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Gerufene Geister gehen nicht wieder
Dinko Fejzuli 09.09.2016

Gerufene Geister gehen nicht wieder

Der Bundespräsidenten-Wahlkampf ist schmutzig – vor allem das Netz ist eine echte Kloake 2.0.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

GERÜCHTEKÜCHE. „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los” heißt es so schön im „Zauberlehrling” und der Ausspruch ist aktueller den je – vor allem in Bezug auf den derzeit laufenden Bundespräsidenten-Wahlkampf.

Was vor allem den Anhängern des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer zu verdanken ist, denn diese nutzen besonders das Web, um eine obskure Anschuldigung nach der anderen gegen Hofers Gegner Van der Bellen zu lancieren.
Das Drama dabei: All diese zu einem beträchtlichen Teil bereits auf den ersten Blick als völlig unglaubwürdig erscheinenden Gerüchte fallen bei Hofers Anhängern auf fruchtbaren Boden; sie werden kommentiert, ausgeschmückt und geteilt.
Einer der Höhepunkte dieser Gerüchte-Orgie waren Postings zum Gesundheitszustand Van der Bellens, die bis hin zu Mutmaßungen führten, der starke Raucher würde an Lungenkrebs leiden und sei daher gar nichts amtsfähig.
Seitens seines Gegenkandidaten war in dieser Zeit kein mahnendes Wort der Mäßigung zu vernehmen; Sie wissen schon: Präsident, präsidial, erhaben und so …
Nun hat es Hofer, den Vertreter jener Partei, die auch unter Zuhilfenahme der Sozialen Medien „gegen die da oben” zu kämpfen vorgibt, gehörig erwischt: Jemand hat der Tageszeitung Kurier einen Bescheid zugespielt, der offenbart, dass Norbert Hofer vergangenes Jahr, wohlgemerkt als amtierender Dritter Nationalratspräsident mit einem Monatssalär von 14.766 €, Pflegegeld beantragt hat.
Solche Dinge prangert man üblicherweise bei „denen da oben” an, nun gehört er aber selbst dazu. Das Ganze mag rechtlich in Ordnung sein, moralisch ist es nicht. Aber auch die Frage, ob so ein Bescheid überhaupt an die Öffentlichkeit gezerrt werden darf, ist berechtigt. Vermutlich nicht.
Aber nach Jahren des Zündelns sind solche öffentlichen Bloßstellungen wohl die logische Folge. Dafür verantwortlich sind aber sehr wohl die politischen Brandstifter, die jetzt – und nur für sich selbst – nach der moralischen Feuerwehr rufen.

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