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Rekordergebnis in einer schwierigen Branche © Hutchison Drei Austria/APA-Fotoservice/Hörmandinger
© Hutchison Drei Austria/APA-Fotoservice/Hörmandinger

sabine bretschneider 18.03.2016

Rekordergebnis in einer schwierigen Branche

Mobilfunker Drei bilanziert 2015 mit einem starken Anstieg bei ­Ergebnis und Kunden. Drei-CEO Trionow trägt’s mit Gelassenheit …

••• Von Sabine Bretschneider

WIEN. Von „kräftig gestiegenen Preisen” am Mobilfunkmarkt berichtete am Montag die Regulierungsbehörde RTR. Die Übernahme von Orange durch Drei in den Jahren 2012/13 habe die Tarife in den Folgejahren hochgejagt, die Diskonter, allen voran die Hofer-Marke „H.O.T”, hätten sie 2015 wieder gedrückt. Die Entgelte insbesondere für Wenignutzer seien aber noch immer teurer, so das Fazit einer Marktanalyse, an der sich auch die Bundeswettbewerbsbehörde beteiligt hatte. Jetzt wolle man „den Netzbetreibern auf die Finger schauen”.

Beim gestrigen Pressegespräch von Drei, Hutchison 3G Austria, klang die Zusammenfassung für die Zeit nach dem Drei-Orange-Merger schon anders: „Sechs Mal mehr Daten, sieben Mal höhere Geschwindigkeit bei gleichzeitig gesunkenen Umsätzen”, fasste Drei-Chef Jan Trionow die Branchenentwicklung zusammen.
Tatsächlich liegen die Preise, sieht man sich die Daten der RTR im Zeitverlauf an (siehe Grafik), heute immer noch unter dem ­Niveau von 2011. Man möge sich anhand der Daten selbst ein Bild machen, empfahl auch der Drei-CEO.

„Endlich” ein Umsatzplus

Drei jedenfalls hat ein starkes Jahr hinter sich: Der Umsatz ­(Total Revenue) von Drei erhöhte sich „dank der verstärkten Nutzung des Netzes”, wie es heißt, um sieben Prozent auf 736 Mio. € (2014: 686 Mio.) – „nach vielen Jahren endlich wieder”, freute sich Trionow.

Durch die Hebung von Synergien habe Drei 2015 eine neuerliche Senkung der Fixkosten um 15% erreicht. Der operative Gewinn (EBITDA) stieg um 29% von 245 auf 316 Mio. €. Das Betriebsergebnis (EBIT) erhöhte sich sogar um 48% von 170 auf 252 Mio. €. Das Megaprojekt der Orange-Integration, erzählte Trionow, sei jetzt endgültig abgeschlossen, nach Jahren der Investitionen im dreistelligen ­Millionenbereich.
Warum der Drei-CEO angesichts dieser Rekordzahlen nicht in „Torjubel” ausbreche, wurde Trionow gefragt. Der Merger habe sich gelohnt, sagt Trionow – ansonsten übe man sich eben in Bescheidenheit. Umsatz- und Kundenzahlen hin oder her, „am Ende zählen die Profitabilitätskennzahlen”.

Auf dem Weg zu Platz 2

Drei hat im abgelaufenen Jahr jedenfalls rund 200.000 Mobilfunkkunden auf gesamt 3,8 Mio. dazugewonnen. Starke Zuwächse verzeichnete das Unternehmen im ländlichen Raum. Mitte des Vorjahres startete Drei ein landesweites High-Speed-Internet-Angebot. Mit diesem Lückenschluss in der ländlichen Internet-Versorgung habe der Mobilfunkanbieter „seine Poleposition bei LTE ausgebaut”.

Mit dem Zweitplatzierten am österreichischen Mobilfunkmarkt – T-Mobile Austria – liefert sich Drei derzeit ein Duell um Platz zwei (siehe Grafik). Bei der Kundenzahl verwenden die beiden Unternehmen unterschiedliche Berechnungs­methoden, je nach Berücksichtigung der Submarken. Ob man ­T-Mobile schon überholt habe, wollte Trionow am Donnerstag nicht kommentieren: „Wir wissen es nicht.”
2016 jedenfalls will Drei weiter zulegen; Potenzial sieht der Drei-Chef insbesondere im Business-Kunden-Segment, wo man bisher nicht im selben Ausmaß wie bei den Privatkunden reüssieren konnte. Wachstum erwartet sich Trionow weiterhin im ländlichen Raum. Hier soll mobiles Breitband „eine ernsthafte Alternative zum Festnetz-Internet darstellen”. In zuvor mit LTE unterversorgten Regionen habe man im Vorjahr die Zahl der Vertragsabschlüsse um ein Drittel steigern können.

Facebook: kein Grund zur Sorge?

Der Mobilfunkmarkt bleibt weiterhin ein anspruchsvolles Gelände: Die nächste große Baustelle für die Mobilfunkprovider tut sich derzeit am Markt für Virtual Reality (VR)-Content auf. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte, wie medianet vor zwei Wochen berichtete, kürzlich einen großen Auftritt bei der Branchenmesse Mobile World Congress in Barcelona. Als Überraschungsgast bei der großen VR-Show legte er gemeinsam mit den Samsung-Managern seine Pläne offen: Facebook will sich in Kooperation mit dem Handyhersteller zur größten Sharing-Plattform für VR-Content entwickeln. Die Daten­volumina für VR sind noch ungleich größer als jene für HD-Video. „Facebook wird global die Werbekunden lukrieren und das Eintreiben von Nutzergebühren und Kosten den Telcos überlassen”, kommentierte das Peter A. Bruck vom Internationalen Centrum für Neue Medien (ICNM).

Das Spiel ist nicht neu: Die Mobilfunkprovider errichten die Hardware, die Dienste wie Facebook dann benutzen, ohne für diese Investitionen auch nur einen Cent zurückzubekommen. „Wir müssen es schaffen, mehr Nachfrage auch in mehr Umsatz umzumünzen”, beantwortet Trionow die diesbezügliche Frage von medianet. Die Facebook-Pläne seien „kein Grund zur übermäßigen Sorge”. Für die erforderlichen Strategien brauche man „natürlich auch entsprechende Rahmenbedingungen”. Die Mobilfunkbranche leidet seit Jahren unter einem vergleichsweise harten Regulierungsdruck.

Nächste Versteigerung: 2019

2019 steht wieder eine Versteigerung von Frequenzen an, diesmal sind es Frequenzbänder für 5G. Die Behörden hätten aus der Kritik der letzten Versteigerung gelernt, prognostiziert Trionow, weil die Versorgung der Bevölkerung mit Breitband-Internet Top-Priorität habe. Die von RTR-Chef Johannes Gungl ins Spiel gebrachte Überlegung, den Markt für einen vierten Mobilfunker zu öffnen, sieht Trionow gelassen; er hält einen vierten Anbieter für unrealistisch, versteht aber die Bedenken der Behörde, dass irgendwann eine weitere Marktbereinigung stattfinden könnte.

Hutchison Drei Austria GmbH ist ein 100%iges Tochterunternehmen von CK Hutchison Holdings Limited (Hongkong).

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