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In Cannes wurde wieder professionell ferngesehen © S. d’Halloy/Image & Co
© S. d’Halloy/Image & Co

Petra Steinke 08.04.2016

In Cannes wurde wieder professionell ferngesehen

Die größte internationale Messe für TV-Programme und digitalen Content, die MIPTV in Cannes, ging diese Woche über die Bühne.

••• Von Petra Steinke aus Cannes

CANNES. Jedes Jahr im April kommen die erfolgreichsten Vertriebe und circa 4.000 Einkäufer auf der MIPTV im südfranzösischen Cannes zusammen, verhandeln über Koproduktionen und Lizenzen, besuchen das umfangreiche Konferenzprogramm und treffen auf die führenden Vertreter der internationalen Unterhaltungsindustrie.

Erfolgreiches Österreich

Aus österreichischer Sicht lief die MIPTV erfolgreich ab. So waren die Terra Mater-Dokus gefragt, und Servus TV konnte mehr als 100 Stunden österreichisches Premium-Programm unter anderem in die USA, nach Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Australien und China verkaufen.

Auch beim ORF waren vor allem, aber nicht nur Wildlife-Formate ein Verkaufsschlager, und es hatte sich ausgezahlt, dass der ORF heuer mit dem größten Line-up an „Universum”-Dokumentationen auf der MIPTV in Cannes vertreten war. Und so verkauften sich diverse Universum-Folgen nach Dänemark, Korea oder auch China.
Und: Auch fiktionaler Content ist am internationalen Fernsehmarkt gefragt: Die ORF-Serie „Vier Frauen und ein Todesfall” verkauft sich beispielsweise an Fox Networks Italy, das sich die Rechte an den neuen drei Staffeln sichert. „Die Qualität aus Österreich beeindruckt auf allen Messen. Die internationale Aufmerksamkeit sorgt für hohes Interesse an heimischen Produktionen. Abseits der Content-Deals entstehen hier zahlreiche ­Kooperationen für neue Projekte”, berichtet ORF-Enterprise Geschäftsführerin ­Beatrice Cox-Riesenfelder.
Auch Richard Grasl, kaufmännischer Direktor des ORF, zeigte sich über die Verkaufserfolge in Cannes mehr als erfreut: „Mit unseren Universum-Dokumentationen sind wir ein internationaler Player. Und wir setzen gerade den nächsten Schritt – wir werden Universum künftig nur mehr in 4 K, also in Ultra HD, produzieren.”
medianet traf auf der MIPTV u.a. auch Vertreter der epo-film. Mit Sitz in Wien und einer Zweigstelle in Graz, produziert epo-film international high-level-Programme für Kino & TV und hat sich über alle Grenzen hinweg längst einen Namen mit anspruchsvollen Produktionen gemacht. Erst im Jänner wurden die Kino-Produktionen „Jack” und „Superwelt” mit dem Österreichischen Filmpreis 2016 geehrt. Die TV-Produktion „Luis Trenker – der schmale Grat der Wahrheit” (2015) mit Tobias Moretti in der Hauptrolle war ein internationaler Erfolg.
Mut zu künstlerischen Arthausfilmen sowie Diversifizierung zeichnen die epo-film aus. Langjährige Kooperationen mit Karl Markovics bestätigen Beständigkeit und Respekt zwischen den Partnern.
epo-Geschäftsführer Dieter Pochlatko weiß, was es braucht, um österreichische TV-Produktionen international erfolgreich zu produzieren: „Mut zu unbequemen Themen und gute Namen von Schauspielern sind ein großer Erfolgsgarant.”
Österreichische TV- und Filmproduktionen sind auch deswegen erfolgreich, so Pochlatko, weil hierzulande eine sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet werde. Die Filmakademie fördere intensiv junge Kreative von Beginn an, damit habe Österreich die besten Voraussetzungen. um internationale Erfolge zu erzielen. Daneben fördern auch der ORF und die RTR heimische Produktionen mit erheblichen Mitteln.
Das dokumentarische Road-Movie „Sie nannten ihn Spencer” – eine Art Schnitzeljagd nach dem italienischen Schauspieler Bud Spencer, der bereits Kultstatus genießt – stammt ebenfalls aus der epo-film- Produktion, und für ORF-Universum produzierte man u.a. die Dokumentation „Das wilde Istanbul”. Der neue Polt-Film‚ „Alt, aber Polt” (90 Minuten) von Alfred Komarek mit Erwin Steinhauer entstand gemeinsam mit dem ORF und Arte.

Programm: MIPDrama Screenings

Mit den „MIPDrama Screenings” hat die TV-Messe erstmals dem anhaltenden Drama-Boom einen neuen, eintägigen Programmschwerpunkt gewidmet. Gut 350 geladene Fachbesucher aus 55 Ländern sowie Einkäufer u.a. von Canal +, BBC, Entertainment One, Sky, ORF, TV Globo, A+E Networks, Showtime Network, DirecTV Latin America oder Lionsgate sahen zwölf Drama-Produktionen aus zehn Ländern, die von einer Fachjury für die Teilnahme ausgewählt wurden. Sieger wurde die zehnteilige Krimiserie „Public Enemy”.

Die Veranstaltungsreihe „Digital Fronts” beschäftigte sich mit digitalen Themen und holte u.a. Endemol Beyond, Fremantlemedia, Vice Media und das zu ProSiebenSat.1-Universum gehörende Multi-Channel-Network Studio 71 in das Programm. Neu diesmal: der ‚Digital Square Meets-Up' – eine Networking-Plattform für internationale Produzenten.
Guillaume de Posch, Co-CEO der RTL Group, sprach in seiner Keynote von einer neuen TV-Definition. Demnach bedeute TV heute nicht mehr „Television”, sondern „Total Video”, weil „TV-Programme auf allen Plattformen verbreitet werden sollten”, so Posch, „TV ist nicht mehr nur im Wohnzimmer präsent; wo auch immer wir sind, es begleitet uns immer.” RTL habe schon früh diese neue Schlagkraft des Online-Video-Markts erkannt und sei nach der Investition in das Online-Video-Unternehmen Broadband TV jetzt das größte Multichannel Netzwerk weltweit, noch vor den Rivalen Maker Studios und Fullscreen.

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