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Die „Köpfe” der Wissensstadt Wien © Abraham Aranega

Günter Koch ist Pionier der Wissensbilanzierung im deutschsprachigen Raum.

© Abraham Aranega

Günter Koch ist Pionier der Wissensbilanzierung im deutschsprachigen Raum.

sabine bretschneider 02.06.2015

Die „Köpfe” der Wissensstadt Wien

„Intellectual Capital” Wissenskapital als Strategie zur Aufwertung von Städtemarken

medianet stellt in einer neuen Serie die prominentesten „Wissensarbeiter” der Bundeshauptstadt vor.

Wien. Der Internationale Verband der Kongress- und Konferenzveranstalter (ICCA) hat anlässlich des letzten Weltkongresses ein neues Thema ins Bewusstsein der mehr als 3.000 Teilnehmer gerückt: Wissenskapital als ein noch zu hebender Schatz in den Städtedestinationen. Das im Englischen mögliche Wortspiel „Intellectual Capital” sowohl in der Interpretation als „Kapital” als auch als „urbanes Zentrum” (engl. Capital) weckt Fantasie zu neuen Strategien der Aufwertung von Destinationen.

In Zeiten sich wandelnder Geschäftsmodelle und eines sich daraus ergebenden Innovationsdrucks auf alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft ist es demnach auch die Nutzung des „Wissenskapitals”, die jetzt auf der Agenda vieler Städte ganz oben steht. Im Kern geht es darum, dass Institutionen wie Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen zum einen und die darin tätigen „Wissensarbeiter” – ein Begriff, der vom berühmten Urvater und Spiritus Rector der Managementwissenschaften, dem in Wien geborenen Peter Drucker, geprägt wurde –, die herausragenden Forscher und Wissenschaftler Hauptbestandteil des Wissenskapitals einer Gemeinde sind. medianet hat sich zur Aufgabe gestellt, diese Köpfe, die das „Grundkapital” an Wissen in der Stadt darstellen, in einer losen Folge vorzustellen.

„Zur Profilbildung”

Was bedeutet dies nun für die Profilierung von Destinationen wie Wien, Salzburg, Graz und Linz? „Österreich ist mit seinen Städtedestinationen schon bestens vorbereitet, dem Anspruch eines Wissenslandes bzw. von Wissensstädten zu genügen”, sagt Günter Koch. Der international renommierte Software-und Telekom-Experte ist Unternehmer, Manager und Wissenschaftler und gilt als einer der profundesten Kenner der europäischen und nationalen Forschungs-und Technologieszene. „Allerdings fehlt es noch an einer stärkeren Betonung, dass über Musik, Theater und Kultur hinausgehend die Wissenschaft zur Profilbildung herangezogen werden soll.” Universitäten und internationale Wissenschaftsgesellschaften sollten, sagt Koch, zudem verstärkt dazu motiviert werden, ihre Kongresse in österreichischen Wissensstädten abzuhalten, wo wiederum lokale, rhetorisch begabte Wissenschaftler als Keynote-Sprecher angeboten werden. Begleitprogramme sollten verstärkt Besuche in Wissenschaftsinstitutionen oder Labors vorsehen. Koch: „Kongressveranstalter stehen in tougher weltweiter Konkurrenz. Österreich und besonders Wien hat den Bonus, eine ohnehin beliebte, wenn nicht sogar weltweit die beliebteste Kongress-Destination zu sein. Umso mehr wird von unseren Intellectual Capitals erwartet, dass wir mehr bieten als Klassik in Musik, Theater, Oper und Kunst.”

Konzept aus Seibersdorf

„Intellectual Capital” als Gegenstand der neueren Wissensökonomie beschreibt ein Thema, dessen Konzeption seinen Ursprung in Österreich hat. Ende der 90er-Jahre wurde am damaligen Forschungszentrum Seibersdorf (heute: AIT Austrian Institute of Technology) unter der Leitung seines damaligen Chefs Günter Koch die Idee entwickelt, das in dieser Organisation versammelte Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter und in deren Publikationen in Form einer Wissens-bilanz zu sammeln.
Das Verfahren der „Wissensbilanzierung” fand schnell Eingang sowohl in wissensbasierten Wirtschaftsunternehmen als auch per Gesetz in das Berichtswesen der heimischen Universitäten. In Deutschland wurde die österreichische Methode recycelt und als „Wissensbilanz – Made in Germany” auf breiter Front in Wirtschaftsbetrieben und Verwaltungen eingeführt. Aktuell laufen weltweit Projekte zur Identifikation von „Wissensstädten” oder zur Profilierung von Wissensregionen, z.B. in der Slowakei im „IT-Tal von Kosice” oder für Regionen in Rumänien. Die Weltbank gibt Ranking-Listen zum Stand der Wissenspotenziale für fast alle Länder heraus.

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