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„Können kompromisslos agieren” © carostrasnik.com

Illustre Runde Beim IMCAS (International Master Course on Aging Skin) World Congress 2016 in Paris am Podium: Croma Pharma-CTO Martin Prinz (groß im Bild; vlnr. die IMCAS-Gründer Mark Nestor und Benjamin Ascher; sitzend: Michel Cheron, CEO Vivacy, Alexandre Brennan, Vize-Präs. Galderma, Valery Taupin, CEO Teoxane, Philip Burchard, CEO Merz, Luis Iglesias, Vize-Präs. Allergan, Martin Prinz, Chris Spooner, CEO Sinclair).

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Illustre Runde Beim IMCAS (International Master Course on Aging Skin) World Congress 2016 in Paris am Podium: Croma Pharma-CTO Martin Prinz (groß im Bild; vlnr. die IMCAS-Gründer Mark Nestor und Benjamin Ascher; sitzend: Michel Cheron, CEO Vivacy, Alexandre Brennan, Vize-Präs. Galderma, Valery Taupin, CEO Teoxane, Philip Burchard, CEO Merz, Luis Iglesias, Vize-Präs. Allergan, Martin Prinz, Chris Spooner, CEO Sinclair).

26.02.2016

„Können kompromisslos agieren”

Die Pharmaszene ist nur etwas für „­Große”? Die Korneuburger Croma Pharma tritt gern den Gegenbeweis an. Auf der Agenda steht der Eintritt in die globalen Topmärkte.

WIEN/KORNEUBURG. Es war ein Ausnahmejahr für die Pharma-Branche: Mit knapp 329 Mrd. USD (297 Mrd. €) gab die Branche so viel wie noch nie für Fusionen und Übernahmen aus. Allein die Übernahme des Botox-Herstellers Allergan – 2014 durch die 66 Mrd. USD schwere Übernahme durch den irischen Konkurrenten Actavis entstanden – ließ Viagra-Produzent ­Pfizer sich 160 Mrd. USD kosten. Das war der größte Deal in der Life-Sciences-Branche und der drittgrößte Deal, der jemals über alle Branchen hinweg getätigt wurde.

Size matters?

Size matters in der Pharmabranche – and money talks. Aber wo bleibt inmitten dieser von Superlativen geprägten Szene noch Platz für kleine und mittlere Unternehmen, wie positionieren sich Familienbetriebe wie die niederösterreichische Croma Pharma? Ohne milliardenschwer gefüllte Kriegskassen ist auch guter Rat teuer.

In Österreich ist das Familienunternehmen aus Leobendorf/Korneuburg derzeit mit seinen Produkten allgegenwärtig: Beim Song Contest im Vorjahr in Wien war Croma Pharma mit seinen „Princess Skincare”-Produkten auch medial sehr präsent, beim Life Ball war man als offizieller Partner dabei – und beim Opernball kamen die Produkte kürzlich schon zum dritten Mal als „Damenspende” zum Einsatz. Im September des Vorjahres war Croma Pharma in London als „Nationaler Champion” bei den European Business Awards in der Kategorie „Unternehmen mit 26–150 Millionen Euro Umsatz” ausgezeichnet worden. Der weltweite Markt für ästhetische Dermatologie wächst überproportional – und hier will auch Croma Pharma kräftig mitmischen.

Fusionen schaffen Spannungen

Die fusionsbedingten Vorteile für die „Großen” lägen auf der Hand, erzählt Croma Pharma-Technikvorstand Martin Prinz am Beispiel der Pfizer-Allergan-Hochzeit: „Ein neuer Konzern mit 60 Milliarden Jahresumsatz, steuerliche Vorteile durch die Adresse in Irland oder Optimieren der Steuern durch Herumschicken von Gewinnen, ­Economies of Scale, Marktbeherrschung …”

Aber auch die Nachteile seien klar: „Eine große Zahl an erfahrenen Allergan-Managern wird den Job verlieren, wie das bei Fusionen einmal so ist. Zwei derart große Unternehmen mit entsprechend großen Egos zu harmonisieren und ineinander zu integrieren, hat schon viele andere große Unternehmen manchmal vor zu große Schwierigkeiten gestellt.” „Das Kontinuum in der Croma ist sicher ein enormer Vorteil gegen die Riesen”, ergänzt CFO Andreas Prinz. „Alleiniger Fokus auf unseren Job macht uns effizient, wir müssen nicht ein anderes Unternehmen mit anderer Kultur aufnehmen oder uns integrieren. Unsere Kultur bleibt dieselbe. Die Akteure bleiben dieselben.”
Nicht nur die anderen großen Mitbewerber von Allergan, wie Merz, Galderma, Teoxane und Vivacy, beobachten die internationalen Entwicklungen ganz genau, auch die bedeutend kleinere Croma Pharma. Mit einem Jahresumsatz von 67 Mio . € (2014) und 54 Mio. € (2015) ist der innovative Familienbetrieb ein viel kleinerer – aber durchaus ernst zu nehmender Mitbewerber.
Andreas Prinz: „Croma kann, derzeit zumindest, noch keine Milliardenübernahmen stemmen und damit den Umsatz nach oben katapultieren, aber das Unternehmen findet in seiner Nische andere Chancen vor. Das Unternehmen ist sehr schlank aufgestellt, hat derzeit keine großen Übernahmen abzuwickeln bzw. zu integrieren, macht mehr als 90 Prozent des Umsatzes im Export – und vor allem aus eigener Produktion.”

Vor dem Marktstart in China …

Die Pipeline neuer Produkte sei prall gefüllt und die Nachfrage nach den Dermal-Fillern aus eigener Produktion sprenge die Auftragsbücher. Andreas Prinz: „Die Expansion kann auch mit organischem Wachstum sehr dynamisch finanziert werden, da es sehr solide Eigenkapitalpolster gibt und keine riskanten Übernahmeziele. Und Fremdkapital ist bzw. wäre bei Bedarf für uns immer noch billig.”

Für die Princess-Fillerprodukte stehe die Zulassung in China kurz bevor. „Der Eintritt in die besonders bedeutenden Märkte China, Brasilien, USA mit eigenen Niederlassungen und eigenen Produkten eröffnet uns sehr viel Aufholpotenzial”, sagt Andreas Prinz. „Die großen Mitbewerber haben kaum noch weiße Flecken auf der Landkarte, wir holen uns nun erst einmal Schritt für Schritt einige Top-Märkte.” Dazu kommt: Studien zur Zulassung eines eigenen Croma-Botulinum Toxin in Europa und den USA – Kosten: ein zweistelliger Millionenbetrag – sind im Laufen.

… und in den USA

Martin Prinz: „Bald kann Croma aus einer Hand alle wichtigen Anwendungen am Schönheitsmarkt in international anerkannter Qualität anbieten: Dermal-Filler, Botulinum Toxin und die in letzter Zeit beliebten Lifting-Fäden. Dieses Produktportfolio bieten derzeit nur zwei bis drei Unternehmen. Die visionäre Portfolioplanung geht also voll auf und verspricht erfolgreiche Geschäfte.”

Geplant sind mit einem Volumen von etwa 30 Mio. € ein Neubau des Hauptquartiers und die Erweiterung um eine weitere Produktionsstätte als Vorbereitung für eine Belieferung des durch die Aufsichtsbehörde FDA-regulierten US-Markts. Das alles seien „Schritte zu mächtigen Umsatzsteigerungen”, präzisiert Finanzchef Andreas Prinz. Martin Prinz: „Als Familienbetrieb sind wir keinen Share- oder Stakeholdern zu kurzfristigen Gewinnmaximierungen verpflichtet und behalten die Sicherheit der Anwender im Auge – kompromisslos. Wenn wir nicht hundertprozentig hinter einem Produkt stehen, dann wird es eben gekillt.” (sb)

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