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Startschuss für die Saure-Gurken-Zeit
sabine bretschneider 09.06.2017

Startschuss für die Saure-Gurken-Zeit

Im Mobilfunkbereich agiert die EU als Hüterin des digitalen Binnenmarkts. Aber: Cui bono?

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

ANDERS. Pünktlich zur Urlaubssaison fallen nächste Woche die Roaminggebühren in der EU, Verbraucher können künftig zum Inlandstarif im EU-Ausland telefonieren. Was sich gut anhört, ist in Wahrheit ein Nullsummenspiel. Die Entgelte, die den Mobilfunkern damit entgehen, holen sie sich auf anderen Wegen. Das müssen sie auch, wenn sie ihre Geschäftsmodelle prosperierend aufrechterhalten wollen. Vor Jahren schon bezeichnete Jan Trionow, Chef des Mobilfunkers Drei, das geplante Roaminggebühren-Aus als „regulatorischen Sündenfall” in einer Marktwirtschaft und als „populistische Maßnahme”, die am Ende den Konsumenten durch im Gegenzug erhöhte Inlandstarife belasten werde.

„Regulierung” in Zusammenhang mit „EU” ergibt schon seit Längeren atmosphärisch nichts Wohlriechendes. Man denke an die Verordnungen zur Gurkenkrümmung, zu Traktorensitzen, an Dublin II, Basel III … Einen richtigen Promi-Status hatten sich ja die Gurken in diesem Kontext erarbeitet: Die ‚Gurkenkrümmungsverordnung' stand quasi als Synonym für die als überbordend empfundene Bürokratie Brüssels und diente Kritikern und Kabarettisten jahrzehntelang als Beleg für das wahnhafte Verhalten der europäischen Verwaltung. Seit 2009 sind die regulierten Gurkenradien Geschichte – obwohl sich eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten sowie Handels- und Bauernverbände für eine Beibehaltung ausgesprochen hatten. Alles liberalisieren ist übrigens auch keine Lösung, wie die Erfahrung zeigt: Seit es keine Volumensreglementierung von Lebensmittelpackungen mehr gibt, nehmen Gewichtsklassen wie 185 oder 720 Gramm plus Angaben wie ‚Nur 163 Kilokalorien pro Portion' zu. Zur leichteren Vergleichbarkeit steht daneben das Produkt des Mitbewerbers, gestückelt in 170- und 800-Gramm-Portionen und mit einer Nährwertangabe, die das Vokabel ‚Portion' alternativ definiert, wegen der ‚attraktiven Schwellenpreise' (1,99 etwa statt 2,02 €).
Je nachdem, wie man die Dinge also dreht und wendet, ändert sich mit der Perspektive auch die Kosten-Nutzen-Ratio. Alles fließt.

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