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Eine neue Generation am Ruder © medianet

Einst und Jetzt Ein Gemälde von Fritz Aigner, 1983 gemalt, welches „Die Wimmer-Arche” heißt. Abgebildet ist die Familie mit den Mitarbeitern des Nachrichten-Schiffs. Davor: die Brüder Lorenz, Gino und Paolo Cuturi (v.l.).

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Einst und Jetzt Ein Gemälde von Fritz Aigner, 1983 gemalt, welches „Die Wimmer-Arche” heißt. Abgebildet ist die Familie mit den Mitarbeitern des Nachrichten-Schiffs. Davor: die Brüder Lorenz, Gino und Paolo Cuturi (v.l.).

11.12.2015

Eine neue Generation am Ruder

Die Brüder Lorenz, Gino und Paolo Cuturi über ihre Ansätze eines Medienunternehmens im 21. Jahrhundert – von vollzogenem Generationenwechsel über regionale Verankerung bis hin zu Online und Paywall.

LINZ. Im September 2015 war der Startschuss zum schrittweisen Rückzug von Rudolf Andreas Cuturi, Herausgeber und Geschäftsführer der Wimmer Medien Gruppe, aus dem Tagesgeschäft und für Lorenz, Gino und Paolo Cuturi der Zeitpunkt, um zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.

medianet hat die drei Brüder zum Gespräch gebeten, um mehr über ihre Ideen, Gedanken, Herausforderungen und Projekte zu erfahren.

Sauberer Generationenwechsel

„Der Prozess der Übergabe wurde sehr sauber vorbereitet und wird ja bereits die längste Zeit in sinnvollen Schritten umgesetzt. Unser Vater genießt nun mehr und mehr die Freude und Freiheit, sich auszuklinken, wobei wir immer auf seine Erfahrungen und Einschätzungen zugreifen können; er ist ja zwischen den Reisen mit meiner Mutter nach wie vor regelmäßig im Büro”, erläutert Paolo Cuturi.

Strategische Entscheidungen bespreche man gemeinsam. „Neben seinem Halt haben wir auch ein hervorragendes Team an Managern im Unternehmen, die sehr gut mit uns zusammenarbeiten. Ich denke, wenn die nächste Generation einmal unter einander einig und die Orientierung gegeben ist, ist die gelungene Übergabe dann vollzogen, wenn die Mitarbeiter ebenso Vertrauen zeigen und mit uns gemeinsam weiter am Strang ziehen. Hier wurde schon vieles richtig gemacht.”

Denken in Generationen

„Wir sind ein Unternehmen mit einer wirtschaftlich guten Basis, das schwarze Zahlen schreibt und relativ unabhängig ist”, erläutert Gino. Alle drei sind sich einig, dass dies auf sehr vielen richtigen Entscheidungen basiert, die ihr Vater in der Vergangenheit getroffen hat. Besonders der Vorteil eines Familienunternehmens wird betont, denn man denke in Generationen und müsse nicht wie klassische Manager sehr kurzfristig agieren. Als weitere Stärke heben die Brüder die regionale Ausrichtung des Medienhauses hervor.

„‚Regional' ist in unserer DNA”

Lorenz Cuturi, verantwortlich für die digitalen und elektronischen Bereiche des Unternehmens, sieht die Regionalität als eine der Kernkompetenzen des Medienunternehmens. „Oberösterreich und insbesondere Linz sind ein sehr vitaler Markt und das hilft uns.”

Gino Cuturi fügt im selben Atemzug noch hinzu, dass die regionale Kraft der Oberösterreichischen Nachrichten mit der neuen Kundenkarte zusätzlich die vertrieb­liche zur redaktionellen Stärke demonstriert: „Als weitere Kernkompetenz sorgt die Kommunikation dafür, dass die Karte, im Gegensatz zu Karten von anderen Anbietern, intensiver genutzt wird.”
Aber, so die drei, es gäbe auch noch Aufgaben, die das Trio noch länger beschäftigen werden. Insbesondere der Anzeigenmarkt stelle eine der größten Herausforderungen in den Augen der Brüder dar. Trotz einer Studie von Price Cooper Waterhaus, die voraussagt, dass das Anzeigengeschäft der Tageszeitungen bis 2018 um 2% steigen könnte, erwarten die drei keine starke Print-Renaissance, sondern erhoffen sich eine Stabilisierung mit einer kleinen, kurzfristigen Steigerung.

Online als Herausforderung

Eine weitere Challenge stelle die Digitalisierung dar. Hier meint Lorenz Cuturi: „Aus unserer Sicht sind wir in der digitalen Diversifizierung noch nicht so breit aufgestellt wie manche andere Medienhäuser, was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.” Soweit er wisse, wurden hohe Summen von Medienhäusern im Digitalbereich ohne den erhofften Erfolg investiert.

„Online gelten andere Regeln. Hier muss man die Kraft des Verlags bündeln und seine Nische im Onlinemarkt finden, besonders da die Spielregeln von anderen wie Google und Facebook festgelegt werden und AdBlocker uns zwingen, neue Wege zu gehen, um weiterhin Onlineerlöse zu lukrieren. Mittlerweile sind in manchen Ländern schon etwa 50% der Jugendlichen digitale Werbeverweigerer.”

Die Angst des First Movers

In Deutschland haben über 110 Verlage beziehungsweise Titel schon reagiert und eine Paywall auf ihrer Homepage aufgezogen. In Österreich müssten, nach Anwendung der beliebten eins zu zehn- Regel, schon zehn Titel Geld für ihre Online-Inhalte verlangen. Aktuell versperren aber nur die Vorarlberger Nachrichten (www.vn.vol.at) ihren Online-Auftritt komplett hinter einer Paywall, und das WirtschaftsBlatt versucht es mit einer Freemium-Variante. ­Lorenz Cuturi denkt, dass jedoch in der Branche die Meinung vorherrschend ist, dass der Erste, der sich bewegt, verlieren könnte, obwohl sich der mögliche Verlust wohl in Grenzen halten würde.

Größte Investition

Keine Verluste, sondern langfristige Erlöse erwartet sich Paolo ­Cuturi in der Immobiliensparte des Unternehmens. Besonders der Bau der „Promenaden Galerie” lässt ihn schwärmen: „Natürlich hatten wir Glück, ein Grundstück in einer solchen Lage zu besitzen und auch, dass die Finanzierung derzeit sehr günstig ist. Wir schaffen damit neuen Wohnraum, Geschäftsräume, neue Büros für uns und beleben die Promenade.”

Aber: Obwohl inzwischen sehr viel Kompetenz im Immobilienbereich aufgebaut wurde, sehen sich die Brüder nicht als Immobilienunternehmen; vielmehr sei das Geschäft der Information und Medien das Herzstück und stelle aktuell die Haupteinnahmequelle dar. Es sei aber jeder gut beraten, betont Paolo Cuturi, zukünftig seine Strategie im Medienbereich zu diversifizieren. (skf)

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