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Staatlich geförderte Enteignung der Sparer
28.04.2015

Staatlich geförderte Enteignung der Sparer

Gastkommentar Hermann Stöckl, VPI Vermögensberatung

Geldvernichtung Das Sparbuch ist auf den ersten Blick der große Gewinner der aktuellen Steuerreform, denn das Sparbuch genießt in Zukunft einen steuerlichen Vorteil. Während die KESt für Veranlagungen generell von 25 auf 27,5 Prozent angehoben wird, bleiben Zinserträge am Sparbuch weiterhin bei einem Steuersatz von 25 Prozent stehen. Doch wer sein Kapital langfristig auf einem Sparbuch „parken” möchte, wird daran keine rechte Freude haben. Denn auf den zweiten Blick entpuppt sich dieser vermeintliche Vorteil als staatlich geförderte Geldvernichtungs-Aktion, da die steuerliche Begünstigung nichts an der Tatsache ändert, dass das Sparbuch langfristig ein Verlustgeschäft ist.

Auf täglich fällige Sparguthaben gibt es derzeit bei österreichischen Banken rund 0,05 bis 0,2 Prozent Zinsen – Tendenz weiter fallend. Bei Inflationsraten jenseits der Ein-Prozent-Marke führt dies langfristig unweigerlich zu hohen realen Wertverlusten bei Spargeldern. Dies kommt einer schleichenden Enteignung der Sparbuchsparer gleich.

Das Sparbuch ist out

Für den langfristigen Vermögensaufbau ist das Sparbuch damit absolut ungeeignet, aber auch als Anlageins-trument für die kurzfristige Liquidität hat es ausgedient. Dafür gewinnt das klassische Girokonto in diesem Zusammenhang wieder an Attraktivität. Wer sein Geld am Girokonto anspart, hat nicht nur bei den Habenzinsen mehr Verhandlungsspielraum, sondern auch bei den Sollzinsen.Aber nicht nur beim Sparbuch setzt die Politik mit der Steuerreform falsche Signale. Anstatt Kapitalerträge, die für viele Menschen einen wichtigen Kapitalpolster für die Pension darstellen, noch stärker zu besteuern, sollte besser darüber nachgedacht werden, wie das angeschlagene staatliche Pensionssystem durch gezielte Maßnahmen – wie der Förderung privater Altersvorsorgelösungen – entlastet werden kann.Es ist ein Gebot der Stunde, den Menschen ein möglichst breites Angebot an steuerbegünstigten Anlagemodellen zugänglich zu machen, damit diese auch tatsächlich die Möglichkeit bekommen, den langfris-tigen Kapitalaufbau entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse zu gestalten. Staatlich verordneter Produktmonopolismus hat in der Pensionsvorsorge noch nie funktioniert. Vielmehr gilt auch hier: Je größer die Auswahl der angebotenen Lösungen, desto besser ist auch deren Qualität.Es gibt aber auch positive Ansätze in der aktuellen Steuerreform, die der breiten Masse mehr Liquidität verschaffen; vor allem das neben dem Entlastungspaket geplante Wirtschaftspaket ist zu begrüßen. Darin unter anderem enthalten: Eine Verdoppelung der steuerbegünstigen Mitarbeiterbeteiligung von derzeit 1.460 Euro auf 3.000 Euro pro Jahr.

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