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She believed she could, so she did © Tony Gigov

Überall scene development Sindy Amadei und Victoria Schmied, Geschäftsführung Überall scene development.

© Tony Gigov

Überall scene development Sindy Amadei und Victoria Schmied, Geschäftsführung Überall scene development.

Michael Fiala 15.09.2017

She believed she could, so she did

Überall – drei Jahre am Markt, Frauenanteil 90 Prozent: ­Warum Arbeit nicht zwangsläufig Arbeit sein muss.

••• Von Michael Fiala

WIEN. Im September 2014 gründeten Sindy Amadei und Victoria Schmied die „Überall scene development GmbH” mit einem Ziel: „Wir wollen sechs Monate arbeiten und sechs Monate Urlaub machen”. Nach drei Jahren stellt sich die Frage, wie sieht dieses Vorhaben nun in der Praxis aus. medianet hat bei den beiden Geschäftsführerinnen nachgefragt und dabei interessante Antworten bekommen.

medianet:
Wie kommt man auf die Idee, so etwas zu probieren?
Victoria Schmied: ‚Geh bitte, das geht doch nicht – das wird nie etwas – da könnt ihr nach zwei Monaten gleich wieder zusperren', waren Sätze, die wir meistens gehört haben, als wir davon sprachen, eine Agentur zu gründen, in der alle per Du sind, Arbeitszeiten flexibel gestaltet werden können, die Mitarbeiter überall arbeiten und wir Business with friends machen möchten. Wir haben uns gedacht, wir probieren es trotzdem. Warum soll man sich jeden Tag ins Büro quälen und das für einen Job, der keinen Spaß macht, mit Leuten, die zwangsläufig neben einem sitzen, die man eigentlich nicht mag, und die Stunden zählt, bis man wieder heimgehen darf. Das ist doch ein Schwachsinn.

medianet:
Wie klappt das in der Praxis?
Sindy Amadei: Natürlich nicht in der Form, die man schnell mal im Kopf hat. Unsere Mitarbeiter haben normale Dienstverträge und wir sind natürlich ans österreichische Arbeitsrecht gebunden. Aber wir versuchen, soweit es geht, unseren Traum für uns und unser Team möglich zu machen. Beispielsweise sitzt bei uns keiner Stunden ab. Wenn die Arbeit getan ist, gehen wir nach Hause, wenn mal mehr zu tun ist, bleiben wir länger. Unser Team kann von überall aus mobil arbeiten. Wenn jemand lieber mal im Zug oder von zuhause seine Arbeit erledigen möchte, geben wir unseren Mitarbeiter diese Möglichkeit. Es gibt bei uns keine klaren Aufgabenbereiche. Jeder kann überall hineinschnuppern und ausprobieren, ob ihm diese oder jene Aufgabe mehr liegt. Es ist auch üblich, dass ein Mitarbeiter positive Kritik an der Arbeit oder dem Projekt eines anderen Mitarbeiters äußert, auch an unserer – wir diskutieren alles offen im Team.

 

medianet: Und wie findet man ein Team, wo das alles klappt?
Schmied: Beim Recruiting schreiben wir zwar eine Stelle aus, aber meistens stellen wir dann Leute ein, die in einem halben Jahr etwas anderes machen, als ursprünglich geplant. Manchmal definieren wir noch während des Bewerbungsgesprächs eine neue Stelle.

Unsere Mitarbeiter suche ich vor allem nach zwei Kriterien aus: Hat die Person Hausverstand und passt sie menschlich und vom Mindset in unser Team. Alles andere ist in unserem Business eine Frage der Erfahrung und des Willens, Neues lernen zu möchten.

 

medianet: Und wie geht es in Zukunft weiter? Sind Sie schon bei sechs Monaten Urlaub angekommen?
Amadei: Ganz ehrlich: Nein, noch nicht. Aber das Ziel ist nicht unerreichbar. Momentan schaffen wir es im Jänner und August, uns für jeweils drei Wochen so gut wie freizuspielen. Das ist schon mal ein Anfang. Unser großes Ziel ist es, ein stabiles Team aufzubauen, das gemeinsam mit uns die Vision von Überall weiterwachsen lässt. Ich gebe ehrlich zu, das ist nicht einfach, und wir mussten in letztes Zeit auch einige Rückschläge einstecken. Aber wir tun es einfach und ein Sprichwort sagt: ‚Die Tüchtigen werden belohnt' – daran glauben wir.

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