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Gute Zahlen, mehr Fokussierung © Panthermedia.net/Sean Pavone

Wer in den „richtigen” Märkten (im Bild Berlin) unterwegs ist, kann u.U. mit einer favorablen Neubewertung rechnen.

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Wer in den „richtigen” Märkten (im Bild Berlin) unterwegs ist, kann u.U. mit einer favorablen Neubewertung rechnen.

28.08.2015

Gute Zahlen, mehr Fokussierung

CA Immo und conwert legen für das erste Halbjahr ­erfreuliche Zahlen vor. Die Strategie bleibt: Konzentration auf die jeweiligen Kernmärkte.

••• Von Kurt Sattlegger

WIEN. Die heimischen börse­notierten Immobilienkonzerne Immofinanz, conwert und CA Immo können vom Immobilienboom in Deutschland und Österreich profitieren. Zudem helfen die niedrigen Zinsen. Allerdings braucht es auch Glück mit den Märkten: An manchen sorgen politische Verwerfungen für Schwierigkeiten. Die Strategie aller drei großen Player: das eigene Profil schärfen, noch stärker auf die Kernbereiche fokussieren und durchaus auch expandieren.

CA-Immo: plus 67,4 Prozent

Die CA Immo konnte das Konzern-ergebnis im ersten Halbjahr 2015 um 67,4 Prozent auf 55 Mio. Euro steigern – ein Anstieg von 56 Cent pro Aktie. Die wichtige Kennzahl FFO I („Funds From Operations”) – sie zeigt den Cashflow des operativen Geschäfts auf – konnte gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres auf 37,7 Mio. Euro gesteigert werden (2014: 35,8 Mio. Euro).

Das EBITDA sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 30 Prozent (auf 50,2 Mio. Euro); Vorstand Bruno Ettenauer erklärt dies mit einer Abnahme der Immobilienverkäufe im Vergleich zum Vorjahr, außerdem reduzierte sich das Ergebnis aus Joint Ventures – von knapp 11 Mio. auf 6 Mio. Euro.
Auch die Nettomieterlöse gingen im 1. Halbjahr zurück: von 65 Mio. auf 60,5 Mio. Euro, eine Folge von Immobilienverkäufen im Vorjahr.

In den richtigen Märkten

Wesentlich für das gute Konzernergebnis war, in den richtigen Märkten aktiv zu sein. Die CA Immo hat 37 Prozent des Portfoliowerts aus Bestandsimmobilien in Deutschland, 21 Prozent entfallen auf Österreich, 12 Prozent auf Polen und 10 auf Ungarn. Und das brachte ein Neubewertungsergebnis der Immobilien von 46,5 Mio. Euro; insbesondere Deutschland trug dazu viel bei. Zum guten Gesamtergebnis beigesteuert hat auch das verbesserte Finanzergebnis: Es verringerte sich von -40 Mio. Euro 2014 auf -28 Mio. Euro 2015. Der Finanzierungsaufwand sank deutlich: Die durchschnittlichen Finanzierungskosten des Konzerns konnten auf weniger als 3,5 Prozent gesenkt werden.

Weitere Investitionen – in den Kernmärkten – stehen an: Die Verhandlungen mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) über den Erwerb ihrer Minderheitsanteile am ­„E-Portfolio” waren erfolgreich. Dadurch erhöht die CA Immo ihren Anteil an Bürogebäuden in Prag, Bukarest, Budapest und Zagreb von 65 auf 100 Prozent.

Mehr Dividende

Und so soll es nach dem Willen des Vorstands weitergehen: Investitionen in hochwertige Büro­immobilien in den Kernstädten und dadurch die Profitabilität des Konzerns steigern. Erwartet wird, dass sich die Kernmärkte stabil bis günstig entwickeln.
Man strebt daher eine Erhöhung der Dividende auf 0,50 Euro pro Aktie an (2014 waren es 0,45 Euro). Auch die Ergebnisse aus den Immobilienverkäufen sollten aufgrund des günstigen Marktumfelds zulegen. Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft soll im Gesamtjahr 2015 auf rund 80 Mio. Euro zulegen, 2014 waren es 70 Mio. Euro.

conwert: Ins Plus gedreht

Gute Zahlen legt auch die conwert Immobilien Invest SE für das erste Halbjahr vor. Das Konzernergebnis liegt bei 24,5 Mio. Euro, in der Vorjahresperiode gab es noch einen Verlust von -23 Mio. Euro. Das FFO 1 liegt bei 25,7 Mio. Euro, das ist ein deutlicher Sprung von 66,9 Prozent. Auch bei der conwert sind die Vermietungserlöse aufgrund von Verkäufen gesunken (um 6,4% auf 113,5 Mio. Euro).

Die Veräußerungserlöse stiegen deutlich auf 92,5 Mio. Euro, das EBITDA stieg um 7,9 Prozent auf 59,2 Mio. Euro. Auch bei conwert hat sich das Finanzergebnis gegenüber dem 1. Halbjahr 2014 stark verbessert: von -73,1 Mio. Euro auf -32,3 Mio. Euro.
Die conwert ist auf die Märkte Deutschland und Österreich konzentriert, in der Segmentbetrachtung auf Wohnimmobilien in Metro­polregionen – eine Fokussierung, die noch geschärft wurde. Um dieser Strategie zu folgen, wurden Gewerbeimmobilien mit einem Gesamterlös von 55 Mio. Euro im 1. Halbjahr verkauft. Dementsprechend hat sich die Gesamtnutzfläche der Wohnimmobilien erhöht (von 73,3% auf 75,2%); der Anteil der Gewerbeimmos liegt jetzt bei 24,8 Prozent (vor einem Jahr waren es 26,7%).
Das soll so weitergehen: Der Vorstand rechnet für das Gesamtjahr mit Verkaufserlösen von 150 bis 200 Mio. Euro aus diesem Bereich. 2016 soll ähnlich hohen Verkaufserlöse bringen. In wenigen Tagen wird Wolfgang Beck (47) für eine Dauer von fünf Jahren als Geschäftsführender Direktor und neuer CEO das Ruder übernehmen.

Immofinanz rüstet auf

Die Immofinanz, die ihre Bilanz 2014/15 schon Anfang August vorlegte, hat mit der politischen Unruhe um Russland zu kämpfen; die Mieterlöse sanken dort um fast 11 Prozent, dadurch fiel auch das Bewertungsergebnis der Immobilien: ein Minus von 100 Mio. Euro.

Insgesamt schaffte der Konzern ein operatives Ergebnis von 316,5 Mio. Euro (Vorjahr 270,5 Mio. Euro). Das Konzernergebnis war jedoch mit -316,4 Mio. Euro deutlich im roten Bereich.
Trotzdem will man an Russland festhalten, gab Immofinanz-Vorstand und Nachfolger von Eduard Zehetner, Oliver Schumy, bekannt.
Bei den strategischen Zielen ergibt sich das gleiche Bild wie bei den Pendants: Immofinanz will sich noch stärker auf ihre Kernkompetenz konzentrieren: Einzelhandel und Office. Von der an sich erfolgreichen Logistiksparte will man sich trennen, weil man „hier im internationalen Vergleich zu klein ist”. Dieser Verkauf und der Verkauf der restlichen Buwog-Anteile sollen die Kriegskasse für eine Expansion Richtung Westen weiter auffüllen: Eine Milliarde soll so zustande kommen, die durch eine Bankfinanzierung verdoppelt werden kann.

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