer Großkunde von ServusTV, die Möbelkette XXXLutz, zeigte sich zwischenzeitlich bestürzt; Unternehmenssprecher Thomas Saliger gegenüber medianet: „XXXLutz war ein Werbepartner der ersten Stunde, und wir haben über diesen Kanal gute und kaufkräftige Konsumenten erreicht.”
Für Joachim Feher, CEO MediaCom, kam das vermeintliche Ende ebenso überraschend, wenn auch verständlich: „Wenn es seit Jahren de facto keine Entwicklung gibt – vor allem hat sich auch in der Reichweite und dem Marktanteil nichts geändert.”

Einzelkämpfertum

Bedauern gab es zunächst auch bei Petra Hauser, Geschäftsführerin der zweitgrößten Media-Agenturengruppe ­media.at: „Wir als Agentur haben den Sender immer gut gebucht, weil wir der Meinung sind, dass ein so originär österreichisches Programm, wie es ServusTV geboten hat, für das Qualitätssegment wichtig war und ein passendes Umfeld für unsere Kunden geboten hatte.”

Angesprochen auf die Frage, ob man es als Einzelsender in Österreich besonders schwer habe, und ob ein neuer Eigentümer, dann ­unter dem Dach einer Sendergruppe, nicht ein Ausweg gewesen wäre, meinte Walter Zinggl, Chef des Vermarkters IP: „Das ist eine sehr hypothetische Frage. Aber generell gesprochen: Zu so einer Idee gehören immer zwei, und in diesem ­spezifischen Fall wäre es an ServusTV gelegen, Signale auszusenden, darüber sprechen zu wollen. Allgemein ist ServusTV ein Sender, der stets seine Eigenständigkeit betont hat.
Auch im ORF bedauerte man anfänglich das vermeldete Aus von ServusTV, wie der öffentlich-rechtliche Sender gegenüber der APA ­bekannt gab. Es gab sogar schon ein Gesprächsangebot an ServusTV, „um gemeinsam auszuloten, wie man die in den letzten Jahren geschaffene Substanz zumindest teilweise erhalten und fortführen kann”. Und auch Medienminister Josef Ostermayer hatte sich am Dienstag dieser Woche „betroffen” ob der „Schwächung des dualen Rundfunksystems” gezeigt.

Swoboda: „Das Problem bleibt”

VÖP-Präsident Swoboda hatte zunächst schockiert reagiert, schließlich stehe Servus TV „seit sieben Jahren für ein äußerst hochqualitatives Programmangebot”. Aber auch jetzt, nachdem die zumindest vorläufige Rettung des Senders möglich scheint, bleibt Swoboda bei seiner grundsätzlich geäußerten Kritik zum derzeitigen Medien-Finanzierungssystem und der damit verbundenen Übermacht des ORF. „ServusTV steht trotz der Einigung nicht besser da. Offensichtlich hat der Eigentümer die Möglichkeit, ServusTV zu finanzieren, aber es ist auch klar, dass ein Sender wie ServusTV aufgrund der Rahmenbedingungen nicht finanzierbar ist.”

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