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Ist der CCA noch zu retten? © leadersnet.at/Katharina Schiffl

Mariusz Jan Demner fährt schweres verbales Geschütz gegen den CCA auf.

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Mariusz Jan Demner fährt schweres verbales Geschütz gegen den CCA auf.

Mariusz Jan Demner 11.03.2016

Ist der CCA noch zu retten?

„Sieht man sich Ranking und ausgezeichnete Arbeiten an, stellt sich die Frage: Bildet Österreichs bisher wichtigster Kreativ-Wettbewerb überhaupt noch einen Wettbewerb ab?”

Gastkommentar••• Von Mariusz Jan Demner

WIEN. Die CCA-Juries haben getagt, Gala und Prämierung sind vorbei. Jetzt das ernüchternde Erwachen: Sieht man sich Ranking und ausgezeichnete Arbeiten an, stellt sich die Frage: Bildet Österreichs bisher wichtigster Kreativ-Wettbewerb überhaupt noch einen Wettbewerb ab?

Wesentliches fehlt

Demner, Merlicek & Bergmann hatte heuer nicht eingereicht. Arbeiten von Jung von Matt finden sich nur in homöopathischen Dosierungen und nicht von der Agentur eingereicht. Auch Arbeiten von Ogilvy und anderen wichtigen Playern fehlen. Kurz: Der CCA verliert quasi im freien Fall an Relevanz.

Warum? Im Vorjahr haben uns indiskutable Vorfälle gezwungen, all unsere Arbeiten zurückzuziehen: Das waren mehr als 50 Prozent (!) aller Auszeichnungen. Das CCA-Buch wurde zu einem dicken Ziegel aufgeblasen, der vom Design bemerkenswert ist, allerdings nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Wesentlichstes darin fehlt.

Veneri zu Unrecht aberkannt

Das ist die Hinterlassenschaft eines CCA-Vorstands, der nach den einstimmigen Feststellungen des CCA-Schiedsgerichts D,M&B nicht nur zu Unrecht sechs Veneri aberkannt, sondern auch eine Pressekonferenz wissentlich mit Unwahrheiten gespickt hatte: „Wir verstehen nicht, warum er (Demner) jetzt alle seine Arbeiten zurückzieht. Wir bedauern, dass er damit über alle Personen, die an den vielen Arbeiten mitgewirkt haben, entscheidet, und bedauern, dass diese um ihre Bühne umfallen. Dies gilt insbesondere für den inzwischen aus der Agentur DMB ausgeschieden Franz Merlicek.”

Falsch und unangemessen

Diese Vorwürfe wurden auf der letztjährigen CCA-Gala auch noch wiederholt. Dazu das CCA-Schiedsgericht: „Die zitierte Passage aus der Presseerklärung des CCA-Vorstands war vollkommen unangemessen, inhaltlich falsch und unsachlich. Sie verletzt außerdem die ethische Haltung des CCA.”

Knalleffekt: Das Schiedsgericht hatte ein Vorstandsmitglied und Juryvorsitzenden aufgrund erwiesenen Fehlverhaltens für zwei Jahre von jeglichem Juryvorsitz und auch von der Teilnahme an der ­Jury ausgeschlossen.
Ich hatte damals die Vorfälle so kommentiert: „Der aktuelle CCA-Vorstand hat den Club an die Schwelle eines inhaltlichen und moralischen Bankrotts geführt.”
Leider wahr: Der CCA wird unter solcher Gemengelage so lange leiden, als keine öffentliche Entschuldigung für die Vorfälle erfolgt und die Rechtssicherheit für Einreicher wieder hergestellt wird. Der neue CCA-Vorstand, der jeden Vertrauensvorschuss verdient, hatte angesichts des Schlamassels, das ihm hinterlassen wurde, wohl alle Hände voll zu tun, den Wettbewerb überhaupt noch auf die Beine zu stellen. Es wird ihm jedoch nicht erspart bleiben, den Scherbenhaufen ­wegzuräumen, um dem CCA wieder jene Glaubwürdigkeit zu verleihen, die für sein Ansehen unabdingbar ist. Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht mehr.

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