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Sieg für die Patrioten und leiser Widerstand © AFP/Timothy A. Clary
© AFP/Timothy A. Clary

Redaktion 10.02.2017

Sieg für die Patrioten und leiser Widerstand

Die Super Bowl-Werbespots sind legendär – originell und superteuer; einige Spots sandten politische Botschaften.

In der Werbebranche ist es nicht das sportliche Spektakel, das die größte Faszination ausübt, sondern vielmehr sind es die Unterbrechungen, die schon in den Monaten davor die kreativen Köpfe rauchen lassen: Rund fünf Mio. USD kostet ein 30-Sekünder in den Spielunterbrechungen – und das ist nur ein Bruchteil des Budgets, den die Firmen tatsächlich in ihren Auftritt investieren. Dazu kam heuer die Diskussion, ob man sich auch politisch äußern sollte … oder eher nicht. Und falls ja: Wie weit sollte man sich hinauslehnen angesichts eines Präsidenten, den fast 50% der US-Amerikaner gewählt haben? Herausgekommen sind einige Werbespots, die mit feinster Klinge Position beziehen, solche, die Politik ausklammern und ein einziger, der im Vorfeld mit seiner Botschaft gegen Trumps Einreisepolitik für Unruhe sorgte.

Die offene Kritik

Der Zimmervermittler Airbnb, die Biermarke Budweiser und Coca-Cola warben in ihren Spots jedenfalls für Vielfalt und Toleranz; Airbnb war sehr deutlich: Im 30 Sekunden langen Werbespot der Online-Plattform waren Gesichter von Menschen verschiedener Herkunft, Geschlechter und Alter zu sehen, darunter die Textzeile: „Egal wer du bist, woher du kommst, wen du liebst oder anbetest, wir gehören alle dazu. Die Welt ist umso schöner, je mehr wir das akzeptieren.”

Unter dem Twitter-Hashtag #WeAccept forderte das kalifornische Unternehmen zur Toleranz auf. Airbnb-Chef Brian Chesky kündigte wenige Sekunden nach Ausstrahlung des Werbefilms beim Kurzmitteilungsdienst Twitter zudem an, seine Firma werde in den kommenden vier Jahren insgesamt vier Mio. USD (3,7 Mio. €) an die Flüchtlingshilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) spenden.
Im Werbespot von Coca-Cola wird das patriotische Lied „America the Beautiful” in verschiedenen Sprachen gesungen. Dieser Spot, der schon 2014 während des Super Bowl lief, habe die meisten positiven Nachrichten auf Twitter ausgelöst, so das Marktforschungsunternehmen TD America Ad Challenge.

Die unsichtbare Mauer

Die US-Biermarke Budweiser aus dem multinationalen Konzern Anheuser-Busch InBev betonte zwar, sie habe keine politische Botschaft aussenden wollen. Erzählt wird allerdings die Geschichte von Gründer Adolphus Busch, der aus Deutschland in die USA einwanderte. Als „offen politisch” wies der Sender Fox zunächst die Werbung der Baumarktkette 84 Lumber ab. Die Firma änderte sie und blieb mit einem Trick bei ihrer ursprünglichen Botschaft: Eine Mutter und ihre Tochter sind unterwegs, vermutlich durch die mexikanische Wüste in Richtung USA. Dann der Hinweis, sich den ganzen Spot online anzuschauen. Auf YouTube ist dann in einem Fünf-Minuten-Film zu sehen, wie die beiden vor einer Mauer ankommen, die sie nicht überwinden können: „Der Wille, zu siegen, ist hier immer willkommen.”

In Österreich war der Super Bowl im Free-TV exklusiv bei der deutschen ProSiebenSat.1-Puls4-Gruppe zu sehen: Der Event bescherte Puls 4 Top­quoten: In Spitzen verfolgten bis zu 128.800 Zuseher (E12+) den Super Bowl; in der werberelevanten Zielgruppe (E 12–49) waren es im Durchschnitt 77.500 (+34% vs. 2016). (sb/APA)

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