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Du-Wort, Frauen-Fokus und Deutschland-Expansion © Jeff Mangione/Kurier
© Jeff Mangione/Kurier

26.02.2016

Du-Wort, Frauen-Fokus und Deutschland-Expansion

Welche Pläne hat die neue Futurezone-Chefredakteurin für das ­Techportal? Darüber sprach medianet exklusiv mit Claudia Zettel.

••• Von Jürgen Hofer

WIEN. Du-Wort, Frauen-Fokus und Deutschland-Expansion – so lassen sich die Pläne der neuen Future­zone-Chefredakteurin Claudia ­Zettel in Schlagworten umreißen, die die Arbeit ihres Vorgängers ­Gerald Reischl „mit einem wirklich gut aufgestellten, stetig wachsendem Portal” fortsetzen will und nicht „grundsätzlich alles über den Haufen werfen möchte”, sondern punktuell adaptieren, wie sie im Interview mit medianet erläutert.

Erster Punkt: das bereits kommunizierte und eingeführte Du-Wort des Mediums gegenüber dem Leser. „Bisher haben wir relativ brav und nüchtern formuliert, die User zudem per Sie angesprochen. Das wirkt auf Sozialen Netzwerken bei einer zumeist jungen, digi­talaffinen Leserschaft durchaus absurd”, so Zettel. Teil dieser authentischeren, persönlicheren Ansprache ist in weiterer Folge auch das Schreiben der Testberichte aus der Ich-Perspektive. „Diese Vorgangsweise ist bei angloamerikanischen Techblogs total verbreitet – und es liest sich auch viel natürlicher und lockerer”, erläutert Zettel. Dabei werde aber die gebotene Objektivität und Distanz nicht auf der Strecke bleiben, die Test­berichte würden wie bisher formalen, harten Kriterien unterliegen. „Wir werden dadurch aber persönlicher und ehrlicher in der Sprache. Formulierungen wie ‚man empfindet' klingen total gestelzt, die werden wir durch ‚ich empfinde' ersetzen.”
Was sich Zettel weiters selbst auf die Fahnen heftet, ist auch ein persönliches Anliegen: Das Thema „Frauen” auf der Futurezone stärker sichtbar machen. „Nicht die typische Aufbereitung mit dem Holzhammer, wo man in einem Special banal das Thema ‚Frauen und Technik' behandelt, oder Antworten auf die Frage ‚Wie machen Sie das jetzt mit Beruf und Kindern?' gesucht werden, sondern bewusst den Fokus auf die Frage zu legen, wo Frauen besondere Leistungen erbringen, welche Gründerinnen es gibt oder wo coole und interessante Frauen in der Branche agieren”, erläutert Zettel. „Frauen sollen bei uns eine Plattform erhalten und somit ihre Leistungen sichtbar gemacht werden.”

Eigenem Image treu bleiben

Dabei werde man Frauen in bestehende Themen verstärkt integrieren und auch als Anlass nehmen, über diese Themen zu berichten. „Ich weiß, dass es eine relativ gehypte und florierende Start-up-Szene in Österreich gibt, die sehr männlich dominiert ist – auch medial. Zugleich gibt es hoch erfolgreiche Gründerinnen, die ich eben bewusst vor den Vorhang holen will”, gibt Zettel exemplarisch vor.

Inhaltlich werde die Futurezone ihrer Linie treu bleiben. „Wir sind das relevanteste Technikmedium in Österreich”, so Zettel, und man werde auch künftig Themen, aber auch Gewichtungen vorgeben: „Die Futurezone hat ein gewisses Image, wenn es beispielsweise um die inhaltliche Position gegen Überwachung durch den Staat, etc. geht. Davon werden wir nicht abrücken.” Und man werde den inhaltlichen Spagat zwischen „Hardcore-Nerd-Themen” und Unterhaltung, wie einem witzigen Katzen-Meme, auch künftig nicht scheuen: „Digital Lifestyle ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Themenspektrums.”
Gespielt werden die Inhalte neben dem Online-Auftritt von Dienstag bis Samstag auch nach wie vor auf einer eigenen Seite im Kurier, dazu gibt es Sonderpublikationen in Form von Beilagen. „Die Frage die sich viele Medienhäuser stellen, nämlich wie man Print und Online redaktionell zusammenbekommt und organisiert, stellte sich bei uns nie. Die Futurezone hat das immer schon vorgelebt”, so Zettel.

Design und Struktur adaptieren

Was das Onlineportal betrifft, wird man nachdem der kurier.at-Relaunch vollzogen ist (medianet hat exklusiv vorab berichtet) auch bei futurezone.at die Weichen stellen: Einhergehend mit der Installation eines neuen CMS, werde man sich überlegen, wie man die Page sowohl in Sachen Design als auch Struktur adaptiert. Paid Content sei dabei kein Thema, bekräftigt Zettel. Eine Rolle hingegen spielen weiterhin Advertorials und Medienkooperationen, die aber auch weiterhin „natürlich klar gekennzeichnet” sind. Das passiert auch in Form von Themenschwerpunkten oder Subchannels, wo bewusst Akzente im Sinne von Partnern gesetzt werden. „In der redaktionellen Umsetzung agieren wir dabei immer unabhängig, da haben Anzeigenkunden null Einfluss.”

Blick nach Deutschland richten

Strategisch richtet die Future­zone ihren Blick auch über die Landesgrenzen hinaus. „Thematisch denken wir ohnehin schon international, wir wollen mit diesen Inhalten künftig auch in Sachen Zielgruppe stärker den kompletten deutschsprachigen Raum in Angriff nehmen”, so Zettel. Vor allem netz­politische Vorgänge würden ohnehin auf EU-Ebene passieren und seien damit automatisch auch für Leser aus Deutschland, aber auch der Schweiz interessant, Neuvorstellungen von Hardware oder Testberichte ebenso.

Dafür kann sich Zettel auch vorstellen, mit befreundeten Medienhäusern zu kooperieren – weniger mit jenen, die Futurezone-Themen bereits bedienen, sondern welche, die dieses Segment noch nicht abdecken. „Ich sehe hier sehr wohl Lücken, wo wir hinein können.”
Welche Sphären strebt Zettel in Sachen Wachstum und Zugriffe an? „Der Plan für heuer ist, in Richtung 1-Million-Unique Clients-Marke zu kommen und diese zu knacken”, so die Chefredakteurin. Vorgaben vom Eigentümer Kurier Medienhaus habe sie nicht, man sitze aber sehr wohl jedes Jahr an einem gemeinsamen Tisch und definiere Jahresziele. „Es kommt aber keiner zu mir und sagt ‚das musst du machen'”, verweist Zettel auf die Unabhängigkeit des Portals auch im eigenen Haus.

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