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Keine Sanierung von der Stange © HD Architekten/Richard Tanzer

Architekt Thomas Hayde (HD Architekten) plädiert für ein „sinnvolles Ganzes”.

© HD Architekten/Richard Tanzer

Architekt Thomas Hayde (HD Architekten) plädiert für ein „sinnvolles Ganzes”.

26.02.2016

Keine Sanierung von der Stange

Hat man sich früher wenig Gedanken über Umweltfragen bzw. Nachhaltigkeit bei Gebäudesanierungen gemacht, so hat sich nun das Bewusstsein dafür stark geändert.

Gastkommentar ••• Von Thomas Hayde

WIEN. Nachhaltigkeit bei Gebäudesanierungen wird heute groß­geschrieben. Dabei ist nicht „nur” die geänderte Einstellung der Architekten und Bauherrn zu diesen Themen ausschlaggebend, sondern auch die neuen Baumaterialien sowie die durchaus attraktiven Fördermöglichkeiten.

Althäuser, die energetisch saniert wurden, weisen, wie eine Studie der Donau-Universität in Krems eindrucksvoll aufzeigt, geringere Folgekosten als Neubauten auf.
Dieser eher unerwartete Umstand kommt zustande, da Althäuser meist eine höhere Gebäudemasse und weniger Glasflächen aufweisen. Das begünstigt nicht nur die Reinigung, sondern reduziert die Energiekosten, da z.B. eine Kühlung nicht unbedingt erforderlich ist. Auch Heizungen können kleiner dimensioniert werden, weil weniger Spitzen abgedeckt werden müssen. Wobei durch eine thermische Sanierung noch zusätzliche Einsparungen erzielt werden.
Auch Gründerzeithäuser mit einer Gliederfassade sind nachhaltig sanierbar. Denn eine thermische Sanierung im Hoftrakt, Isolierung des Dachs sowie neue Fenster lassen beeindruckende Energieeinsparungen zu.

Anspruchsvolle Aufgaben

Nachhaltiges Sanieren ist stets eine Einzelaufgabe, Sanierung von der Stange gibt es nicht. Jedes Gebäude ist einzigartig und verlangt daher ein individuelles Konzept.

Für den Architekten stellt die nachhaltige Sanierung im Altbestand eine besonders anspruchsvolle Aufgabe dar, da man mit den speziellen baulichen Gegebenheiten umgehen muss. Hier ist es wichtig, zuerst den Gesamtzustand eines Gebäudes in einer Bestandsaufnahme festzustellen.
Dabei arbeitet der Architekt gemeinsam mit verschiedenen Fachkonsulenten wie z.B. Tragwerksplanern, Bauphysikern und Haustechnikern zusammen. Hier geht es etwa um Fragen der Realisierbarkeit eventuell nötiger, zusätzlicher Aufbauten oder darum, wo welche Schwierigkeiten lauern könnten.
Die notwendigen Baumaßnahmen können je nach Gebäudezustand von kleineren Eingriffen bis zu einer Generalsanierung mit einem Rückbau bis hin zum Rohbau reichen.
Es kann aber auch in der Feststellung münden, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar ist. Wird saniert, dann fließen die gemeinsam erarbeiteten Befunde in eine integrale Planung ein. Dabei geht es nicht darum, alles zu machen, was technisch möglich ist, oder zu versuchen, mit Einzelmaßnahmen Verbesserungen zu erreichen. Ziel sollte eine Gesamtverbesserung sein, bei der die Maßnahmen aufeinander abgestimmt und zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt werden. Einzelmaßnahmen wie Fassadendämmung, thermische Sanierung der Fenster, Dachsanierungen oder haustechnische Verbesserungen müssen nicht nur für sich, sondern auch im Zusammenspiel miteinander beurteilt werden. Ein finanzieller Mehraufwand am Beginn schlägt sich dann in einem Mehrwert nieder, sowohl im Nutzungskomfort als auch bei den laufenden Kosten. Dass der Architekt seinen Bauherrn auch im Förderdschungel optimal beraten kann, sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein.

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