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Puls 4: Gut gerüstet für das Fernsehjahr 2016 © Markus Morianz
© Markus Morianz

05.02.2016

Puls 4: Gut gerüstet für das Fernsehjahr 2016

Puls 4-Programmchef Johannes Kampel u.a. über eigene Erfolgs-Formate wie das Cafe Puls, aber auch die Konkurrenz wie den ORF.

••• Von Dinko Fejzuli und Gianna Schöneich

WIEN. Nach 10 Jahren Cafe Puls, dem Frühstücksfernsehen auf Puls 4, wagt der ORF in wenigen Wochen auch den Gang in diese Zeitzone. Darüber besorgt ist man bei Puls 4 nicht, wie Senderchef ­Johannes Kampel im Interview mit medianet erklärte: „Wir haben ein starkes, etabliertes Format und wir glauben, dass ein neuer Mitbewerber befruchtend sein kann.”

Eine Idee allein ist nichts

Auf Kundenseite sei es bisher zu keinerlei Verschiebungen gekommen erklärt Kampel. „Vielleicht werden sich Marktanteile verschieben. Was sich aber in jedem Fall steigern wird, ist die Anzahl derer, die um diese Zeit fernsehen, und das ist entscheidend. Die Menschen werden auch bei uns vorbeizappen, und es werden durch den ORF sicher auch neue Schichten angesprochen. Unser Ziel ist es, die Marktführerschaft zu behalten, so selbstbewusst sind wir.”

Kampel selbst ist nach einer zweijährigen Unterbrechung wieder zurück und Senderchef von Puls 4. Vor allem der Mut des Senders habe ihn in dieser Entscheidung bestärkt: „Das hat Puls 4 schon immer ausgezeichnet, dieser Mut hat mir immer gefallen und ist auch mein Antrieb.”
Auch die Eigenformate des Senders hätten zu der Entscheidung beigetragen, und vor allem im letzten Jahr verzeichnete man einige Erfolge: „Wir konnten fixe Blöcke für beispielsweise unsere Informationssendungen finden. Auch die letzte TV-Konfrontation, die wir gemeinsam mit dem ORF im Zuge der Wien-Wahl ­sendeten, hat verdeutlicht, dass wir ein ­Player sind, der deutlich sichtbar ist.”
2016 erwartet die Zuschauer ein Mix, wie Kampel sagt: „Es gibt Formate wie ‚Bist Du deppert?', die wir in die zweite Staffel schicken, oder sogar in die dritte wie im Fall von ‚2 Minuten, 2 Millionen'. Wir setzen aber gleichzeitig auch auf neue Formate wie ‚Sehr witzig!? Der Witze-Stammtisch'.”

„Der Samstagabend ist …”

Ideen für neue Formate kommen bei Puls 4 in einen Format-Development-Prozess, erklärt Kampel: „Es muss ein gewisses Verfahren durchlaufen werden, was dann mit einer Abstimmung endet. In diese sind bis zu zehn Personen involviert. Wird die Idee positiv bewertet, dann ziehen wir sie auch durch. Eine Idee allein ist allerdings nichts, sie macht vielleicht fünf bis zehn Prozent aus. Es stellt sich immer die Frage: Was kann ich mit dem Format machen? Was hat der Zuschauer davon? Denn wenn ich den Zuschauer gewinnen kann, kann ich auch den Werbekunden gewinnen.”

Neben Werbekunden wäre auch der Format-Verkauf ins Ausland eine mögliche Einnahmequelle, die bei Puls 4 allerdings nicht forciert wird: „Der internationale Verkauf unserer Formate steht sicher nicht an erster Stelle. Für uns gilt es, Eigenentwicklungen zu forcieren; das bringt einen guten Spirit ins Haus und baut einen gewissen Stolz auf”, so Kampel. „Neben dem ­klassischen Werbeblock bieten wir auch sehr innovative Kooperationen mit Kunden. „Dorf braucht Wirt” z.B. war eine Puls 4-Format­entwicklung, in welcher Wirtshäuser im Mittelpunkt stehen und der Kunde Puntigamer durch Product Placement authentisch und in sympathischer Art und Weise integriert ­wurde. Durch individuelle und innovative Konzepte bieten wir unseren Kunden für Ihre Produkte somit eine optimale Verlängerung ins TV.”

„… bei uns der Dienstag”

Bei der Entwicklung neuer Formate setze man auf einen 360 Grad-Blick: „Ich denke sehr verbreitet. Wir haben nicht hier Fernsehen und dort Digital. Wir denken visionär und gestalten mit Innovation. Heuer wollen wir Channels digitaler Natur aufbauen. Das hat den Hintergrund, dass wir uns z.B. bei Sportereignissen wie der National Football League (NFL) fragen, was passiert, wenn die Spiele nicht im Fernsehen laufen? Was ist, wenn keine Saison ist? Die Antwort ist, dann machen wir eben digital weiter und schaffen so eine Basis, um dann auch wieder ins TV retour zu gehen. In dem Moment wo du ein Bewegtbild hast, kannst du auch bewegen.”

Vor allem die digitale Ausrichtung spricht die Zielgruppe des Senders, welche sich in der Altersgruppe 12 bis 49 bewegt, an: „Wir sind Bewegtbild und produzieren Content. Die Flächen gehören bespielt und von dort aus müssen wir agieren. Unsere Zielgruppe kann da gut mitgehen.”
2016 soll Österreichs Fernsehempfang volldigitalisiert sein – ein Zustand, der auch neue Herausforderungen mit sich bringt, weiß der Senderchef: „Es wird ungefähr 100 Sender geben, die in Österreich empfangbar sind, das Angebot wird zunehmen. Man wird sich seinen Platz jeden Tag erarbeiten müssen und dem Zuschauer dafür Angebote machen.”
Der Sender sei stets auf der Suche nach neuen möglichen Angeboten, so Kampel. „Wir besuchen regelmäßig internationale Fernsehmessen und prüfen neue Formatideen auf die Bedürfnisse der Puls 4-Zuseher. Ich glaube es geht nicht mehr darum, die Dinge nur einfach groß aufzuziehen, sondern den Zuschauern gut platziert ein interessantes Programm anzubieten.” Puls 4 zeigt seine Shows am Dienstagabend; auf die Frage, ob die Samstagabendshow nicht mehr zeitgemäß ist, erklärt Kampel: „Auf die Suche nach dem ‚Wetten dass'-Nachfolger können sich gern Sender wie der ORF begeben. Wir haben eine jüngere Ausrichtung und setzen auf Filme am Samstagabend. Man konzentriert sich immer sehr auf die Highlights, in Wirklichkeit geht es aber um 168 Stunden pro Woche, die cool bespielt werden müssen.”

Selbstverständlich regional

Das letzte Jahr zeigte auch, dass der regionale Bezug immer wichtiger wurde: „Der Österreichfaktor ist für uns als österreichisches Vollprogramm selbstverständlich. Die Informationsformate gewinnen immer mehr an Reichweite; meiner Meinung nach hängt das mit der heutigen Zeit zusammen. Es bedarf Informationen und es braucht ­Lösungen. Wir wollen das mit unseren Mitteln ermöglichen, neutral, unabhängig und neue Meinungen offerieren. Hier kommt der Österreichfaktor am deutlichsten durch. Mit Cafe Puls haben wir ein ursprünglich deutsches Frühstücksformat überblendet und durch ein österreichisches Angebot ersetzt und erfolgreich seit über zehn Jahren etabliert.”

Das Bedürfnis nach Information wird auch mit dem neuen Format „Bist Du deppert?” versucht zu stillen: „Es geht um Steuerverschwendungen. Es wird eine Panelshow sein, und wir versuchen mit ­Comedians einen heiteren Blick auf die ernste Thematik zu werfen. Das bisherige Feedback,das wir erhalten haben, trifft es meiner Meinung nach sehr gut: ‚Da traut ihr euch etwas, was andere vielleicht nicht könnten'. Das stimmt. Nicht mehr und nicht weniger.”

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