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Keine Angst vorm großen Bruder © APA/Roland Schlager

Nachbarschaftliche Rivalität … (Bild: Marcel Hirscher, Felix Neureuther in Schladming)

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Nachbarschaftliche Rivalität … (Bild: Marcel Hirscher, Felix Neureuther in Schladming)

29.01.2016

Keine Angst vorm großen Bruder

Im Innovationsranking des US-Thinktanks ITIF liegt Österreich drei Plätze vor Deutschland – und auch bei den Lohnstückkosten können wir im Nachbarsduell einen Sieg verbuchen.

WIEN/KÖLN. Der Vergleich Österreich-Deutschland ging in letzter Zeit immer zu Ungunsten Österreich aus – gleich ob es um die Konjunkturdaten geht oder um die Arbeitslosenzahlen, wo Österreich seinen langjährigen Status als Musterschüler längst verloren hat.

Aber es gibt auch Lichtblicke: Der Washingtoner Thinktank ITIF (Information Technology & Innovation Foundation) etwa reiht die österreichische Innovationskraft in einem weltweiten Vergleich von 56 Ländern – die 90% der Weltwirtschaft abdecken – auf dem beachtlichen Platz 9. Untersucht und verglichen wurden u.a. innovationsunterstützende Steuersysteme und Investitionen in F&E – im positiven Sinne – oder ein schlechter Schutz von geistigem Eigentum im negativen Sinne. Auf Platz 1 liegt Finnland, Deutschland wiederum liegt drei Plätze hinter Österreich nur auf Platz 12. Auch im aktuellen Bloomberg-Ranking (medianet berichtetet) hat es Österreich mit einem Sprung um vier Plätze im Vergleich zum Vorjahr auf Rang 13 geschafft.

„Vorsichtige” Vergleiche

Dazu kommt: Österreichs Wettbewerbsfähigkeit scheint nicht so schlecht zu sein, wie sie manchmal dargestellt wird. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) zum verarbeitenden Gewerbe (auf Basis des Jahres 2014) hat Österreich vor allem bei den Lohnstückkosten Vorteile gegenüber vielen Indus­trienationen, dem Euroraum – und auch Deutschland. „Österreich steht besser da als Deutschland”, bestätigt der IW-Ökonom Christoph Schröder. Wermutstropfen aus österreichischer Sicht sei aber, dass in den Jahren seit 2007 der Anstieg der Lohnstückkosten „eine ähnlich hohe Dynamik hatte wie in Deutschland und daher auch über dem Euroraum und Industrienationen außerhalb Europas lag”.

Bei den Arbeitskosten an sich müsse man beim Vergleich überhaupt „vorsichtiger” sein; hier müsse auch die Branchenstruktur berücksichtigt werden. Beispielsweise seien in Deutschland viele Konzernmütter der Autobranche ansässig, während es in Österreich besonders viele Zulieferer gebe. „Da müsste man in der Tat Zulieferer und Zulieferer vergleichen.”

Produktive Alpenrepublik

In Deutschland jedenfalls liegt dem IW Köln zufolge zwar die Produktivität über dem Durchschnitt der untersuchten Staaten – und auch höher als in Österreich. Dennoch schreiben die Ökonomen: „Ähnlich produktiv wie Deutschland waren Frankreich und Österreich, während die übrigen Länder deutlich zurücklagen: das Vereinigte Königreich und Kanada um knapp ein Fünftel, Spanien, Japan und Italien um knapp 40 Prozent.” Bei den Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe liegt Österreich laut IW Köln mit einem Wert von 88 um 12% hinter Deutschland (100). Der Euroraum wird in der IW-Studie mit 97 bewertet, Spitzenreiter ist Italien mit 110.

Das Arbeitskostenniveau im verarbeitenden Gewerbe liegt hierzulande, verglichen mit Deutschland (100), auch nur bei 84. Der Euroraum wird mit 82 bewertet. Das heißt, die Arbeitskosten liegen in Österreich deutlich unter jenen in Deutschland, aber leicht über dem Durchschnitt der Schwesterländer im Währungsraum. Auch die USA liegen mit 83 nah bei Österreich. (APA/red)

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