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Die hohe Kunst des Wohlfühl-Managements © BFI Wien/Ian Ehm

Wertschätzung „Natürlich ist es eine Herausforderung, die individuellen Situationen und Bedürfnisse der Menschen wertschätzend zu berücksichtigen.” Valerie Höllinger ist Geschäftsführerin des BFI Wien.

© BFI Wien/Ian Ehm

Wertschätzung „Natürlich ist es eine Herausforderung, die individuellen Situationen und Bedürfnisse der Menschen wertschätzend zu berücksichtigen.” Valerie Höllinger ist Geschäftsführerin des BFI Wien.

Valerie Höllinger 18.03.2016

Die hohe Kunst des Wohlfühl-Managements

… und warum das nichts mit einer Förderung des Müßiggangs zu tun hat.

Gastkommentar ••• Von Valerie Höllinger


ANSICHTSSACHEN. Obwohl landläufig Konsens darüber besteht, dass Arbeit und der jeweils gewählte Beruf Freude bereiten sollten, werden Begriffe wie „Wohlfühlen” immer wieder zu Unrecht mit Müßiggang und mangelnder Leistungsbereitschaft in Verbindung gebracht. Sich wohl fühlen zu wollen, ist jedoch vielmehr ein individueller, subjektiver Anspruch, der ebenso individuell ergründet und dem ebenso individuell entgegengekommen werde sollte, weil er eine Voraussetzung für Leistungsbereitschaft und für Leistung an sich darstellt.

Einfach ist es nicht

Folgt man aktuellen soziologischen Beobachtungen, so gewinnt dieser Anspruch – Stichwort „Generation Y” – zunehmend an Bedeutung, wenn man Wert auf gesunde, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legt. Eine Missachtung dieses Anspruchs ist mitverantwortlich für eine erhöhte Fluktuation im Betrieb, für Wissensabfluss – und für Burnouts der Mitarbeiter.

Das Problem ist bereits bekannt. Viele Unternehmen entwickeln ihre Human Ressources-Abteilungen schon in Richtung „Feelgood-Management” weiter, um wesentliche Voraussetzungen für das Sich-Wohlfühlen zu schaffen, aber auch, um sich in Employer Brand-Rankings gut zu positionieren.
Natürlich ist es eine Herausforderung, die individuellen Situationen und Bedürfnisse der Menschen wertschätzend zu berücksichtigen. Es braucht Gespräche zwischen Mitarbeitern und Führungskräften, die den ganzen Menschen erfassen. Es geht um Kennenlernen und um „Kennenbleiben”. Mangelt es an dieser Denkweise, vor allem in der Führungsriege, dann besteht die Gefahr, dass das organisierte Feelgood-Management zur Fassade verkommt, bestenfalls kurz als PR-Aktion wirkt und – außer als Trend in Wissens- und Mangelberufen – nicht auf Interesse stoßen wird.
Mein persönliches Credo lautet jedenfalls: Alle Maßnahmen, die zum Sich-Wohlfühlen der Menschen im Beruf führen, liegen gleichermaßen im Interesse des Einzelnen wie auch der Unternehmen bzw. Organisationen, in denen diese beschäftigt sind – und auch im Interesse der Gesellschaft und der Volkswirtschaft als Ganzer. Es ist eine Investition, die sich lohnt.

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