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Vorstellung schlägt ­Willenskraft © Marcus Täuber/Foto Weinwurm

Kopfsache „Druck erzeugt immer Gegendruck”, sagt Neurobiologe Marcus Täuber.

© Marcus Täuber/Foto Weinwurm

Kopfsache „Druck erzeugt immer Gegendruck”, sagt Neurobiologe Marcus Täuber.

29.01.2016

Vorstellung schlägt ­Willenskraft

Hirnforscher zeigt, wie Unternehmen ihre Ziele besser erreichen.

Gastkommentar ••• Von Marcus Täuber


GUT GEMEINT. Wie immer zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres sind Führungskräfte von Unternehmen auch jetzt wieder angehalten, neue Ziele zur Performancesteigerung zu definieren. Dabei gehen Manager oft nach einem altbekannten Credo vor: Ziele müssen spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert (kurz: ‚SMART') – sein. Dieser vermeintlichen Erfolgsformel gemäß wird die neue Marschroute dann auch an die Mitarbeiter ausgegeben.

Oft ist es allerdings genau dieses Zielsetzungskonzept, das den Unternehmenserfolg sabotiert. Auch das gern geforderte ‚gib Dein Bestes' ist nicht geeignet, Mitarbeiter im Sinne der Unternehmensziele zu motivieren. Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese SMART-Ziele nur dann sinnvoll, wenn es um ein­fache Tätigkeiten mit klarer Strategie geht – die Festlegung der Anzahl von Kundenbesuchen pro Tag zum Beispiel.

Kreativität statt Druck und Stress

Die Grenzen der SMART-Ziele liegen aber da, wo es um komplexe und dynamische Prozesse geht – wie etwa beim Ablauf von Kundengesprächen. SMART-Ziele im Kontext solcher Vorgänge sind nicht nur wirkungslos, sie schaden auch. Der Ausweg? Ziele, die auf inneren Bildern beruhen, geben dem Gehirn die konkrete Richtung vor und lassen gleichzeitig ausreichend Freiräume für flexibles Verhalten bzw. Handeln offen. Sie beflügeln die Kreativität statt Druck, Anspannung und Stress zu erzeugen, wie dies bei Ergebniszielen der Fall ist. Zu viel Anspannung schadet der Performance und überträgt sich über Spiegelneurone auch schnell auf Kollegen und Kunden. Druck erzeugt immer Gegendruck. Kein Athlet kann im Slalom Bestleistung bringen, wenn er ständig die Zeit oder die Platzierung im Kopf hat.

Im Zuge meiner Forschungsarbeit habe ich eine Formel entwickelt, in der stets die richtige Mischung aus Entspanntheit und Motivation zur jeweiligen Lösung führt. Dazu dürfen wir im Denken, Fühlen und Handeln weder zu wenig engagiert sein (‚Untertonus') noch zu viel wollen (‚Übertonus'). Besser, als sich mit Willenskraft auf die Lösung zu versteifen, ist es, sich die Lösung vorzustellen. Die Vorstellungskraft ist entscheidend, nicht die Willenskraft.

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