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Jeder will Qualität, keiner will sie zahlen © FMP/RGE-Media Production
© FMP/RGE-Media Production

Redaktion 02.06.2017

Jeder will Qualität, keiner will sie zahlen

Der FMP Talk #24 stand unter dem Motto: „Lohnt sich ­Qualitätsjournalismus in Zeiten von alternativen Fakten?”

Wie wichtig ist qualitativ hochwertiger Journalismus heutzutage? Diesem Thema widmete sich der erste Morning-Talk des FMP Forum Media Planung. Auf die spannende Keynote von Sebastian Loudon (Die Zeit) folgte eine interaktive Diskussionsrunde mit reger Beteiligung des Publikums. Das Podium, bestehend aus Rainer Schüller (Der Standard), Helge Fahrenberger (Kobuk.at), Doris Kronberger (Havas) und Armin Wolf (ORF), schnitt interessante Themenaspekte rund um die Finanzierung von Medien, die ökonomische Funktion von Qualitätsjournalismus und das passende Umfeld für Werbung an.

Die Schlagworte „Lügenpresse”, „Alternative Fakten” und „Fake News” stehen im vernetzten Zeitalter der Digitalisierung hoch in Kurs.
Für das FMP Forum Media Planung war dies ein guter Grund, der Bedeutung von Qualitätsjournalismus in der heutigen Zeit nachzugehen. Erfreut begrüßten Stephan Kreissler (JobRocker International GmbH) und Peter Strutz (ORF-Enterprise) zahlreiche Gäste zum 24 FMP Talk. Trotz der frühen Morgenstunde beteiligte sich das interessierte Publikum ausgiebig an der Podiumsdiskussion, die von Sebastian Loudon (Die Zeit) ­moderiert wurde.

Eine Frage des Blickwinkels

Im Rahmen der Keynote von ­Loudon wurde schnell ersichtlich: Ob sich Qualitätsjournalismus heutzutage noch lohnt, kann aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet werden.

Für die publizistische Mission, den Menschen zu einem mündigen Bürger zu machen, ist qualitativer Journalismus unersetzbar.

Die Sicht der Werbetreibenden

Im Gegensatz dazu steht die Sicht der Werbetreibenden; hier stellt sich die Frage, ob die Werbung an einer lebendigen journalistischen Medienlandschaft heutzutage überhaupt noch Interesse hat.

Die Digitalisierung hat eine reichhaltige Auswahl an medienunabhängigen Werbemöglichkeiten geschaffen. Dies birgt jedoch die Gefahr, unkontrolliert in unerwünschten Umfeldern zu werben, die dem Image durchaus schaden können. Aus diesem Grund sieht Loudon auch bei Werbetreibenden eine Relevanz für qualitativen Journalismus; er beendete seine Keynote mit dem Appell: „Achten Sie auf Ihr Umfeld.”

Dauerthema Digitalisierung

Im Anschluss gesellten sich Rainer Schüller (Der Standard), Helge Fahrenberger (Kobuk.at), Doris Kronberger (Havas) und Armin Wolf (ORF) zu Loudon aufs Podium, um das Thema der Veranstaltung genauer zu betrachten. Im Rahmen dessen erläuterte Wolf den Ursprung des Begriffs „Fake News” und zeigte auf, dass es diese Falschmeldungen schon immer gegeben hat. Der einzige Unterschied zu damals ist, dass sie sich heute, aufgrund der Digitalisierung, deutlich schneller verbreiten.

Diese neuen technischen Möglichkeiten tragen jedoch auch dazu bei, den bedeutsamen qualitativen Journalismus zu verbessern, so Schüller in einer Beurteilung der Lage aus Sicht des Journalisten.

„Advertising follows eyeballs”

Auch Doris Kronberger, die die Sicht der Werbetreibenden am Podium vertrat, bestätigt die Relevanz von Qualitätsjournalismus und des passenden Werbeumfelds.

Die Aufmerksamkeit, die durch dieses Umfeld generiert wird, ist für die Werbung von großer Bedeutung, denn „advertising follows eyeballs”, so ­Kronberger.
Hier stellte sich für Armin Wolf und Helge Fahrenberger jedoch die Frage, ob sich diese „eyeballs” – also die Augen der Leser – tatsächlich bei den Qualitätsmedien aufhalten.
Ein Vergleich zwischen dem österreichischen Medienboulevard und anspruchsvollen Angeboten lässt daran zweifeln.
Im Zuge dieser Diskussion ging es auch um die große Frage der Medienfinanzierung und der finanziellen Abhängigkeit von Werbegeldern.

Journalismus & Werbung

Eine daraus resultierende Gefahr ist die riskante Vermischung von Journalismus und Werbung sowie der Verlust des politischen Diskurses in Medien. Laut Wolf müssen darum in naher Zukunft neue Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Als Beispiel nannte er zweckgewidmete Förderungen für qualitativ hochwertige Medien. Um eine langfristig rentable ­Finanzierungsmethode zu entwickeln, ist jedoch zuallererst ein gesellschaftliches Umdenken notwendig. Werbetreibende und Staatsbürger müssen die Relevanz von Qualitätsjournalismus erkennen und sich dafür einsetzen, so Fahrenberger und Wolf. Schüller bemerkt an dieser Stelle, dass es einen enormen Erklärungsbedarf bei der Medien­finanzierung gibt; kaum jemand durchschaue die Komplexität des Themas zur Gänze. Mit der Forderung nach einem umfangreichen Ausbau der Medienbildung schlossen Publikum und Podium die interessante Veranstaltung schlussendlich gemeinsam ab. (red)

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