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Eine echte Königsdisziplin © leadersnet.at/Daniel Mikkelsen

Walter Zinggl Der neue AGTT- Obmann und Chef des Werbezeitenvermarkters IP über eine mögliche Bilanz: „Die Agenda eines Obmanns wird besser bei seinem Abgangs-Interview beurteilt als bei seinem Antritts-Interview.”

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Walter Zinggl Der neue AGTT- Obmann und Chef des Werbezeitenvermarkters IP über eine mögliche Bilanz: „Die Agenda eines Obmanns wird besser bei seinem Abgangs-Interview beurteilt als bei seinem Antritts-Interview.”

26.02.2016

Eine echte Königsdisziplin

Aktuell stehen in 1.613 österr. TV-Haushalten Teletest-Geräte, um damit repräsentativ das TV-Verhalten von Herr & Frau Österreicher zu beobachten. medianet sprach mit dem neuen AGTT-Obmann, IP-Boss Walter Zinggl.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN. Seit Kurzem ist IP-Chef Walter Zinggl auch der neue Chef der Arbeitsgemeinschaft Teletest (AGTT); wir baten ihn zu seiner neuen Aufgabe um ein paar Antworten.

medianet: Herr Zinggl, Sie sind neuer AGTT-Präsident. Was genau ist die Aufgabe des AGTT-Präsidenten und übernehmen Sie damit u.a. auch die Vertretung der AGTT im Verein Media Server?
Walter Zinggl: Die AGTT ist ein Verein und gewählt wird ein Obmann – und für 2016/17 haben die Kolleginnen und Kollegen mich gewählt. Die Aufgabe umfasst – neben den im Vereinsrecht definierten – vor allem die Funktion des ‚Sprechers nach außen', also sowohl in den Markt als auch die Verbindung zu ähnlichen Verbänden anderer Medien, also MA, VÖZ, Radiotest, IGMA und, richtig, auch den Mediaserver. TV ist und bleibt das wesentlichste Medium – dies immer wieder zu transportieren, ist eine weitere wesentliche Aufgabe der AGTT und damit auch des Obmanns. Im Innenbereich – also vor allem der Gestaltung der Teleme­trie in Österreich hat jeder Obmann den Spezialisten in der ‚Technischen Kommission' vertraut – und das werde ich fortführen. Dass Verhandlungen mit Marktforschungsinstituten über den Betrieb und die Kontrolle der Telemetrie ebenfalls in den Bereich des Vorstands unter der Führung des Obmanns fallen, ist wohl selbstverständlich.

medianet: Stichwort Media Server: Nach den ersten Zahlen im Dezember 2015 kommen die nächsten fusionierten Daten im April. Wie beurteilen Sie als Fachmann die Daten des Media-Servers im Vergleich zu den bisher verfügbaren Kennzahlen?
Zinggl: Die Ergebnisse des Mediaservers sind einzigartig: Es ist die erste single-source-Untersuchung der Mediennutzung aller Österreicherinnen und Österreicher. Bei mehr als 15.000 Respondenten wurde über zwölf Monate die Nutzung aller Medien erhoben – das gab es bis dato nicht. Daher sind mit den Mediaserver-Ergebnissen auch ein paar Mythen endgültig ins Reich der Fabeln verwiesen: Gott sei Dank auch im TV – etwa das Vorurteil, ‚die Jungen schauen nicht mehr fern'.

77% aller jungen Österreicherinnen und Österreicher schauen täglich lineares Fernsehen – das ist die Realität. Auch die Nutzung von ­Second Screens wurde offensichtlich zu hoch eingeschätzt – nur 15 Prozent aller österreichischen Fernsehnutzer verwenden parallel einen Laptop, Tablet oder Smartphone. Das und noch vieles mehr wissen wir jetzt – und ich freue mich natürlich auf die Weiterentwicklung dieser einzigartigen ­Untersuchung.


medianet: Die AGTT wird heuer erstmals auch Online-Streaming in den Ergebnissen abbilden. Wird dies Veränderungen in der Planung der Media-Agenturen mit sich bringen?
Zinggl: Diese Frage ist eher an die Mediaagenturen zu stellen. Mit den Ergebnissen der Messung von non-linearen TV-Plattformen analog den harten Kriterien der Teleme­trie wird natürlich die tatsächliche Nutzung der Inhalte unserer Sender auf allen Kanälen wesentlich transparenter und kongruenter in die Planungen einzubeziehen sein. Ich hoffe doch, dass die Agenturen die Ergebnisse in den Planungen für ihre Kunden verwenden werden.

medianet:
Eine Frage zum Teletest: Im Vergleich zu anderen Ländern hat Österreich eine hohe Dichte an Test-Haushalten. Trotzdem kommen von den kleinen Sendern immer wieder Klagen, deren geringer Marktanteil würde zu großen Schwankungen bei den für sie ausgewiesenen Daten führen. Wie ließe sich dieses Problem lösen, oder ist die Kritik hier unberechtigt?
Zinggl: Kein System ist perfekt – und ich vermarkte mit der IP Österreich ja auch RTL Nitro und kenne die Problematik aus eigener Erfahrung. Die Crux ist einfach das Budget: Telemetrie ist die Königsdisziplin der Mediaforschung und entsprechend ‚königlich' sind die entstehenden Kosten. Und ja, das Panel in Österreich ist bereits sehr groß. Dies ist eine Aufgabe, an der die technische Kommission zu arbeiten hat: die Schwankungsbreite durch die Qualität des Panels und der Kontrollen zu verbessern, ohne die Kosten zu steigern.

medianet: Die Frage zum Schluss: Der Neue hat auch immer Neues vor. Was steht hier auf der Agenda von AGTT-Präsident Walter Zinggl?
Zinggl: Die AGTT ist ein verlässlicher Partner der österreichischen Werbewirtschaft. Dies muss und wird so bleiben. Vielleicht gelingt durch den Beitritt der AGTT zu ‚Screenforce' der Ausbau der ehemals ‚deutschen' Gattungsmarketing-Plattform zu einer ‚deutschsprachigen'. Nachdem jetzt auch die Schweizer Kollegen zu Screenforce gestoßen sind, wäre das ein richtiger Schritt. Aber die Agenda eines Obmanns wird besser bei seinem Abgangs-Interview beurteilt als bei seinem Antritts-Interview.

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