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ORF-Radiodirektorin Eigensperger will Flottenkurs nicht abrupt ändern APA/GEORG HOCHMUTH

ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger

APA/GEORG HOCHMUTH

ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger

Dinko Fejzuli 02.02.2017

ORF-Radiodirektorin Eigensperger will Flottenkurs nicht abrupt ändern

Wünscht sich weniger Hürden fürs Agieren im Web - "Kein Mehrwehrt" durch DAB+

Allfällige politische Zurufe sollen ungehindert verhallen

Wien. Die neue ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger plant nicht, den Kurs der Senderflotte ruckartig zu ändern, sagt sie im APA-Interview. Um die sehr junge Zielgruppe zu erreichen, wünscht sie sich niedrigere Hürden im Internet. Auf parteipolitische "Zurufe" werde sie in allfälligen Personalentscheidungen keinesfalls reagieren, hält sie fest. Und in DAB+ sieht sie derzeit "keinen tollen Mehrwert".

Die ORF-Radios seien als Marktführer gut aufgestellt, verweist Eigensperger auf die zuletzt 70 Prozent Marktanteil im Radiotest (das Interview wurde vor Veröffentlichung der aktuellen Daten geführt, Anm.) Angesprochen auf die Diagnose des früheren ORF-Finanzchefs Richard Grasl in seiner Bewerbung als Generaldirektor, der radikale Neupositionierungen als unabdingbar bezeichnet hatte, sieht sie dafür keinen Anlass.

"Das soll nicht heißen, dass nicht von uns weiter Innovation gefragt ist", betont sie aber. "Die Radiohörer wollen schon überrascht werden, aber sie wollen auch Orientierung und Verlässlichkeit. Wenn jeden Tag etwas auf einen zukommt, womit man nicht gerechnet hat, dann lässt man das Publikum verstört zurück. Es gibt internationale Beispiele, wo Radiostationen interessante Zick-Zack-Strategien versucht haben. Es hat sich gezeigt, dass das nicht funktioniert. Man muss Neuerungen auch einbetten und für das Publikum nachvollziehbar machen, ohne dessen Hörgewohnheiten zu irritieren."

Die "ganz Jungen" in der Altersgruppe 14 bis 17 Jahre zu erreichen, sei eine Herausforderung, räumt Eigensperger ein. FM4 mit dem hohen Kultur- und Englisch-Anteil erreiche eher "ein studentisches Milieu". Der Weg zum Hörernachwuchs führe fraglos über das Internet. "Da sind wir auch im internationalen Vergleich sehr gut unterwegs", die ORF-Radios im Web erzielten auch in deutschen Rankings Top-Platzierungen - "und das bei doch erheblichen Hürden, die wir haben: Bei jedem Schritt brauchen wir Genehmigungen, manchmal dauern sie sehr lange."

Das sei "für den Medienstandort Österreich insgesamt nicht gut". Ein Beispiel sei der 7-Tage-Player für Ö3: "Dass man sieben Tage nachhören kann, ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Im Fall von Ö3 warten wir noch immer auf eine Bewilligung." Sowohl FM4 als auch Ö1 sollen heuer neue Apps für iOS und Android bekommen, auch das ein weiterer Kanal zum Publikum.

Die Medienbehörde KommAustria hat diese Woche die Zulassungen für den digitalen Radiostandard DAB+ ausgeschrieben. Der ORF will sich nicht engagieren, Eigensperger kann derzeit keinen "Mehrwert" erkennen: Sie ist nicht überzeugt von den technischen Möglichkeiten, zugleich drängten Konzerne wie Google oder Amazon mit Devices auf den Markt, die "Radio-Streaming auf Zuruf und ein weltweites Radioangebot" bieten. "Und dem ORF ist ein zusätzliches Programmangebot nicht erlaubt", betont sie. "Wären die Voraussetzungen anders, müsste man das prüfen - aber ich sehe diese nicht."

Eigensperger ist seit Jahresbeginn in der Doppelfunktion FM4-Chefin und Radiodirektorin tätig. "Fad wird mir nicht", beschreibt sie ihr Arbeitspensum, doch sie könne sich auf ein "wunderbares Team" verlassen. Dass Ö1 nun auch "im Sinne einer Channel-Management-Struktur organisiert" werden soll, begrüßt sie ausdrücklich. "Der Ö1-Chef ist eigentlich Ö1-Koordinator und eben nicht Senderchef, das gehört meiner Meinung nach dringend repariert. Man sieht ja auch bei FM4 und Ö3, dass klare Verantwortungen gut funktionieren."

Personalentscheidungen im ORF-Radio haben in den vergangenen Jahren wiederholt für Diskussionen gesorgt. Eigensperger würde potenziellen Personalwünschen aus der Politik keinerlei Gehör schenken, hält sie fest: "Ich bin jetzt über 30 Jahre in diesem Haus und habe noch nie auf Zurufe welcher Art auch immer reagiert. Ich habe das auch in Zukunft nicht vor."

Darüber, wie lange Ö1 und FM4 nun noch im Funkhaus residieren werden, will die Direktorin "nicht spekulieren": "Das ist ein laufender Prozess, den kommentiere ich nicht." Den Trennungsschmerz vor allem in den Reihen von Ö1 kann sie bis zu einem gewissen Grad nachfühlen: "Es ist ihre Heimat, das ist schon nachvollziehbar." An der grundsätzlichen strategischen Standortentscheidung ändere dies aber nichts. (apa)

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