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Der Herausforderer: „Das Produkt muss exzellent sein!” © www.werfotografiert.at
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Gerald Stefan 22.04.2016

Der Herausforderer: „Das Produkt muss exzellent sein!”

„… denn der nächste Anbieter ist nur einen Klick weit entfernt”, sagt Christian Pedak, CEO des Onlineversicherers L’Amie.

WIEN/LINZ. Im Herbst 2015 ist L’Amie gestartet, inzwischen kommen täglich Abschlüsse herein, heißt es beim ersten reinen Online-Anbieter von Versicherungen in Österreich. L’Amie-CEO Christian Pedak: „Wir sehen jeden Tag, dass sich das Online-Versichern immer mehr durchsetzt.”

Der Vertrieb von Versicherungspolizzen sei längst am österreichischen Markt angekommen. Auch wenn die etablierten großen Anbieter inzwischen auf den Zug aufspringen, sieht ­Pedak sich mit seinem Portal www.lamie-direkt.at im Vorteil: „Für den Online-Vertrieb ist ein ganz neuer Typ von Polizzen nötig.”

Kein großer Apparat

Bei klassischen Versicherern muss ein großer Apparat inklusive Außendienst mitfinanziert werden, ein reiner Online-Anbieter hat dieses Problem nicht, sagt Pedak: „Wir brauchen keine großen Provisionen für den Außendienst zu finanzieren, wir müssen keine Fußballklubs sponsern.”

Das bedeute freilich nicht, dass keine Anstrengung ­nötig ist, um in der Welt des Online-Vertriebs zu reüssieren: „Das Produkt muss exzellent sein, denn im Internet ist der nächste Anbieter nur einen Klick weit entfernt”, sagt Pedak. Zwar sei die Branche in Österreich inzwischen aufgewacht – „Wir haben die digitale Revolution ausgelöst und wollen sie weiter vorantreiben” –, doch begnügen sich die meisten klassischen Versicherer aus Sicht des Herausforderers bisher damit, ihre herkömmlichen Produkte online zu stellen.
„Das kann nicht funktionieren – es braucht dafür geeignete Produkte.”
Im internationalen Vergleich zeigen die Zahlen, dass der österreichische Online-Versicherungsmarkt noch ausbaufähig ist: Während nach Branchenschätzungen je nach Produkt in manchen Märkten der Welt sogar bis zu 36% der Polizzen bereits online abgeschlossen werden, sind es in Österreich erst sehr niedrige Zahlen.

Von Haushalt bis Atom

Der Online-Vertrieb wird sich in der Branche aber auch hierzulande durchsetzen, ist Pedak überzeugt. Freilich müssen die österreichischen Anbieter dafür noch einige Schritte setzen, denn oft melde sich am Ende einer langen Reise durch aufwendige Webportale dann doch wieder ein Versicherungsvertreter – der direkte Online-Abschluss ist noch nicht weit verbreitet.

Die Varianten in Österreich

L’Amie selbst setzt bei der Angebotspalette konkret auf eine Haushaltsversicherung sowie eine Eigenheim- und Haushaltsversicherung mit speziellen ­Deckungselementen und inklusive Haftpflichtversicherung.

Pedak verweist auf einen Vergleich der Immobilien-Suchmaschine Zoom­square, der den L’Amie-Produkten vor Kurzem den günstigsten Preis und hohes Einsparungspotenzial bescheinigt habe. Weiters werde die Kundenfreundlichkeit besonders betont: Laut einer Marktstudie, die man im Vorjahr von MindTake Research unter 500 Personen durchführen ließ, hatten 83% der Personen, die eine Versicherung abgeschlossen haben bzw. mitversichert sind, schon einmal einen Schadenfall – und von diesen hatten dann 33% bereits mit Problemen mit ihrer Versicherung zu kämpfen. Die Vision laute daher, dass Versichern einfacher und kundenfreundlicher sein müsse.
Eine Besonderheit in der Angebotspalette von L’Amie stellt eine Atomversicherung dar; bei dieser Polizze, deren Versicherungsschutz über ein Malteser Versicherungsunternehmen läuft, wird Schutz bei schweren Unfällen bei den neun Atomkraftwerken versprochen, die sich rund um Österreich befinden.
Sollte es wirklich einmal zu einem katastrophalen Störfall kommen, dann sollen die Versicherungsnehmer darauf hoffen dürfen, dass ihre Polizze einspringt. Angesichts der vielen AKW rund um Österreich sei ein solches Produkt für die Haushalte praktisch unverzichtbar, meint Pedak. Der Versicherungsschutz tritt ab einem Unfall der Stufe 7 nach der internationalen INES-Klassifizierung in Kraft – das bedeutet eine massive Freisetzung von radioaktiven Stoffen in einem weiteren Umfeld. Ein Beispiel dafür ist der Atomunfall im japanischen AKW Fukushima im Jahr 2011; auch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 – ein „Super-GAU” – hat die offizielle Einstufung 7 auf der INES-Skala.

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