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„Solange es Nachfrage gibt, machen wir Print” © medianet
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02.06.2015

„Solange es Nachfrage gibt, machen wir Print”

Interview Markus Mair, Vorstand der Styria Media Group, über den Wandel des Mediengeschäfts

Perspektiven „Wären wir ein weltweiter Konzern, wäre unsere Digitalstrategie ­aggressiver, als sie für uns jetzt als regionales Unternehmen ist”, sagt Markus Mair. Mit der Styria Media Group macht er ein vielschichtiges Portfolio zukunftsfit.

Graz/Wien. Markus Mair, Vorstand der Styria Media Group, über die Stärke im regionalen Mediengeschäft, wirtschaftlichen Druck, erfolgreiche Digitalprojekte, den „Prüfstand”, der alle Styria-Marken erwartet – und das neue Styria Media Center.

medianet:
Herr Mair, wir treffen uns erstmals im neuen Styria-Mediencenter. Wie groß ist die Styria aktuell?
Markus Mair: Die Styria sitzt hier in Graz, im Mittelpunkt ihres Marktes – und zu dem gehören Österreich, Kroatien und Slowenien. In Österreich selbst haben wir den nationalen Teil mit der Presse und dem WirtschaftsBlatt. Hier liegt unsere Stärke auch im regionalen Mediengeschäft mit der Kleinen Zeitung, aber auch den Wochenzeitungen. In Kroatien haben wir Vecernji list, 24sata und Poslovni dnevnik. Dazu gibt es noch eine Reihe von Submarken; in Slowenien haben wir das klassische Printgeschäft eingestellt. Das Digitalgeschäft steht im Prinzip auf einem Hauptstandbein, alles ist rund um Marktplätze aufgebaut, sprich ‚Suchen und finden im Internet'. Hauptträger in Österreich ist willhaben.at, Hauptmarke in Kroatien ist njuskalo und in Slowenien bolha und MojeDelo. Wir machen Print, wir machen Audio, wir machen Digitalgeschäft – und wir machen den Videobereich, der bei uns nicht dem klassischen Fernsehbereich entspricht.

medianet:
Wie sehen Sie die Zukunft des Hauses in der Balance zwischen der digitalen Entwicklung und den extrem verankerten Printprodukten?
Mair: Wir haben verlegerisch erfolgreiche Printprodukte – und die Reichweite unserer klassischen Printprodukte, im Marktverhältnis zu unseren Mitbewerbern, steigt. Wir erreichen in Österreich 1,3 Millionen Menschen über unsere Tageszeitungen. Natürlich haben wir auf der Printseite auch Produkte, die unter wirtschaftlichem Druck stehen. Das trifft zum Teil auch auf das WirtschaftsBlatt zu. Die Balance zwischen dem verlegerischem Reiz und der Leidenschaft für diese Printprodukte und dem unternehmerischen Ergebnis ist entsprechend zu halten und permanent zu verbessern. Wir haben aber auch sehr erfolgreiche Digitalprojekte – willhaben.at, njuskalo – und bei diesen Geschäftsmodellen ist wichtig, dass wir in den Märkten die Nummer-eins-Position haben.

medianet:
Gelingt es Ihnen, mit den erfolgreichen Digitalgeschäften die Rückgänge in den Print-geschäften auszugleichen?
Mair: Wir sind in dieser Phase schon in einem Konsolidierungsprozess. Wir stellen alle Marken auf den Prüfstand, und am Ende des Tages wird die Styria in der jetzigen Phase vom Umsatz sogar etwas zurückgehen, um dann in weiterer Folge wieder zu steigen. Wir haben noch keine finalen, geprüften Daten, aber 2013 waren wir auf unter 400 Millionen Euro Umsatz. Wir werden aber durch den operativen Umsatz 2015 etwas zulegen. Für die Produkte, die nicht erfolgreich waren, wird ein Relaunch vorgesehen.

medianet:
Ihr Vorgänger meinte einmal: ‚Die Zukunft der Medien ist digital.' Wie sehen Sie das?
Mair: Wären wir ein weltweiter Konzern, wäre unsere digitale Strategie aggressiver, als sie für uns jetzt als regionales Unternehmen ist. Wir sehen auch in den kommenden Jahren ein gewisses Wertschöpfungspotenzial im Printgeschäft – und dieses werden wir auch ausreizen.

medianet: Das Potenzial in Ertrag oder in Umsatz?
Mair: Die Kunst wird es sein, das Ergebnis in etwa zu halten, bei sinkenden Umsätzen. Wir haben auch Printprodukte, wo wir das Ergebnis steigern müssen.

medianet:
Das WirtschaftsBlatt hat dann doppelt Pech. Großes Leiden der Finanzwirtschaft und eine Zeitung, die größtenteils aus ‚Finanzen' besteht …
Mair: Wir haben die Strategie beim WirtschaftsBlatt umgestellt und haben sie stärker im Bereich KMU segmentiert.

medianet:
Wie sieht die digitale Medienzukunft für die Styria aus – auch von den Erlösströmen in Prozent von Print- und Digital-geschäft?
Mair: Von den Umsatzerlösen sind wir in etwa bei 25 Prozent und das verteilt über alle Länder. Man muss aber dabei auch beachten, dass wir in Slowenien kein Zeitungsgeschäft mehr haben und dort dennoch digital drinnen bleiben. Auf unserem Markt gibt es eine Printnachfrage – und diese muss qualitätsvoll bedient werden. Solange das so ist, werden wir Printgeschäfte machen.

medianet:
Wie viele Mitarbeiter hat die Styria aktuell und wie wird sich das verändern?
Mair: Wir haben in etwa 2.950 Mitarbeiter, und es gibt Bereiche, wo wir uns Nachbesetzungen genau überlegen. Es gibt aber auch Bereiche, wo wir neue Leute mit anderen, neuen Kompetenzen brauchen, vor allem im technologischen Entwicklungsbereich.

medianet: Die österreichischen Medienmacher hatten heuer einen sehr guten März. Wie war Q1 2015 bei Ihnen?
Mair: Auch für unser Haus kann ich bestätigen, dass Q1 2015 besser als Q1 2014 war und das durch viel Arbeit und Innovation. Dennoch bin ich nicht euphorisch oder überoptimistisch.

medianet: Was wächst derzeit am schnellsten?
Mair: Das stärkste Umsatzwachstum haben wir im Geschäftsbereich Marketplaces.

medianet:
Sie haben erwähnt, dass Ihre Aktivitäten, die Sie gemeinsam mit der Moser Holding betreiben, auch Freude bereiten …
Mair: Mit der Moser Holding waren wir sehr erfolgreich. In Wien könnte es etwas besser laufen. Ansonsten gilt: Marktpositionen gut halten und, wo es noch geht, möglicherweise ausbauen.

medianet:
Wächst die RMA (Regionalmedien Austria)-Gruppe nach wie vor?
Mair: Die RMA wächst, und wir versuchen sie auf das ursprüngliche Niveau hinzubringen. Im Vorjahr gab es einen leichten Rückgang, aber heuer sind wir wieder im Plan.

medianet:
Die Kleine Zeitung ist Ihre ‚Perle', auch vom Erlös her die Hauptquelle. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Mair: Sie ist das größte Unternehmen in unserer Gruppe und ein sehr wichtiges Produkt. Was hier an täglicher Kraftanstrengung da ist, ist schon enorm. Die Mischung aus Kreativität und aus täglicher Anstrengung wird am Ende des Tages belohnt. Wir haben in diesem Unternehmen sehr viel Motivation. Sie ist die Energiequelle der Styria Gruppe.

medianet:
Wie geht es dem Auslandsgeschäft der Styria?
Mair: In Slowenien haben wir nur mehr Digitalfirmen, und in Kroatien haben wir drei Tageszeitungen. Kroatien ist sehr anspruchsvoll, und wir sind dort auch digital größer als in Öster-reich. Wir haben eine gute Marktposition und eine wirtschaftlich gesunde Position – unter schwierigen Anlaufbedingungen.

medianet: Wie ist Ihr Zugang zum Thema TV?
Mair: Man muss es realistisch sehen. Wir haben eine kleinere Beteiligung im TV-Bereich und wir sind davon überzeugt, dass das Bewegtbild im Digitalgeschäft eine große Rolle spielen wird. Wir müssen uns also für die kommenden Jahre eine Strategie erschaffen, die uns in diesem Bereich eine bestimmte Marktposition sichert.

medianet:
Wie stehen Sie zum Transparenzgesetz? Presseförderung, Google, Copyright-Fragen – was ist hier zu erwarten?
Mair: Die Diskussion bewegt sich in einer Endlosschleife. Es wird Gründe gegeben haben, warum dieses Gesetz zustande gekommen ist. Ob das im Nachhinein gescheit war – darüber lässt sich diskutieren. Und zur Presseförderung: Es muss wichtig sein, dass man eine gewisse Vielfalt und auch Qualität im Mediengeschäft hat.

medianet:
Wird es auch neue Projekte der Styria Group geben?
Mair: Es wird neue Projekte aus den Medienmarken heraus geben, aber wir planen keine Akquisition.

medianet:
Abschließend: Wie fällt Ihr erstes Resümee über den neuen, gemeinsamen Standort der Styria aus?
Mair: Im Gebäude selbst haben wir 1.200 Arbeitsplätze, davon sind 850 von der Styria. Es ist transparent, hell und wir haben sehr kurze Kommunikationswege. Wir haben sehr viele positive Effekte durch dieses Gebäude. Wir sind sichtbar für das Umfeld geworden, und die alten Flächen wurden verkauft.
(fej/sb)

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