PRIMENEWS
Wie Unternehmen funktionieren
21.04.2015

Wie Unternehmen funktionieren

Gastkommentar Organisationstheorien am Prüfstand

Alles anders Neben traditionell geführten Betrieben sind in den vergangenen rund zwanzig Jahren neue Organisationsformen entstanden, die vor allem durch die Entwicklungen in der Informationstechnologie vorangetrieben wurden. Beispiele sind Open-Source-Projekte wie Wikipedia oder innovative Start-ups. Gleichzeitig wurde eine Vielzahl an neuen Erklärungsansätzen in der Managementliteratur vorgeschlagen, um diese neue Welt der Arbeit zu beschreiben und besser zu verstehen.

Ist damit nun alles Gestrige überholt? Ist es beispielsweise tatsächlich richtig, dass neue Organisationsformen zunehmend ohne Autorität und Hierarchien auskommen? Oder dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich ihre Aufgaben entsprechend ihrer Fähigkeiten suchen? Halten also die jüngsten Theorieansätze, was sie versprechen, oder sind es vielleicht doch nur Mythen der schönen neuen Arbeitswelt? Diese Fragen untersuchen wir aktuell in einem groß angelegten Forschungsprojekt des FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung).Ich persönlich denke nicht, dass die Phänomene der jüngeren Vergangenheit unser ganzes bisheriges Wissen obsolet machen. Wir gehen daher der Frage nach, wo Altbewährtes nach wie vor seine Geltung hat und wo genau bestehende Theorien zur Erklärung davon, wie Organisationen funktionieren, angepasst werden müssen.

Wie wirkt Selbstselektion?

In einem wichtigen Teil des Projekts greifen ich und mein Team auf das Sourceforge Research Data Archive (SRDA) zurück. Dort werden Daten der Website sourceforge.net eingespielt. Diese unterstützt Firmen bei der Umsetzung von Projekten mit freier Software. Inzwischen sind über 400.000 Projekte und 3,7 Millionen Nutzer registriert und dank der Abzüge im Datenarchiv können wir abbilden, was genau in diesen Projekten passiert ist; wer wann welche Aufgabe übernommen hat und welches Ergebnis erzielt wurde. Auf Basis mehrerer Tausend Beobachtungen evaluieren wir zum einen die Frage, ob Open-Source-Software-Projekte tatsächlich ohne klassische Autorität koordiniert werden. Zum anderen untersuchen wir, wie die Mechanismen der Selbstselektion wirken.Autorität und Hierarchie sind bis dato extrem relevante Strukturgrößen in Organisationen; sogar in bunten und unkonventionellen Teams muss am Ende einer eine Entscheidung treffen. Was die Legitimation dieser Autorität betreffe, zeigt die Forschung, dass in vielen modernen Organisationsformen Kompetenz und Unternehmergeist diejenigen Eigenschaften sind, welche dazu führen, einer Person bereitwillig zu folgen. Allerdings wissen wir auch, dass starre Hierarchien das mittlere Management geradezu lähmen können.IT ist allerdings nur ein Trend, der die Welt von gestern von der von heute unterscheidet. Auch andere Phänomene lassen neue Organisationsformen entstehen, wie etwa das explodierende Bevölkerungswachstum, grenzübergreifender Waren- und Serviceaustausch oder Ressourcenverknappung. Wo immer diese Trends dazu führen, dass man Aufgaben anders definiert, andere Personen als die üblichen betraut oder anders entlohnt, überall da entstehen neue Organisationsformen.

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