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Vom Digitaldrucker zum Dienstleister © Beach Majors GmbH/Studio Horst Bernhard

Umsetzung Beim Swatch Major Series Beachvolley Finale in Toronto setzte man das Stadion Branding um.

© Beach Majors GmbH/Studio Horst Bernhard

Umsetzung Beim Swatch Major Series Beachvolley Finale in Toronto setzte man das Stadion Branding um.

Michael Fiala 02.12.2016

Vom Digitaldrucker zum Dienstleister

Die Plakativ-Gesellschafter Arthur Bellutti und Peter Cibulka sehen zarte Signale für ein erfolgreiches Jahr 2017.

••• Von Michael Fiala

Die Bellutti Gruppe – bestehend aus Bellutti Out of Home und Plakativ – wurde vor mehr als 75 Jahren gegründet und wird in der zweiten Generation durch den Eigentümer Arthur Bellutti geführt.

Die Gruppe verfügt mit Innsbruck, Klagenfurt und Wien über drei Standorte und mehr als 6.000 Quadratmeter Produktionsfläche. Mehr als 120 Mitarbeiter betreuen über 7.000 Kunden in ganz Europa – mehr als eine Million Quadratmeter technischer Textilien werden jährlich verarbeitet.

Übersiedlung in Wien

Neben dem Kerngeschäft ­Digitaldruck hat Plakativ über Jahre sehr viel Know-how in den Bereichen Produktentwicklung, Konzipierung, Materialauswahl und Montage aufgebaut, sodass das Unternehmen einer der wenigen Vollsortimenter im Bereich Drucktechnik, Produktentwicklung und Werbetechnik ist. Plakativ selbst sieht sich als One-Stop-Shop für die eigenen Kunden, d.h. es wird beraten, entwickelt, produziert und montiert von der Idee bis zum Endprodukt.

Im Interview mit medianet blicken Arthur Bellutti und ­Peter Cibulka auf das aktuelle Geschäftsjahr zurück, sprechen über die Herausforderungen der nahen Zukunft, warum der Wiener Standort übersiedelt und wagen einen Ausblick auf das Jahr 2017.„In Summe geht es der Branche nicht schlecht. Da liegen wir im Trend, wir haben leichte Zuwächse. Insgesamt haben wir uns konsolidiert, wir arbeiten im gesamten Unternehmen mit dem gleichen Maschinenpark, in allen Filialen”, erläutert Bellutti.
Die hohe Investition in die neuen Maschinen bringt es auch mit sich, dass der Wiener Standort mit Anfang des Jahres 2017 von Ottakring in den 23. Bezirk übersiedelt.
Mindestens genauso wichtig ist dem Eigentümer das Denken an die Umwelt und Nachhaltigkeit. Oft ist dies bei vielen Unternehmen nur ein Schlagwort, bei Plakativ wird dieses Vorhaben dagegen vorbildlich gelebt.
„Durch die Integration des Latex-Druckverfahren brauchen wir keine Lösungsmittel mehr”, nennt Bellutti ein Beispiel. Zudem verwendet die Gruppe, sofern möglich, Materialien ohne PVC. „Dort, wo es nicht möglich ist, konfektionieren wir beispielsweise mit Acryl-Ösen.”
Weiters bietet Plakativ für alle Kunden ein besonderes Service an: Nicht mehr gebrauchte Banner – und die meisten Banner sind nur für die Verwendung einzelner Events vorgesehen – können kostenlos retourniert werden; diese werden dann dem Recyclingkreislauf zugeführt. „Wir sind die ersten, die auf dieses Thema aufspringen, und wollen das dann auch entsprechend vermarkten. Man darf nicht vergessen, dass PVC-Banner mehr als 100 Jahre brauchen, um zu verrotten.”

Der Kreis schließt sich

Peter Cibulka ergänzt im media­net-Gespräch: „Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass sich der Kreis zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit langsam schließt. Da aber im Bereich der nachhaltigen Produkte das Absatzpotenzial – sowohl für Druckunternehmen als auch für vorgelagerte Materialhersteller – im Moment noch hinter den klassischen Materialien hinterherhinkt, sind nur geringe Skaleneffekte in der Produktion erreichbar. Der Fokus auf Nachhaltigkeit hat aber sicherlich sehr viele positive Auswirkungen auf die Arbeitsweise von Druckunternehmen und damit positive Umwegeffekte für die gesamte Branche.”

Die Nachfrage nach „grünen” Produkten befindet sich zwar im Steigen, jedoch fehlt noch eine Initialzündung am Markt, die im Sinne einer Umwegrentabilität (z.B. niedrigere Entsorgungskosten, Umweltprämien) die Mehrkosten in der Anschaffung für den Kunden ausgleicht bzw. den Druckunternehmen die Möglichkeit gibt, das Preisniveau an den Markt anzupassen.

Leichte Belebung

Insgesamt ortet Bellutti in der zweiten Jahreshälfte eine leichte Belebung, weshalb auch der Ausblick positiv ausfällt: „Für 2017 sehen wir eine positive Entwicklung.”

„Das liegt aber auch an der Wandlung, die wir durchgemacht haben – vom reinen Digi­taldrucker hin zum Dienstleister. Wir machen Beratungen, setzen auf Nachhaltigkeit und wollen auch gemeinsam mit dem Kunden etwas tiefer in die Materie blicken. Etwa, dass es nicht immer das billigste Material sein muss, auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit.”
Und Cibulka ergänzt: „Das 08/15-Drucken ist überholt. Das geht noch über den Online-Shop, da gibt es kaum mehr Zeit für Beratung. Es gibt aber sehr wohl den Beratungsbedarf, um mit den Kunden die Umsetzung zu besprechen. Dieser Bedarf ist gestiegen. Oft kommen die Kunden dann nach einer Online-Bestellung drauf, dass es doch nicht die beste Lösung war.”
Beratung vor Ort ist oft notwendig, sonst passt die Qualität am Ende nicht. Für Plakativ ist im Großraum Wien der Markt da, um hier künftig noch stärker als „Problemlöser” zu agieren.
Cibulka ergänzt: „Wir sind in der Lage, den gesamten Prozess – von der Idee über Prototypen bis zur Realisierung – in beratender und produzierender Weise zu begleiten. Da wir 80% unserer Produkte bei uns im Haus bzw. innerhalb der Gruppe in Österreich selbst produzieren, sind wir hier in der Lage, schnell und unkompliziert auf individuelle Wünsche einzugehen. Wir sind ein produzierender Gewerbebetrieb, der zum größten Teil Unikate auf Kundenwunsch fertigt.”

Out-of-Home

Zufrieden ist Bellutti auch mit der Entwicklung im Out-of-Home-Bereich. Besonders stark ist das Unternehmen derzeit im Bereich des für Skifahrer allseits bekannten Prallschutzes. „Hier fahren zum Teil bei einzelnen Flächen mehr als 10.000 Skifahrer vorbei. Hier wird zunehmend Werbung über Agenturen vermarktet.”

Des Weiteren produziert das Unternehmen die Startnummern für den gesamten internationalen Skizirkus. „Auch hier geht es natürlich um die Werbung.” Und auch bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften werden vom österreichischen Unternehmen etwa die Startnummern und Torflaggen für die Skirennen produziert.
„Die schlimmste Zeit ist vorbei”, bilanziert Cibulka, wenn es um den Event-Bereich geht. „Die Qualität ist weiterhin hoch, die Quantität ist nachhaltig ­reduziert worden.”
Die Liste der Events auf der Kundenliste ist neben den oben Erwähnten lang: Beachvolleyball, Rock in Vienna, Lyoness Golf Open, um nur einige zu nennen. „Da wird schon einiges bewegt”, ergänzt Bellutti.
Insgesamt sieht sich Bellutti bestätigt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben: „Wir sind nicht abgewandert, produzieren nicht im Ausland, achten auf die Nachhaltigkeit.”

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