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„Lassen uns nicht einschüchtern” © ISPA/APA-Fotoservice/Hörmandinger

VÖZ-GF Gerald Grünberger zeigt sich von Googles Drohungen unbeeindruckt.

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VÖZ-GF Gerald Grünberger zeigt sich von Googles Drohungen unbeeindruckt.

16.06.2015

„Lassen uns nicht einschüchtern”

Klare Forderungen Suchmaschinen wie Google sollen zukünftig für die Verwendung von Inhalten von Zeitungen und Zeitschriften bezahlen

Faire und neutrale Suche in Europa solle sichergestellt werden, so der VÖZ.

Wien. Zwischen dem Suchmaschinen-Giganten Google und dem heimischen Verlegern fliegen derzeit die Fetzen. Der Stein des Anstoßes: Suchmaschinen und Newsaggregatoren sollen künftig bezahlen, wenn sie Inhalte von Zeitungen oder Zeitschriften verwenden.

Anders als in Deutschland sollen die Ansprüche und Vergütungen in Österreich über eine gemeinsame Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden, damit nicht einzelne Marktteilnehmer wegen des Drucks von Google & Co. aus­scheren.

Warten auf Ergebnisse

Google hat bereits auf das Ansinnen des Gesetzgebers reagiert und angekündigt, in diesem Falle keine Inhalte heimischer Medien mehr in den Suchergebnissen zu listen. Die Reaktion des VÖZ fiel knapp und deutlich aus: „Öster-reichs Zeitungen lassen sich von Drohungen nicht einschüchtern.”
VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger dazu: „Googles Aussagen sind ein weiterer Beleg dafür, dass der Konzern Verlagen nicht auf Augenhöhe begegnen will, sondern Medien will, die sich seinem Geschäftsmodell willenlos unterwerfen. Wir lassen uns von Drohungen nicht einschüchtern”, so VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger zu einer E-Mail Googles an Österreichs Zeitungsverlage, in der mit „schwerwiegenden Folgen für das gesamte Internet in Öster-reich” die Rede war.
„Das Geschäftsmodell von Google bedroht die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Zeitungsinhalten. Deswegen hat der Gesetzgeber einen Entwurf für ein Leistungsschutzrecht vorgelegt, das die Inhalte von Journalisten und Verlagen schützen soll. Auch mit dem Leistungsschutzrecht wird Google stolze Einnahmen aus Öster­reich nahezu steuerfrei ins Silicon Valley transferieren können. Dem Konzern würde dabei kein Stein aus der Krone fallen, wenn er jene an seinen Einnahmen beteiligt, die ihm die professionellen Inhalte für seine Suchergebnisse liefern”, ­betonte Grünberger.

Minus „niedrig Einstellig”

Die Forderung des VÖZ: „Google muss sein Geschäftsmodell ändern. Die Reihung der Google-Suchergebnisse darf nicht länger nach kommerziellen Kriterien erfolgen. Das Wettbewerbsverfahren gegen Google muss eine faire und neutrale Suche in Europa sicherstellen. Denn sie ist die unverzichtbare Voraussetzung für europäische Medienhäuser, um sich im Web wirtschaftlich entfalten zu können”, begrüßte Grünberger die Einleitung eines Wettbewerbsverfahrens der Europäischen Kommission gegen den Suchmaschinen-Giganten.
„Das digitale Ökosystem ist in einer schweren Schieflage, in der nur wenige Konzerne den Ton angeben und kleinere Publisher sich den Gesetzen der Stärkeren beugen müssen.”
Und der VÖZ-GF weiter: „Daher ist es gut und richtig, dass die EU-Kommission nach vielen Jahren des Zuwartens endlich ein Wettbewerbsverfahren gegen Google eröffnet und es hoffentlich rasch zu einem Ergebnis, das Fairness und Praxistauglichkeit gewährleistet, kommt”.
Das Minus beim Traffic siedelt der VÖZ-Geschäftsführer aufgrund der Google-Auslistung im „geringen Prozentbereich” an.
Allerdings würde die Einstellung von Google News auch eine Chance für News-Aggregatoren bieten, die den Wert des geistigen Eigentums anerkennen. Wenn sich Google aus diesem Feld zurück ziehen will, weil der Konzern kein Interesse am Fair-Play hat, macht der US-Konzern Platz für Startups, die Verlagen auf Augenhöhe begegnen wollen.”(red/APA)

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