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Mehr Störche und weniger Mütter, bitte
Dinko Fejzuli 30.09.2016

Mehr Störche und weniger Mütter, bitte

Wer kritisiert, dass Mütter von Kleinkindern arbeiten, glaubt auch, dass Strom aus der Steckdose kommt.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

BOBOSTAN. 42% der unter 45-jährigen Österreicher sehen eine Erwerbstätigkeit von Müttern kleiner Kinder kritisch. Sie stimmten laut der Generations and Gender Survey der Ansicht zu, ‚dass ein Vorschulkind leidet, wenn seine Mutter arbeitet', so das Ergebnis der internationalen Studie ‚Attitudes towards Parental Employment', in der die Demografinnen ­Isabella Buber-Ennser (Institut f. Demografie der Österr. Akad. der Wissenschaften) und Ralina Panova (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung Wiesbaden) die Einstellung von mehr als 80.000 Menschen bis zu 45 Jahre verglichen.

Und ich leide, wenn ich solchen Unsinn lesen muss, der bei Studien herauskommt … Und noch mehr leide ich, wenn man sich ansieht, neben wem wir da im Mütterbashing-Ranking liegen.
Ähnliche Ansichten teilt nämlich noch das gemeine Volk in Georgien, Russland, Bulgarien oder auch im sich gerade gesellschaftspolitisch ins Mittelalter zurückkatapultierenden Polen.
Einem vernünftigen Sample nach müsste ­etwa die Hälfte der Befragten Männer gewesen sein. Dass die die Causa so sehen, mag unter Umständen noch wenig überraschen, aber dass auch unter den (betroffenen?) Frauen dieses Bild vorherrscht, verwundert dann doch.
Denn die Schlussfolgerung, die Kinder würden ‚leiden', wenn deren (Raben?)Mütter ‚lieber arbeiten gehen, statt sich dem Nachwuchs zu widmen', lässt einen Aspekt völlig außer Acht: Viele, die arbeiten gehen, haben gar keine Wahl, denn die wirtschaftlichen Umstände zwingen sie dazu.
Meine Mutter ist bestimmt nicht gern um halb vier morgens aufgestanden, um ihre Frühschicht stehend an einem Fließband einer Autogurte­fabrik zu verbringen, um dann gegen 14:00 nach Hause zu eilen, um sich um Haushalt, Kinder und Mann zu kümmern.
Abgesehen davon, dass diese Umfrage offenbart, dass hier Menschen einfach Realitäten ignorieren, wird die ‚Schuldfrage', warum Kinder ‚leiden', nicht bei allen Erziehungsberechtigten (und das sind auch die Männer), sondern wieder mal ausschließlich bei Frauen gesucht.

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