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Wrabetz vs. Grasl: Im Duell um die ORF-Deutungshoheit © APA/Robert Jäger
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Dinko Fejzuli 24.06.2016

Wrabetz vs. Grasl: Im Duell um die ORF-Deutungshoheit

Der Kaufmännische Direktor setzt alles auf eine Karte und tritt gegen den Amtsinhaber in der Wahl um den ORF-Generaldirektor an.

WIEN. Nun ist es fix: Richard Grasl wird für die Position des ORF-Generaldirektors kandidieren. Das gab der derzeitige Kaufmännische Direktor am Donnerstag im ORF-Stiftungsrat bekannt. Er wünsche sich „einen positiven Wettbewerb der besten Ideen für den ORF”, hieß es in einem ersten Statement.

Die Bewerbungsfrist läuft bis 28. Juli; Termin für die Wahl ist der 9. August.
Grasl gilt als ÖVP-nah, im Stiftungsrat sitzen 13 ÖVP-Vertreter. Amtsinhaber Alexander Wrabetz, der bereits Ende des Vorjahres angekündigt hatte, wieder zu kandidieren, kann auf die Unterstützung der ebenfalls 13 SPÖ-Räte setzen. Eine Mehrheit im 35-köpfigen Gremium haben damit freilich beide nicht, es gilt, weitere Mitglieder zu überzeugen.

Einer wird gewinnen

Damit ist auch ein weiteres Faktum fix: Einer der beiden wird der künftigen ORF-Geschäftsführung nicht mehr angehören, je nachdem wer gewinnt. Denn: Wrabetz meinte kürzlich in einem Journalisten-Hintergrundgespräch zu einer möglichen Kandidatur von Grasl: „Wenn er sich bewirbt, ein anderes inhaltliches Konzept vertritt und sich nicht durchsetzt, gehe ich davon aus, dass er nicht mehr der Geschäftsführung angehört.”

Die Frage, ob die Kandidatur von Richard Grasl für ihn eine Überraschung war, verneinte Wrabetz; immerhin, so der ORF-Generaldirektor, sei diese „sechs Monate intensiv vorbereitet” worden.
Grasl selbst will zur Wahl am 9. August mit einem umfassenden Konzept antreten - inklusive Team-Vorschlag. Inhaltlich sei er etwa gegen eine Alleingeschäftsführung und für eine andere Struktur des ORF als bisher. Bis zur Wahl wolle er aber eine „gute Zusammenarbeit” mit Wrabetz, so Grasl.

Präsentation statt Hearing

Notiz am Rande: Wer auch immer noch antritt – ein öffentliches Hearing der Kandidaten wird es, wie es zunächst noch hieß, doch nicht geben. Stattdessen bekommen die Kandidaten am 8. August auf ORF III ab 16:00 Uhr für jeweils ca. eine halbe Stunde Gelegenheit, das eigene Konzept zu präsentieren. Etwaiges Nachfragen wird aber nicht möglich sein. Ein öffentliches Hearing war unter anderem daran gescheitert, dass bei der Beantwortung möglicher Fragen unter Umständen die beiden Kandidaten Geschäfts- und Unternehmensgeheimnisse öffentlich hätten preisgeben müssen, was so nicht möglich ist.

Mit Alexander Wrabetz und ­Richard Grasl dürfte die Kandidatenliste komplett sein. Dies bedauerte unter anderem Neos-Stiftungsrat Hans Peter Haselsteiner; er wünsche sich für eine so interessante Aufgabe durchaus mehr Bewerber. (fej)

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