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Kommunikation erobert die Automobil-Branche © IAB Impulse Auto&Mobilität

Lilian Meyer-Janzek (IAB), Daniel Hammerl (Tesla), Michael Kieslinger (Fluidtime), Stefan Häckel (Vice), Susanne Ostertag (IAB, Microsoft).

© IAB Impulse Auto&Mobilität

Lilian Meyer-Janzek (IAB), Daniel Hammerl (Tesla), Michael Kieslinger (Fluidtime), Stefan Häckel (Vice), Susanne Ostertag (IAB, Microsoft).

07.05.2015

Kommunikation erobert die Automobil-Branche

IAB-Talk Fachleute aus der Kommunikations- und Automobilbranche ­erörterten bei einer Expertenrunde aktuelle Trends im Mobilitätsbereich rund um ­Information, ­Digitalisierung, Apps und Content Marketing.

Wien. Das Internet Advertising Bureau Austria lud zu einer IAB Impulse-Fachveranstaltung zum Thema Auto und Mobilität.

Daniel Hammerl, Country Manager Tesla, gab Einblicke in Philosophie, Produktentwicklung und das Credo in Marketing und Vertrieb bei Tesla. Michael Kieslinger, Geschäftsführer Fluidtime, stellte Projekte für smarte Vernetzung im öffentlichen Verkehr vor. Stefan Häckel, Geschäftsführer Vice, präsentierte als Best Practise Showcase die Pre-Launch-Kampagne des Jeep Renegade.
Teslas Mission ist es, so Hammerl, die globale Entwicklung zum nachhaltigem Transport zu beschleunigen; ein Umdenken und beschleunigtes Agieren bei der Herstellung seien dafür unabdingbar. Andere Autohäuser hätten die Digitalisierung bisher verschlafen und seien viel zu träge in der Produktentwicklung, so Hammerl. Tesla dagegen habe Geschwindigkeit in seiner Unternehmens-DNA. Flache Hierarchien und der Hauptfokus auf Computer und Smartphone anstelle des Autos selbst – auf Lösungen statt auf dem Produkt – würden die rasche Adaptionsfähigkeit von Tesla ermöglichen.

Auto mit Internetanbindung

Hammerl führt aus, was Autos smart macht. Sensoren im Auto werden erst durch ihre Vernetzung smart: Sie unterstützen situationsangepasst beim Bremsen, berechnen Routen, basierend auf Verkehrsinformationen, und alarmieren Hilfe bei Pannen. Dafür ist hohe Rechenleistung und die Anbindung ans Internet Voraussetzung. Tesla stattet seit dem ersten Modell aus dem Jahr 2008 Fahrzeuge mit SIM-Karten aus, was man bei anderen Marken bis heute kaum findet. Über Sensoren, Kameras, Radar, etc. beginnen die Autos „zu fühlen” und ihre Umgebung wahrzunehmen.
Auch die Personalisierung sei wichtig für ein smartes Auto. Einstellungen und Apps für bevorzugte Temperaturen, Playlists, Mediennutzung, Navigation, etc. des Tesla werden auf die Fahrer individualisiert und in Fahrerprofilen gespeichert. Der Fahrer-Account ersetzt nicht zuletzt den Schlüssel. Die Steuerung über einen Touchscreen anstelle von mechanischen Armaturen erlaubt rasche Adaptionen und Integration von neuen Features. Das Verbinden mit eigenen Kalendern und Adressbüchern erspart redundante Eingaben. Ein Tesla werde in seinem Lebenszyklus durch laufende Software Updates immer besser.
Die Digitalisierung zieht sich bei Tesla bis in den Vertrieb durch: Hauptverkaufsort ist die Webseite. Tesla setzt auf reinen Direktvertrieb, Werkstätten sind keine Profitcenter, sondern ausschließlich Servicestellen.

Smart und mobil

Der Option, smart mobil zu sein zu können, ohne zwingend ein eigenes Fahrzeug zu besitzen, hat sich der zweite geladene Experte Michal Kieslinger, Geschäftsführer Fluidtime, verschrieben. Der Schlüssel zur Mobilität liege in Informationen wie beispielsweise Carsharing-Standorte sowie Routen und Fahrzeiten von öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Angebot ist mittlerweile stark fragmentiert – sowohl, was Verkehrsmittel als auch deren Informationsapps anbelangt. Immer mehr Player am Mobilitätsmarkt versuchen, Kunden zu gewinnen und zu binden. Kieslinger empfiehlt, die Bedürfnisse der Zielgruppe genau zu analysieren und das Angebot in vier Handlungsfelder anzupassen: Ers-tens die Information über das Angebot (Navigation, Störungen, etc.), zweitens Mobilitätsleistungen verkaufen (z.B. Ticketing, Reservierungen, Kombi-Verkäufe, Check- In-Optionen), drittens von Nutzern lernen (Feedback und Trackinginfos zur Verbesserung des Angebots nutzen) und viertens Kunden gewinnen und motivieren, etwa durch Bonusprogramme, Wettbewerbe, Werbung oder Gewinnspiele.
Als Beispiel für ein integriertes Mobilitätsprojekt stellte er die Android App smile der Wiener Stadtwerke vor. Die Anwendung vereint Angebote unterschiedlicher Mobilitätsanbieter, vom Taxi bis zum Citybike. Komplette Wegeketten können nach Preis, Zeit oder Umweltfreundlichkeit geplant und gebucht werden. Die Abrechnung erfolgt ebenfalls über die App. Die App lernt durch wiederholte Nutzung und wird sukzessive individualisiert, unter Berücksichtigung von Fortbewegungs-Vorlieben und Mitgliedschaften wie zum Beispiel Vorteilstickets.

Content Marketing

Als Showcase für gelungene Kommunikation in der Autobranche präsentierte Stefan Häckel, Geschäftsführer Vice, die digitale Pre-Launch-Kampagne für den Jeep Renegade. Die Herausforderung dieser Kampagne bestand darin, auf rein digitalem Weg bereits Autos zu verkaufen, bevor das neue Modell überhaupt in Österreich verfügbar war. Mit nur acht Wochen Kampagnenzeit setzte Vice für diese erste jemals stattfindende, rein digitale Pre-Launch-Kampagne mit konkreten Sales-Zielen auf Content Marketing. Als YouTube Video setze man pro Woche je eine von sieben Qualitäten des Jeep Renegade in Szene. Begleitet von Display-Werbung und E-Mail-Marketing und Einbinden von Bloggern in die Missionen, brachte die Kampagne auch Echo in traditionellen Medien, selbst über die Landesgrenzen hinaus. (red)

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