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„Wie vor 2.500 Jahren”
24.04.2015

„Wie vor 2.500 Jahren”

Bargeld vs. Kartenzahlung Österreicher sind im EU-Vergleich Kartenmuffel: 35 Prozent zahlen nie mit Karte

Volkswirtschaftliche Kosten: 2,6 Cent/Euro Umsatz bei Bargeld; 0,8 Cent/Euro beim Plastikgeld.

Wien. Nur Bares ist Wahres? Tatsache ist, die Österreicher lieben Bargeld und wickeln 89% ihrer Zahlungen damit ab. Immerhin heben 25% der Erwachsenen ihr Geld auch heute noch ausschließlich am Bankschalter des Vertrauens ab, 35% der Erwachsenen zahlen nie mit Bankomatkarte. Tatsache ist auch: Diese Liebe zum Baren kostet die Volkswirtschaft jährlich 1,2 Mrd. € (rund 0,36% des BIP), während sich die Kosten für das Bankomatkartensystem mit 150 Mio. € (0,046% des BIP) beliefen. Pro Euro Umsatz bedeutet das eine Differenz von 1,8 Cent. Eine verstärkte Nutzung von Karten brächte eine jährliche Einsparung von 150 bis 300 Mio. €, ergab eine von der Bankomatkartenbetreiberin Payment Services Austria finanzierte Studie von Hanns Abele und Guido Schäfer von der Wirtschaftsuniversität Wien („Die Kosten des Bargelds in Österreich”).

Plastik ist effizienter …

Warum sind Barzahlungen bei mittleren und höheren Beträgen volkswirtschaftlich betrachtet teurer als Zahlungen mit der Bankomatkarte? Abele: „Die Kosten des Bargelds steigen relativ stark mit der Höhe des Zahlungsbeitrags an, da mehr Geld produziert, gezählt, verwahrt, sicher transportiert und serviciert werden muss. Die Kosten von Bankomatkartenzahlungen steigen jedoch nur geringfügig mit der Beitragshöhe.” Die Berechnungen des Gutachtens zeigen, dass für Österreich im Jahr 2013 die Betragsgrenze für kosteneffiziente Barzahlungen bei einem Wert von rund zehn Euro lag. Durch den Einsatz von Kontaktlostechnologie (NFC) werde dieser Wert noch weiter sinken, da schon heute rund sechs Mio. Bankomatkarten mit der Kontaktlosfunktion ausgestattet sind. „In den kommenden Jahren werden – ähnlich wie in anderen Ländern – Bankomatkartenzahlungen auch bei kleineren Beträgen das kosteneffizientere Zahlungsins-trument in Österreich sein”, stellt Abele fest und betont weiter: „Wir haben berechnet, dass durch die Ausweitung von Bankomatkartenzahlungen mittelfristig volkswirtschaftlich gesehen ein Betrag zwischen 150 und 300 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden kann.” Der zeitliche Aufwand für die Bezahlung mit Bargeld kostete Konsumenten insgesamt etwa 102,5 Mio. Stunden im Jahr 2013, der für die Bezahlung mit Bankomatkarte belief sich auf etwa 8,2 Mio. Stunden. Mittels Barzahlung könnten Konsumenten im Schnitt etwa neun Stunden Zeitaufwand pro Jahr sparen. „Der mit Bargeldabhebung verbundene zeitliche Zusatzaufwand war im Schnitt wesentlich größer als allfällig kleinere Zeitersparnisse durch Barzahlung”, analysiert Schäfer.

… und digital ist besser

„Im digitalen Zeitalter bezahlen wir mit Bargeld wie vor 2.500 Jahren”, so Schäfer. „Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche – E-Mail versus Briefpost, Online-Zeitung versus Papierzeitung; wer also keine Kompetenz für digitales Bezahlen besitzt, hat Nachteile. Man kann nur eingeschränkt im Internet einkaufen, hat Schwierigkeiten zu tanken, muss immer weiter fahren, um an verbliebenen Bankschaltern Geld abzuheben, etc. Die gesellschaftliche Bewältigung des digitalen Wandels erfordert einen kompetenten Umgang mit digitalen Bezahlverfahren.”Die Studienautoren empfehlen als Maßnahmen für mehr Kosteneffizienz beim Bezahlen u.a. Informationsinitiativen zur Bewusstseinsbildung, eine Verbesserung von Kassensystemen, die Entwicklung von Apps zur besseren finanziellen Übersicht und mehr Kostentrans­parenz in der Preisgestaltung. (sb)

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