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Die Bauwirtschaft und die Megacities © Johannes Eisele/AFP/picturedesk.com

ZweifelhaftViele loben digitalisierte Smart-Cities als die Lebensräume, in denen sich Menschen künftig behaglich fühlen sollen.

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ZweifelhaftViele loben digitalisierte Smart-Cities als die Lebensräume, in denen sich Menschen künftig behaglich fühlen sollen.

PAUL CHRISTIAN JEZEK 18.03.2016

Die Bauwirtschaft und die Megacities

Können die Menschen ihre Zukunft und ihr Glück tatsächlich in urbanen Zentren mit hoher Bevölkerungsdichte finden?

••• Von Paul Christian Jezek

GRAZ. „Megacities sind widersprüchliche Räume”, sagte Robert Schild, Habitat Manager der französischen Saint-Gobain Gruppe, im Rahmen der Urban Future Global Conference in der steirischen Hauptstadt. „Durch ihre Dichte, ihren hohen Energiepegel und die Dauerbelastung mit Lärm verursachen sie Stress und Ängste.”

Andererseits setzen Millionen Menschen alle ihre Hoffnungen auf ein Leben in der Stadt, verlassen ihre ländliche Heimat und ziehen in eine ungewisse Zukunft, verdeutlichte Schild die Situation vor allem in weniger entwickelten Ländern. „Der rurale Exodus ist ein Versuch, zu überleben – aber Beton wird uns nicht ernähren.”

Private Bauherren als Visionäre

Der weltweit erkennbare Trend zu Urban Gardening oder Urban Farming kann laut Schild als deutlicher Indikator dafür gewertet werden, dass Menschen den unmittelbaren Bezug zur Natur brauchen. Um Natur zu erhalten, sei der Ausstieg aus der Verwendung fossiler Energien zwingend erforderlich.

„Die Bauwirtschaft ist eine Schlüsselbranche, wenn es um die Zukunft des blauen Planeten geht”, sagte Schild. „Denn dort, wo wir viele Ressourcen verbrauchen, können wir auch viele einsparen.”
Ein massiver Hemmschuh für eine positive Entwicklung sei die Tatsache, dass Investoren und Bau­unternehmen nach wie vor nach den Prinzipien der Finanzwelt agieren wollen oder müssen. „Die Lage der Immobilie und spekulati­ves Kalkül bestimmen den Preis.”

(Private) Bauherren und Politiker

Schild überraschte mit dem Hinweis, dass es zwei Personengruppen gäbe, just keine Baufachleute, die einen enormen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung in ökonomischer, ökologischer und gesellschaftspolitischer Hinsicht leisten: Das sind zum einen die privaten Bauherren, die als Investor und Nutzer in Personalunion auf ökologisch und vor allem energetisch optimierte Gebäude achten. Sie wollen sich Gebäude mit hohem Wohnkomfort noch viele Jahre leisten können und ihren Kindern später ein Gebäude von hoher Qualität hinterlassen. Die zweite Personengruppe sind die EU-Politiker, die im Greenbook 2001 visionär gefordert haben, ab dem Jahr 2020 nur noch Null-Energiehäuser zu errichten.

Diesem Beschluss ist eine weitere, wichtige Entscheidung gefolgt: Als wichtigstes Ergebnis der Klimakonferenz 2015 haben sich in Paris 195 Länder auf den vollständigen Ausstieg aus der fossilen Energie geeinigt. „Wenn wir diesen Beschluss weiterdenken, bedeutet das, dass wir ab sofort keine Gebäude mehr planen oder bauen dürfen, deren Konditionierung auf fossilen Energieträgern beruht”, meint Schild. „Denn Gebäude, die wir heute planen und bauen, werden 2050 mit allergrößter Wahrscheinlichkeit noch genutzt werden.”

Mehr Sinn und mehr Komfort

Vor allem müsse man erkennen, dass Menschen nicht durch Verzicht allein für eine neue Lebensweise im Einklang mit der Natur gewonnen werden können, sondern vielmehr durch Sinnstiftung und erlebbaren Komfortgewinn.

Menschen wollen nicht sparen, sie wollen gut leben, sich entfalten und entwickeln. Deshalb geht es im Kern um Lebensqualität und Komfort in einer zwar gebauten, aber CO2-neutralen Umwelt. „Nur wenn viele Menschen einen Vorteil haben, werden wir unser Ziel erreichen”, sagt Schild. „Wir wollen immer die ganze Welt verändern, aber es ist Zeit, dass wir bei uns selbst beginnen. In den Städten der Zukunft wird sich zeigen, ob die Menschheit imstande ist, ein lebenswertes Umfeld zu gestalten, oder ob sie sich seelenlosen Smart-City-Technologien unterwirft.”

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