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In weiblicher Hand © minie1491/flickr/CC BY-NC-SA 2.0

Miku Hiranu: Sie hat es geschafft. Jüngst lukrierte sie für ihre App „Seconds” 1,5 Mio. USD. In Japan sind aktuell nur zwei Prozent der Gründer weiblich.

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Miku Hiranu: Sie hat es geschafft. Jüngst lukrierte sie für ihre App „Seconds” 1,5 Mio. USD. In Japan sind aktuell nur zwei Prozent der Gründer weiblich.

alexandra binder 19.06.2015

In weiblicher Hand

Faktum Noch immer sind Gründungen, weltweit gesehen, zu selten Frauen­sache. Eine Tatsache könnte daran allerdings rütteln: Frauen sind die wesentlich erfolgreicheren Crowdfunder.

Wenn man eine Idee hat, sollte man auch gründen. So einfach ist das”, sagte die Miku Hirano Anfang Mai am St. Gallener Symposium. Die 31-Jährige hat im Jahr 2012 in Singapur das Start-up Spicy Cinnamon gegründet und für ihre zugehörige App Seconds jüngst 1,5 Mio. USD eingesammelt.

Ganz so einfach scheint „das” mit dem Gründen allerdings nicht zu sein. In Japan, Hiranos Heimatland, rangieren die Gründerinnen mit gerade einmal zwei Prozent unter ferner liefen. Österreich liefert im Vergleich dazu mit 43,5 Prozent Gründerinnen zwar geradezu para-diesisch anmutende Zahlen, allerdings gilt auch hierzulande: Der typische Start-up-Gründer ist 35 Jahre alt und hat ein Universitäts- oder FH-Studium in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Naturwissenschaft oder IT abgeschlossen. So beschreibt es jedenfalls die Grundlagenstudie „Start-up Location Vienna” 2013.
Geändert hat sich daran bis heute nichts. Und die Aussicht auf schnelle Veränderungen dürfen sich Optimisten auch erst einmal abschminken. Denn seit 2013 stagniert diese Zahl. Nicht anders verhält es sich übrigens im Nachbarland Deutschland; dort lag die durchschnittliche Gründungsquote der 18- bis 64-jährigen Männer 2014 laut GEM-Bevölkerungsbefragung bei 6,5 Prozent, die der Frauen bei lediglich 4 Prozent. Und selbst wer den Blick über den großen Teich in die USA wagt, stößt auf ein und das selbe Bild: Männliche Gründer, so weit das Auge reicht.

Ausreißer Crowdfunding?

Zeigt sich beim Crowdfunding ein völlig anderes Bild? Nicht wirklich. Auch auf Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo sind es allem voran Männer, die um Investoren buhlen. Doch es gibt auch eine andere, bisher wenig kommunizierte Facette. Die nämlich, dass Frauen beim Crowdfunding wesentlich erfolgreicher sind als Männer. Das bestätigen inzwischen verschiedene Studien.
Damit könnte Crowdfunding ein Weg sein, der Frauen die Existenzgründung erleichtert. Jedenfalls kommen Jason Greenberg von der New York University und Ethan R. Mollick von der University of Pennsylvania in ihrer aktuellen Studie zu diesem Schluss.
Das Duo nahm ingesamt 1.250 Crowdfunding-Projekte unter die Lupe, die zwischen 2010 und 2012 auf Kickstarter gelauncht wurden und um Investoren warben. Dabei stellte sich heraus: Während zwei Drittel aller Kampagnen, die von Frauen gestartet wurden, die vorab festgetzte Fundigschwelle erreichten, waren es bei den Männern nur etwa 30%.
In anderen Worten ist die Warscheinlichkeit, ein Crowdfunding-Projekt erfolgreich über die Bühne zu bringen, bei Frauen mehr als doppelt so hoch – um genau zu sein, um 61 Prozent höher als bei Männern. Noch deutlicher als in anderen Bereichen zeigt sich dieser Vorteil interessanterweise in einer Männerdomäne, in der sehr wenige Frauen eine Crowdfunding-Kampagne launchen: bei Technologie-Start-ups wie jenem der eingangs erwähnten Japanerin Hirano, die die einzige Frau in ihrem IT-Studiengang war und weder Förderung noch Unterstützung von ihrer Universität erhielt.
Dass die Erfolgsaussichten gerade da so hoch sind, das führen die Studienautoren Greenberg und Mollick unter anderem auf einen Support zurück, der noch immer alles andere als gängig ist: Die Unterstützung anderer Frauen, die ihre Solidarität mit den Gründerinnen zeigen.

Über Wahrscheinlichkeiten

Tatsächlich sind auf Kickstarter etwa 44% der Investoren und Unterstützer weiblich, und 40% der von diesen Frauen finanzierten Projekte auch von Frauen initiiert worden. Wobei Kickstarter eine von der Kreativen und Webbranche spezialisierte Crowdfunding-Plattform ist. Ob sich bei auf equity-based Crowdfunding ausgelegten Plattformen dasselbe Bild zeigt, bleibt abzuwarten. Und Solidarität dürfte wohl nur ein Grund für die Unterstützung sein. Nicht unwesentlich daran beteiligt ist auch, dass Geschäftsideen der weiblichen Gründer sich häufig auch an eine weibliche Zielgruppe richten.

Kapitale Erwartungen

Dass Frauen die Kapital-Erwartungen in der Regel niedriger ansetzen als ihre männlichen Mitbewerber und die Fundingschwelle deshalb häufiger erreichen: auch das stimmt. Im Schnitt gründen sie tatsächlich mit nur halb so viel Startkapital wie Männer.
Wer ihren Crowdfunding-Erfolg allerdings nur darauf zurückführen wollte, der läge gänzlich daneben. Greenberg und Mollicks Studie zeigt nämlich noch mehr: Frauen sind auch bei größeren Summen, die durch Crowdfunding finanziert werden sollen, deutlich erfolgreicher.
Ilona Orthwein von Unternehmerinnen.org, Autorin des Buchs „Crowdfunding” (Igel Verlag 2014), weiß um die Stärken, die Frauen ins Crowdfunding einbringen: „Es hat viel mit Beziehungsmanagement und Kommunikation zu tun, also mit Fähigkeiten, die Frauen gut beherrschen, sind Frauen hierfür geradezu prädestiniert”, sagt sie. Und Orthwein bringt noch eine andere für Frauen interessante Variante ins Spiel: Das „reward based Crowdfunding” alias Crowdsponsoring, in dem Vorverkäufe von Produkten organisiert werden, von denen es erst einen Prototyp oder auch nur einen „Dummy” gibt. Durch einen erfolgreichen Vorverkauf kann dann die Produktion starten.
„Gerade kreativen Frauen fällt es oft leicht, sehr gute Kampagnen und praktische ‚Perks', die Gegenleistungen im Crowdsponsoring, zu entwickeln. Das Ganze ist dann parallel zum Geldeinwerben eine Marketingkampagne, die neue Kunden gewinnen und langfristig binden kann”, so Orthwein.

Langsames Wachstum

Wir halten fest: Frauen, die ihre Geschäftsidee via Crowdfunding finanzieren, haben es einfacher, als diejenigen, die es auf dem traditionellen Weg versuchen.
Und: Letztere dürfen zudem noch mit einigen Stolpersteinen mehr rechnen, einem langsameren Wachstum ihres Unternehmens etwa. Auch dazu gibt es Zahlen: In den USA hatte im ersten Halbjahr 2014 beispielsweise nur jedes achte Unternehmen, das eine Venture-Capital-Finanzierung erhielt, einen weiblichen Gründer, oder auch nur ein weibliches Mitglied im Gründerteam. Dem gegenüber steht, dass 41% der kleinen und mittleren Unternehmen, die mit Crowdfunding erfolgreich sind, Gründerinnen haben.
Orthwein rät Frauen, auch in der Wachstumsphase die Option des Crowdfunding nicht links liegen zu lassen: „Selbstständige Frauen verfügen über meist ein hohes Bildungsniveau, haben tolle Ideen und sind hochmotiviert, aber verdienen trotz anstrengender Arbeit oft wenig, weil ihr Geschäft zu klein aufgestellt ist. Das liegt wiederum daran, dass nur wenige entsprechend großzügig planen und ausreichend Kapital einsetzen. Hier kann das Crowdfunding helfen – nicht nur beim Start, sondern auch in der Wachstumsphase.”
Richtig spannend werde es nämlich, wenn darum gehe, echtes Beteiligungskapital aus der Crowd zu bekommen. „Wer einen Kapitalgesellschaft (UG, GmbH, AG) und eine ausbaufähige Geschäftsidee hat, sollte sich nicht scheuen, auch mehr als nur eine Mikrofinanzierung anzuvisieren.”
Die eingangs erwähnte Miku Hirano glaubt übrigens allem voran an die Vorbildwirkung. Ohne die passiere trotz aller Optionen gar nichts. „Nur wenn Frauen sehen, dass andere Frauen mit ihren Unternehmen erfolgreich sind”, sagt sie „werden sie das Selbstvertrauen entwickeln, selbst zu gründen.”

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