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Weltveränderer und Wahlgewinner
sabine bretschneider 02.06.2017

Weltveränderer und Wahlgewinner

Die ÖVP präsentiert sich nach dem Relaunch sehr erfrischt. Schelme denken Böses dabei.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

EN MARCHE. Die „Partei” als politischer Verband mit konkreten sachlichen und ideellen Zielen – das war einmal. Das Linzer market Institut hat nachgefragt, wie es die Österreicher so mit den neuen Parteiplattformen halten. Das Ergebnis: Der Ausbruch aus den klassischen Strukturen politischer Parteien und die neuerdings einsetzende Einrichtung mehr oder weniger parteiübergreifender Plattformen ist nicht nur ein europaweit zu beobachtender Trend, sondern auch recht „attraktiv”. Das sagen immerhin 57 Prozent der Österreicher.

Im Falle der „Liste Sebastian Kurz – die neue ÖVP”, kurz : „Sebastian”, sind die Befragten aber noch abwartend. Ein Drittel sieht das Projekt positiv, etwas mehr als ein Drittel betrachtet es als „Umetikettierung der alten ÖVP.” Oje. Dabei versucht man mit allen Mitteln, Plattform der Herzen zu werden – auszuprobieren auf www.sebastian-kurz.at: „Hallo. Wie heißt du?”, „Kann Sebastian auf deine Unterstützung zählen?” Allerdings ergibt sich aus diesen Vertraulichkeiten dann wiederum kein intimer Dialog, sondern handelsübliches E-Mailadressen-Fishing.

Egal. Weiter im Text: 16 Prozent können sich „auf jeden Fall” vorstellen, die Liste zu wählen, weitere 23 Prozent tendieren dazu. Macht in Summe 39 Prozent. „Eine Pattstellung”, kommentiert das eine market-Expertin. Ein Allzeit-Hoch innerhalb der Umfragen der letzten Jahre, könnte man auch sagen. Klares 1:0 im Match Sebastian gegen die Volkspartei.

Die Google-Suche wirft übrigens zuvorderst einen Haarstylisten, „Style with Sebastian”, aus, aber so übel ist das nicht. „Ich denke, dass wir die Welt verändern können, ein Kopf, ein Gesicht oder ein Körper nach dem anderen”, wird der Salongründer zitiert – und das ist ein Claim, der manch neuer Politplattform ohnehin besser zur Ideologie stünde als das altbackene Gewäsch von ökosozialer Marktwirtschaft und christ­demokratischen Werten. Nun denn: En marche! (Um den französischen Vorreiter, „Emmanuel”, auch noch zu Wort kommen zu lassen).

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