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Wenns wichtig ist, dann lieber auf gedrucktem Papier © APA/Georg Hochmuth; Haymon Verlag
© APA/Georg Hochmuth; Haymon Verlag

19.06.2015

Wenns wichtig ist, dann lieber auf gedrucktem Papier

Buchvorstellung Zeitungsmacher Hermann Petz beleuchtet in seinem Buch „Es lebe die Zeitung! Die Zeitung ist tot?” die Zukunft der Printmedien

Wien. Einbrechende Anzeigenerlöse, neue digitale Wettbewerber, immer knapper werdende Ressourcen.

Hermann Petz lässt sich von der Verunsicherung der Printbranche offensichtlich nicht anstecken. In dem neuen Buch „Es lebe die Zeitung! Die Zeitung ist tot? ” bekräftigt der Vorstandschef der Tiroler Moser Holding seinen Glauben an Printmedien. Ein systemisches Zeitungssterben sei nämlich nicht zu erkennen:
Anlässlich seiner Buchpräsentation in Wien baten wir ihn um ein paar Antworten.


medianet:
Herr Petz, in Ihrem Buch kritisieren Sie die fehlenden Investitionen der Printverlage in gedruckten Qualitätsjournalismus. Welche Maßnahmen haben Sie konkret bei der TT diesbezüglich gesetzt?
Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender Moser Holding: Es hat sich schon vor fünf Jahren ganz gut prognostizieren lassen, wie hoch die Einnahmen aus den einzelnen Erlösquellen sein würden. Und da war es schon wichtig, dort, wo es möglich ist, Sparpotenziale zu heben und daneben ein Redaktionsbudgt zu definieren und dazuzu- sagen, dass dieses dann für einen Zeitraum von fünf Jahren nicht verringert wird.

Der Effekt war, dass, wenn ich heute in unseren Newsroom komme, die Kollegen über Inhalte diskutieren und nicht darüber, ob sie morgen noch ihren Arbeitsplatz haben.

medianet: Viele Unternehmen investieren in den Bereich Corporate Publishing. Sehen Sie hier eine Gefahr für den Printjournalismus?
Petz: Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man keinen Content so darstellen solle, als wäre es ein journalistischer Artikel. Eine solche Vorgehensweise unterhöhlt die Medien. Man sollte Corporate Publishing klar kennzeichnen und das in keinem Fall zu knapp. Auf der anderen Seite ist es interessant, dass, wenn es darum geht, komplexe Produkte zu erklären, gekennzeichnete PR, wo also dem Leser klar ist, dass es sich um eine entgeltliche Einschaltung handelt, solche Texte trotzdem eine hohe Transaktionsbereitschaft auslösen.

medianet:
Unternehmen wie Mediamarkt oder Saturn ziehen Etats ab und kreieren dafür eigene Magazine. Wie problematisch ist so eine Entwicklung?
Petz: Das ist ein anderer Aspekt. Solche Magazine hat es schon immer gegeben. Interessant ist, dass das Trägermedium aber immer Papier ist.

medianet:
Im September oder Oktober 2015 startet der neue Dienst ‚Apple-News', und viele namenhafte US-Verlage werden kooperieren. Manche sehen diese Kooperationen durchaus kritisch ...
Petz: Für Verlage, die weltweit Leser generieren möchten, kann es sinnvoll sein, solche Kooperationen einzugehen. Ich sehe darin allerdings für uns mit unseren regionalen Inhalten keine Zukunft.

medianet:
Wie sehen Sie den aktuellen Streit mit Google?
Petz: 80% aller User, die über Google zu uns kommen, geben von Anfang an Begriffe wie ‚TT' oder ‚Tiroler Tageszeitung' ein. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass Google seine Ergebnisse einschränkt. Insgesamt ist die aktuelle Diskussion aber gut, und am Ende wird man sich einigen, dass für alle die gleichen Regeln gelten müssen.

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