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Nicht nur Oscar ist alt, weiß & männlich
22.01.2016

Nicht nur Oscar ist alt, weiß & männlich

Egal wohin man schaut – man sieht in den meisten Fällen, wenns ums Fernsehen geht, nur gesunde, faltenfreie TV-Menschen.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli


WIEDERKEHRER. Die Diskussion ist schon sehr alt, aber noch immer aktuell und im Vorfeld der Oscar-Verleihung, beziehungsweise bei der Verkündung der Nominierten für den weltweit bedeutendsten Filmpreis, kochte sie wieder hoch. Denn: Betrachtet man die Liste jener, die sich Hoffnungen auf eine der begehrten Trophäen machen können, könnte man meinen, die Film­industrie besteht nur aus weißen, jungen Männern und vor allem noch jüngeren, weißen Frauen, für die good old Hollywood Rollen zu vergeben hat.

In 87 (!) Jahren und nach gut 350 vergebenen Oscars für beste Haupt- bzw. Nebenrollen kamen nur 13 schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler in den Genuss eines Oscars.
1929 erstmals vergeben, dauerte es bis 1994, damit Sidney Portier für seine Hauptrolle in der Komödie „Lilien auf dem Felde” den Oscar für die beste Hauptrolle in Händen halten sollte. Und es dauerte dann übrigens ganze 38 weitere Jahre, bis auch eine schwarze Schauspielerin in der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle” den Oscar gewann; diese Ehre wurde Halle Berry für ihre Leistung in „Monsters Ball” zuteil.

Etwas mehr Mut, bitte

Das ist nur der sichtbare Output einer über Jahrzehnte fast nur männlich und dann auch noch überwiegend weiß besetzten Oscar-Jury.

Das andere Problem der Branche, welches dann vor allem weibliche – auch weiße – Schauspielerinnen trifft, ist, dass diese, werden sie erst mal 40, praktisch von der Bildfläche verschwinden, weil es für sie schlicht keine Rollen mehr gibt, weil es auch die dafür benötigten Filme ebenfalls nicht mehr gedreht werden.
Ein Phänomen, das sich auf anderen Feldern unserer juvenil-hörigen Medienwelt beobachten lässt.
Bis auf Nachrichten-Sendungen, wo eine gewisse Seniorität als vertrauensbildende Maßnahme gewertet werden kann, schaut man sonst auch, wohin man blickt, in lauter, junge, gesunde und faltenfreie TV-Menschen – Versuche, diese zu ändern, gibt es kaum.
Auffällig wird dies, wenn etwa das ARD/ZDF-Morgenmagazin am Senioren-Welt-Tag pensionierte Kolleginnen und Kollegen für einen Tag zurück auf den Bildschirm holt, um nur mit ihnen eine komplette Morgenschiene zu gestalten.
Ich habe das damals gesehen und muss gestehen, es machte was mit mir. Es schärfte nämlich das Bewusstsein dafür, dass man gerade wenn es um intellektuelle Erfahrung geht, mit 60 nicht zum alten Eisen gehört.
Ein ähnliches Feld betrifft Menschen, die ­körperlich nicht ganz unversehrt sind.
Hier wagte die BBC vor einiger Zeit einen singulären Versuch und holte für eine Nachrichtensendung einen Moderator vor die Kamera, in dessen Gesicht etliche Narben nicht zu übersehen waren. Und das war völlig in Ordnung. Leider setzte die BBC diese Projekt nicht fort.
Hier ist der ORF mutiger; seine ORF III-Sendung „Ohne Grenzen – das Behindertensport- Magazin” wird von Andreas Onea präsentiert, einem jungem Man, der durch einen Unfall seinen linken Arm verlor. Ein guter Anfang, finde ich. Was es jetzt noch braucht, ist ein bisschen Mut, um solche Menschen in allen Sendern dieser Welt ins Hauptprogramm zu holen.

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