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Schulterschluss gegen die eigenen Interessen © Christian Anderl

Die abgedruckten Gastkommentare geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Wir behalten uns das Recht auf Kürzung vor.

© Christian Anderl

Die abgedruckten Gastkommentare geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Wir behalten uns das Recht auf Kürzung vor.

29.05.2015

Schulterschluss gegen die eigenen Interessen

Gastkommentar Stephan Gustav Götz, mediabrothers

Einzigartig Endlich wird wieder breit über die Werbeabgabe gesprochen. Medienminister Ostermayer schlug bei der vor einiger Zeit stattgefundenen „Rundfunk-Plattform Österreich” des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP) eine neue Regelung für genau diese vor. Das Ziel: Die heimischen Medien sollen im Wettbewerb mit den Internetriesen wie Google oder Facebook bessere Möglichkeiten haben. Das ist gut.

Die mit VÖZ, VÖP und ORF präsentierte Lösung, jetzt auch digitalen Content mit dieser Steuer zu belasten, geht leider in die ganz falsche Richtung.
Halten wir fest: Die Werbeabgabe ist eine Bagatellsteuer. Sie gilt derzeit nur in den klassischen Medien wie Fernsehen, Radio oder Print. Sie bringt 0,1 Prozent des Gesamtsteueraufkommens der Republik. Elf Prozent ihres Gesamtertrags – über zwölf Millionen Euro – entfallen auf den benötigten administrativen Aufwand. Und am schwerwiegendsten: Sie ist in Europa einzigartig. Kein anderes Land bestraft Unternehmer dafür, dass sie Werbung machen. Wäre diese Idee so toll, hätte sich bestimmt auch ein anderes Land gefunden, das uns das nachmacht.
Wie wird die Werbeabgabe eingehoben? Abführen müssen sie die Medienunternehmen, in deren Medien die Anzeigen geschaltet werden. Sollte deren Sitz nicht in Österreich liegen, dann ist die Werbeagentur für das Abführen der Steuer verantwortlich.
Die Frage, die sich mir dann stellt, ist: Glaubt irgendjemand, dass Google und Facebook mit Sitz in Irland freiwillig für den Standort Österreich diese Strafsteuer zahlen werden?

Das Beste kommt zum Schluss …

Die Frage die Sie sich jetzt stellen ist: Wer wird dann zahlen? Genau: Jene Medien, die ihren Standort in Österreich haben. An dieser Stelle ist die Frage erlaubt, welche Interessen eigentlich der VÖZ vertritt, wenn er der eigenen Branche die zukünftigen Geschäftsmodelle verteuert. Und wenn die Mediaplaner in Paris, London oder Berlin die internationalen Kampagnen nicht mehr in Österreich buchen, weil der TKP (Tausend-Kontakt-Preis, Anm.) dank Strafsteuer teurer wird? Das muss sich der Verband intern ausmachen.
Das Beste kommt zum Schluss: Eine Abgabe für Online-Werbung, die in Richtung Google und Facebook zielt, ist genau dort schlicht nicht administrierbar. Was passiert zum Beispiel, wenn ein Unternehmen seine Anzeigen direkt bei Google und Facebook bucht, wie das gängige Praxis ist? Wer wird die Internet-Konzerne zwingen, das freiwillig an die Finanz zu melden? Wer überprüft das?
Faszinierend ist, dass es eine ganz einfache Lösung für das Problem gäbe. Die Werbeabgabe einfach gänzlich abschaffen. Die Unternehmen nicht mehr für Werbung bestrafen. Dafür sollte es einen Schulterschluss geben …

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