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Rohstoffkonzerne belasten die Bilanz © Chen Weifeng/EPA/picturedesk.com

Der Rohstoffpreisverfall traf auch den australisch-britischen Bergbaukonzern BHP Billiton heftig. Im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr halbierte sich der Gewinn, wie das Unternehmen Ende August mitteilte. Dennoch bleibt BHP „Gewinn-Kaiser” Europas.

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Der Rohstoffpreisverfall traf auch den australisch-britischen Bergbaukonzern BHP Billiton heftig. Im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr halbierte sich der Gewinn, wie das Unternehmen Ende August mitteilte. Dennoch bleibt BHP „Gewinn-Kaiser” Europas.

09.10.2015

Rohstoffkonzerne belasten die Bilanz

Die Top-300-Unternehmen in Europa und den USA haben zum Halbjahr laut EY im Schnitt einen Umsatz- und Gewinn­einbruch erlitten. Es gibt aber auch Ausreißer nach oben.

WIEN. Die Top-300-Konzerne in Europa und den USA haben zum Halbjahr laut EY im Schnitt einen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Es gibt aber auch Ausreißer nach oben: Der US-IT-Riese Apple erzielte mit einem Plus von 37% auf umgerechnet 38 Mrd. € ein höheres Betriebsergebnis (EBIT) als die fünf gewinnstärksten Multis Europas (BHP Billiton, Roche, VW, Royal Dutch Shell, Daimler) zusammen.

Unter die 300 umsatzstärksten Unternehmen reihen sich auch der österreichische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV, der Linzer Stahlkocher voestalpine sowie der steirische Anlagenbauer Andritz. Die OMV rutschte heuer in den ersten sechs Monaten gegenüber Ende 2014 von Platz 51 auf 77 ab und die voestalpine von Rang 163 auf 165. Verbessert hat sich hingegen Andritz – das Unternehmen rückte von Platz 273 auf 270 vor.

Was das Gesamtbild trübt

Die massiv rückläufige Entwicklung der Öl- und Rohstoffkonzerne trübt das Gesamtbild, wie es in der Studie des Unternehmensberaters EY (vormals Ernst & Young) heißt. Kumuliert sackte das operative Ergebnis der Top-300 in Europa heuer im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode um 11,5% auf 298 Mrd. € ab. Bei den größten 300 US-Konzernen war der Rückgang mit 5,4% auf 551 Mrd. USD (rund 494 Mrd. €) wesentlich moderater.

Sieg trotz „Niederlage”

Allerdings verzeichnete die Mehrheit der Konzerne in Europa (59%) und in den USA (61%) einen Gewinnanstieg – die negativen Ergebnisse einiger Schwergewichte schlugen dann aber in Summe durch: Die Öl- und Rohstoffunternehmen herausgerechnet, gab es in Europa ein Gewinnplus von im Schnitt 1,7% auf 249 Mrd. € und in den USA von 6,2% auf 528 Mrd. USD.

Der australisch-britische Bergbaukonzern BHP Billiton war aber trotz seines EBIT-Einbruchs um fast ein Drittel auf 7,9 Mrd. € immer noch der Gewinn-Kaiser Europas. Bei der britisch-niederländischen Royal Dutch Shell sank der operative Gewinn um 38% auf 6,8 Mrd. €, beim US-Ölmulti Exxon Mobil um 53% auf 13,8 Mrd. USD.

US-Firmen sind profitabler

Generell sind die amerikanischen Unternehmen der Studie zufolge profitabler als die europäischen – die Gewinnmargen lagen heuer in den USA mit im Schnitt 11,7% (Vorjahresperiode: 12,0%) um mehr als ein Drittel über jenen in Europa von 8,6% (Halbjahr 2014: 9,4%).

Auch die Umsatzentwicklung der Konzerngiganten war heuer zwischen Jänner und Juni im Schnitt rückläufig – in Europa gingen die Verkaufserlöse der 300 größten Unternehmen um 3,3% auf 3,5 Bio. € zurück, in den USA um 2,9% auf 4,7 Bio. USD. Ohne Öl-, Gas- und Rohstoffunternehmen hätte Europa mit einem Umsatzplus von sechs Prozent auf fast 2,7 Bio. € stärker zugelegt als die USA mit einem Anstieg von 3,2% auf gut 4,1 Bio. USD.

Royal Dutch Shell bleibt vorn

Der Branchenmix in den Vereinigten Staaten ist vielfältiger als der europäische: In Europa sind fünf der zehn umsatzstärksten Konzerne der Branche Öl und Gas zuzurechnen, weitere drei zählen zur Automobilbranche. Royal Dutch Shell blieb mit heuer zum Halbjahr mit einem Umsatz von 123,7 Mrd. € an erster Stelle; der deutsche Autohersteller VW rückte von Platz 5 auf 2 in Europa vor (108,8 Mrd. €), BP rutschte von Rang 2 auf 3 ab (102,9 Mrd. €). In den USA wiederum stammen laut EY nur drei der Top-10-Unternehmen aus den Branchen Öl/Gas und Automotive; am stärksten sei dort die Gesundheitsbranche vertreten.

In der EY-Erhebung nicht berücksichtigt wurden Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften sowie Unternehmen, die im untersuchten Zeitraum Zukäufe in erheblichem Umfang getätigt ­haben. (sb/APA)

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