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Maschinenethik am Würstelstand
sabine bretschneider 09.09.2016

Maschinenethik am Würstelstand

Die inzwischen Bullshit-Bingo-verdächtige Digitalisierung und Pandoras Büchse.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

WEITERGEDACHT. Es war und ist auch in media­net eines der meist abgehandelten Themen: „Autonomie” im Sinne einer zunehmenden Eigenständigkeit von Maschinen. Von der Industrietechnik, die die Werktätigen dank „eingebetteter Intelligenz” das Fürchten lehrt, bis zu den autonom agierenden Kraftfahrzeugen, die in letzter Zeit durch eigenwillige Entscheidungen von sich reden machen. Wiewohl: „Eigenwillig”?

Die künstliche Intelligenz, die – versteckt im Motorraum – aus dem Hintergrund heraus beobachtet, analysiert, schlussfolgert und dann vernünftig entscheidet, bleibt Science-Fiction, so lange wir die eigene Schaltzentrale im Kopf noch nicht durchschauen. Also macht die autonome Intelligenz, ganz der brave Schüler, das, was der algorithmische Lehrer verordnet: Sie hält sich an vorher festgelegte Regeln. Dazu beschrieb der Spiegel kürzlich ein Experiment aus dem Media Lab des MIT: „Moral Machine” (http://moralmachine.mit.edu) mit 13 Szenarien im Themenkreis der Maschinenethik. Grund-lage: Ein selbstfahrendes Auto entscheidet über Leben und Tod; was gilt?
Dabei geht es nicht darum, ob der Wagen im Sinne verkehrssicheren Verhaltens die Katze, die die Bundesstraße quert, ohne viel Aufhebens überrollt, sondern vielmehr darum, ob das Fahrzeug in der Zehntelsekunde der Entscheidung eine Schulklasse rammt – oder aber die Fahrzeuginsassen an die Wand fährt. Zu radikal? Wie wäre es mit: zwei Kinder im Auto, drei springen grad auf die Straße? Viel Vergnügen bei der Festlegung der Spielregeln zu Moral, zivil- und strafrechtlicher Haftung … Isaac Asimovs „Robotergesetze”, die seit den Vierzigerjahren in diesem Zusammenhang gern zitiert werden, verkürzen das Dilemma übrigens um keinen Millimeter. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Noch ein Hinweis auf die aktuelle Ausgabe: Walter Zinggl, Chef der IP Österreich, kommentiert – ebenfalls recht launig – die viel zitierte Aussage des Bundeskanzlers, dass jeder Würstelstand in Österreich mehr Steuern zahlt als ein globaler Konzern: ab Seite 12.

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