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Versicherer sehen keine nächste Krise dräuen © Uniqa/Roman Zach-Kiesling
© Uniqa/Roman Zach-Kiesling

reinhard krémer 08.05.2015

Versicherer sehen keine nächste Krise dräuen

Nachgefragt Die ultraniedrigen Zinsen in der Euro-Zone werden zur Belastung für die Branche

Zinstal Der IWF warnt, die Schieflage insbesondere bei den Lebensversicherungen könne eine neue Finanzkrise auslösen. medianet fragte bei Uniqa, Allianz, Donau und s Versicherung nach. Fazit: Die Lage in Österreich ist relativ entspannt.

Wien/Berlin. Die ultraniedrigen Zinsen in der Euro-Zone würden zur Belastung für die europäischen und ganz besonders für die deutschen Lebensversicherer durch die langfristigen Garantieversprechen der Versicherer, schreckte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Branche auf. medianet fühlte daher heimischen Versicherern auf den Zahn.

Uniqa: „Proaktiv tätig”

„Natürlich ist das Niedrigzins-umfeld eine der zentralen Herausforderungen der Versicherungsbranche”, meint Andreas Brandstetter, CEO der Uniqa Insurance Group.
Bereits mit dem Beginn der Neuausrichtung des Konzerns im Jahr 2011 habe man proaktiv erste Maßnahmen gesetzt, so Brandstetter: „Wir haben ein strenges Asset Liability Management eingeführt. Damit konnten wir die Sensitivität gegenüber sich verändernden Zinsen maßgeblich reduzieren. Wir betreiben auch aktiv Bestandsmanagement und prüfen kontinuierlich die Profitabilität des Portfolios. So können wir mögliche Problemfelder rasch identifizieren und entsprechende Maßnahmen setzen. Den im IWF-Bericht angeführten Stresstest haben wir übrigens bestanden.”
„Einen wichtigen Unterschied zu Deutschland muss man aber schon betonen: Schon bisher waren österreichische Versicherungen deutlich vorsichtiger und haben beim Garantiezins nie deutsche Höhen erreicht. Daher ist auch bei sogenannten Altbeständen der Lebensversicherung die Lage in Österreich deutlich entspannter”, so Brandstetter.

Allianz: „Halten wir aus”

„Wir halten dieses derzeitige Niedrigzinsumfeld locker dreißig Jahre aus”, meint Wolfram Littich, CEO der Allianz Gruppe in Österreich. „Bei reinen Ablebensversicherungen und bei Rentenversicherungen spielen die Zinsen ohnehin eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind die niedrigen kurz- und langfristigen Zinsen aber für Lebensversicherungen, die zum Sparen verwendet werden.” Als Rezept gegen mögliche Flauten setzt Littich auf ein neues Angebot in der Lebensversicherung: „Die gesamte Gewinnbeteiligung beträgt bei diesem Produkt aktuell 3,6 Prozent – die höchste in der Branche”, erläutert der Allianz-Boss.
Die Strategie ist erfolgreich, denn trotz des schlechten Zinsumfelds konnte die Allianz sogar zulegen: „Wir konnten im vergangenen Jahr Zuwächse in der Lebensversicherung verzeichnen und um 1,4 Prozentpunkte über dem Markt wachsen: Die Gesamtprämien in der Lebensversicherung sind um 5,3 Prozent auf 405,2 Millionen Euro im Jahr 2014 gestiegen”, freut sich Littich. „Den Kunden ist – Zinsniveau hin oder her – immer mehr bewusst, dass private Vorsorge notwendig ist: Sei es zur Existenzabsicherung oder zur Abdeckung der Fixkosten in der Pension. Daher fragen sie Produkte aus der Lebensversicherung verstärkt nach.”
Auch die demografischen Entwicklungen verdeutlichten den Bedarf, so Littich: „Im Jahr 2030 ist jeder dritte Österreicher älter als 60 Jahre. In den kommenden 20 Jahren werden mehr als 750.000 Menschen in Pension gehen – genauso viele wie in den vergangenen 60 Jahren.”

Donau: Österreich ist anders

Ähnliche Erfahrungen macht auch Elisabeth Stadler, Generaldirektorin Donau Versicherung AG Vienna Insurance Group, am Sektor „Leben”: „Es stimmt, dass die anhaltende Niedrigzinsphase unsere Veranlagungsbemühungen erschwert. Sie zwingt uns gleichzeitig, die Kostenstrukturen zu überprüfen, andererseits werden neue Produktvarianten der Lebensversicherung überlegt. Wir verzeichnen aber gerade bei der Lebensversicherung gegen laufende Prämienzahlung auch heuer wieder ein Wachstum in den ersten Monaten.”
Auch Stadler meint, dass in Deutschland der Garantiezins auch heftiger diskutiert wird als in Österreich: „Aber die Situation österreichischer Lebensversicherungen ist mit jener in Deutschland nicht vergleichbar. Der durchschnittlich zu erwirtschaftende Ertrag, um die abgegebenen Garantieversprechen einzuhalten, liegt in Österreich ca. einen Prozentpunkt niedriger als in Deutschland.”
Die Donau-Chefin argumentiert in eine ähnliche Richtung wie der Allianz-Boss: „Es ist auch jetzt wichtiger, nicht von Renditen zu sprechen, sondern die Abdeckung der biometrischen Risiken stärker hervorzuheben. Das ist die Quintessenz der Lebensversicherung, nicht die Erzielung einer möglichst hohen Rendite, die leider in den Phasen der Hochkonjunktur im Vordergrund stand. Klar sind die Renditen aufgrund der derzeitigen Kapitalmarktsituation sehr niedrig. Aber keiner denkt daran, dass wir früher zwar Renditen von sechs oder sieben Prozent hatten, dafür aber Teuerungsraten von fünf und sechs Prozent. Im End-effekt blieb auch nicht mehr Ertrag über als derzeit. Jetzt haben wir eine Inflationsrate unter zwei Prozent und stehen bei einer Gesamtverzinsung von etwas über drei Prozent für die klassische Lebensversicherung.”

s Versicherung: kein Problem

Stadler ist sich aber sicher: „Wir liegen auf alle Fälle deutlich über dem aktuellen Sparzinsniveau.”
Heinz Schuster, Vorstandsvorsitzender des Marktführers s Versicherung, nimmt die Sache überhaupt mit gebotener Coolness: „Wir spüren keinerlei Auswirkungen bei unserem Neugeschäft im Zusammenhang mit der aktuellen Niedrigzinsphase – weder im Jahr 2014 noch heuer.”

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