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Das 20 Mio.-Projekt aus Holz in 2.200 m Seehöhe © Rubner Holzbau/Alexander Maria Lohmann (4)

Bestens geplant Die geschwungen-organische Linienführung fügt sich fließend in die Umgebung ein.

© Rubner Holzbau/Alexander Maria Lohmann (4)

Bestens geplant Die geschwungen-organische Linienführung fügt sich fließend in die Umgebung ein.

PAUL CHRISTIAN JEZEK 22.04.2016

Das 20 Mio.-Projekt aus Holz in 2.200 m Seehöhe

Der „Top Mountain Crosspoint” im Tiroler Hochgurgl zeigt, wie sich ein architektonischer Eingriff in den Alpenraum und die Bedürfnisse des alpinen Tourismus harmonisch miteinander verbinden lassen.

Bauen im hochalpinen Bereich gilt als Planungsleistung unter Extrembedingungen – der „Top Mountain Crosspoint” im Tiroler Hochgurgl, direkt an der Grenze zu Italien, ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich das Spannungsfeld zwischen dem Eingriff in den Alpenraum und den Bedürfnissen des alpinen Tourismus lösen lässt.

Auf 2.200 Metern ü.M. entstand ein multifunktionales Gebäude, das Architekten, Planer und Bauunternehmer vor große Herausforderungen stellte und für Schlagzeilen sorgte.

Vier Attraktionen auf einmal

Eine Reise ins Ötztal lohnt sich also nicht nur für Wintersportler, denn auch Architektur-Begeisterte dürften über das hochmoderne Gebäude staunen.

Es sorgt bereits von Weitem mit seiner außergewöhnlichen Formgebung für Aufmerksamkeit und bietet gleich vier Touristen-Attraktionen: Auf einer Fläche von 6.060 m² befindet sich das höchste Motorradmuseum ­Europas ebenso wie die Talstation der neuen Kirchenkar-Gondelbahn, die neue Timmelsjoch Mautstation und ein exklusives Restaurant mit Panoramaterrasse inklusive 280 Innen- und 380 Außensitzplätzen.
Gemeinsam mit dem renommierten Holzbau-Profi Rubner und dem Architekten Michael Brötz haben die Bauherren Alban und Attila Scheiber – Geschäftsführer der Liftgesellschaft Hochgurgl – ein vielseitig nutzbares Gebäude von beachtenswerter Architektur entwickelt.
Der Top Mountain Crosspoint besticht mit einer geschwungen-organischen Linienführung und fügt sich fließend in die Umgebung ein. „Inspiriert von geschwungenen Skispuren und Schneewechten, wollten wir die traditionelle Formgebung alpiner Häuser mit zeitlos moderner Architektur verschmelzen,” erklärt Brötz.
So weist der Gebäudeteil „Restaurant” in seiner Frontalansicht ein Satteldach auf, das dann über die Seilbahnhalle mit einem Schwung in Richtung des westlich orientierten Gebäudeteils (Mautstation im EG, Motorradmuseum im OG) ausläuft.

Alles unter einem Dach

Im Inneren schaffen Holz- und Stahloberflächen in Kombination mit Stein eine gemütlich warme Atmosphäre. Leichte Industrial-Design-Einflüsse bilden die Verbindung zum Technikthema des Museums und der Seilbahnanlage. Die Gebäudefassade wurde fast durchgängig in Holz ausgeführt. Das sprichwörtliche „Alles unter einem Dach” findet somit in der Erlebnisvielfalt des modernen Gebäudes einen ganz neuen Ansatz.

Rubner Holzbau realisiert generell auch ungewöhnliche Bauvorhaben, von der Planung bis hin zur Schlüsselübergabe. So stammt z.B. der berühmte Pyramidenkogel oberhalb des Wörthersees in Kärnten auch aus dem versierten österreichischen Holzbaubetrieb und gilt heute als höchster, überwiegend aus Holz konstruierter und öffentlich zugänglicher Aussichtsturm der Welt.
„Aufgrund dieser und zahlreicher weiterer Referenzen wurden wir sowohl vom Architekten als auch vom Bauherrn gebeten, bereits in der Planungsphase mitzuwirken”, erklärt Michael Vodicka-Unterweger, Leiter der Rubner-­Filiale Villach.
Denn für den Bau des Top Mountain Crosspoint waren Könner gefragt und viele Herausforderungen zu schultern. „Unser erfahrenes Planungsteam und die routinierten Holzbaumonteure haben ganze Arbeit geleistet”, erklärt Vodicka-Unterweger.
„Immerhin mussten, bedingt durch die Geometrie des Dachs, über 1.000 verschiedene Brettschichtholz-Bauteile in Längen bis 26 m konstruiert, produziert und just in time nach Hochgurgl angeliefert werden.
Etwa 30 Sattelzüge lieferten die 1.200 m3 Holzkonstruktions­teile pünktlich an, damit der Montageablauf plangemäß und termingerecht erfolgen konnte.” Kein leichtes Unterfangen, denn die Zufahrt zur hochalpinen Baustelle ist sehr steil und nur über enge Serpentinen mit Spezialtransporten zu erreichen.

Eine logistische Meisterleistung

„Wir haben ein überdimensionales Puzzle entwickelt, das dank moderner CNC Abbundtechnik wirtschaftlich und passgenau produziert werden konnte und so die Baustelle in vier Abschnitte eingeteilt, die fristgerecht montiert wurden”, beschreibt Vodicka-Unter­weger die organisatorische und planerische Lösung für die Umsetzung des Mammutprojekts. „Im Schnitt arbeiteten zehn Rubner-Monteure vor Ort; zu Spitzenzeiten waren teilweise 20 Leute im Einsatz.”

Anstelle von Holz-Stahl-Verbindungen wurde die Verbindung der Nebenträger zum Hauptträger (28 x 166 cm) als Holz-Holz-Verbindung realisiert. Das sparte Kosten und brachte erhebliche Vorteile für die Werksplanung und den Abbundaufwand. „Dank des sehr hohen Vorfertigungsgrads unserer Holzbau-Elemente war es möglich, die vorgegebene, extrem kurze Gesamtbauzeit von nur sieben Monaten realistisch festzuschreiben”, berichtet der Villacher Geschäftsführer.

Das Top-Projekt im Ötztal

Insgesamt beliefen sich die Baukosten auf ca. 20 Mio. €. Damit ist der Top Mountain Crosspoint das mit Abstand ambitionierteste Infra­struktur-Projekt der letzten Jahre im Ötztal.

Mit Beginn der Wintersaison 2015/16 öffneten die Kirchenkarbahn und das Restaurant ihre Pforten für Skisportler. Das „Top Mountain Motorcycle Museum” können Freunde der Zweirad-Nostalgie seit der Vorwoche (Mitte April) besuchen. Die neue Mautstation der Timmelsjoch Hochalpenstraße ist seit Juli 2015 in Betrieb, aber erst nach der Wintersperre ab Anfang Juni befahrbar. Obergurgl-Hochgurgl punktet bei den Wintersportlern mit Schneesicherheit, 24 Liftanlagen und 110 Pistenkilometern – Kenner bezeichnen das Gebiet deshalb auch als „Diamant der Alpen”, das sowohl Anfänger als auch Profis zum Schnee-Sport nach Österreich einlädt. „Als Top-Skigebiet wollen wir uns stetig weiterentwickeln”, erklärt Alban Scheiber, Geschäftsführer der Liftgesellschaft Hochgurgl. „Mit diesem Projekt hatte sich die Chance aufgetan, Hochgurgl noch besser in Szene zu setzen.”
Die vier Attraktionen in dem architektonisch einmaligen Gebäude sorgen jetzt für einen weiteren, attraktiven Anziehungspunkt in der Region.

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