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Modulbau: Mehr als „Lego für Große”? © Blaue Lagune/Bill Lorenz 2017

ExpertenrundeMatej Vukmanič (Marles hiše Maribor d.o.o.), Christian Steininger (Vasko+Partner ZT GmbH), Reinhard Schuhmann (FOAM ZT – GmbH), Erich Benischek (GF Blaue Lagune) und Bernd Wiltschek (BIG Bundesimmobilien GmbH, v.l.).

© Blaue Lagune/Bill Lorenz 2017

ExpertenrundeMatej Vukmanič (Marles hiše Maribor d.o.o.), Christian Steininger (Vasko+Partner ZT GmbH), Reinhard Schuhmann (FOAM ZT – GmbH), Erich Benischek (GF Blaue Lagune) und Bernd Wiltschek (BIG Bundesimmobilien GmbH, v.l.).

PAUL CHRISTIAN JEZEK 29.09.2017

Modulbau: Mehr als „Lego für Große”?

Eine eindeutige Modulbau-Definition würde diesen verstärkt ins Bewusstsein von Baubranche und Bevölkerung bringen.

••• Von Paul Christian Jezek

WIENER NEUDORF. Auch in Immobilien-Fachkreisen ist die Definition von „Modulbau” alles andere als eindeutig und wird unterschiedlich interpretiert.

Für Reinhard Schuhmann (FOAM ZT – GmbH) ist es die Zerlegung des Wohnbaus in Einzelteile und beginnt bereits beim kleinsten Fertigteil. Für Bernd Wiltschek (BIG Bundesimmobilien) zählt das klassische Fertighaus (bei dem lt. ÖNORM B 2310 vorgefertigte Wand- und Decken­elemente auf der Baustelle montiert werden) bereits dazu.
Für Matej Vukmanic und Erich Benischek spricht man jedoch laut ihren Aussagen bei einer Podiumsdiskussion in der Blauen Lagune erst dann von einem Modulbau, „wenn es um im Werk vorgefertigte schlüsselfertige Raumzellen geht”: somit die Königsklasse im Fertigbau. Bei dieser als Raumzellentechnologie verstandenen Definition liegen die Vorteile vor allem in der Schnelligkeit.

Ein schnelles Beispiel

Das von Architekt Werner Sobek entwickelte aktivhaus-Konzept wurde als Siedlung mit 38 Modulen à 58 m2 in der Nähe von Stuttgart umgesetzt. Die Produktionszeit im Werk betrug lediglich zwei Monate, die Errichtung vor Ort pro Modul nur zwei Stunden, und der Bau der gesamten Siedlung in Winnenden bloß einen Monat, schildert Matej Vukmanic von Marles, dem Produzenten von aktivhaus. Somit konnte nicht nur wertvolle Zeit gespart werden, sondern es reduzierte sich auch das „Baustellen-Chaos” (Lärm und Schmutz) auf ein Minimum.

Als große Stolpersteine sieht Wiltschek das Bekenntnis zur Baukultur, die scheinbar im Widerspruch zur Standardisierung stehe, sowie die Ressentiments der Planer, deren Ideen möglicherweise nicht im Modulbau umsetzbar wären und die gern auf ihre gewohnten Vorgangsweisen zurückgriffen.
Für Blaue Lagune-„Hausherr” Erich Benischek ist dieser Zugang irreführend: Baukultur definiere sich per se ja nicht über das System Wand, sondern über die Ästhetik des Gebäudes; er nannte als gelungene Modulbau-Beispiele das Studentenheim Woodie in Hamburg oder das Wohnsiedlungs-Projekt Slottet in der Nähe von Oslo.
Für Christian Steininger von Vasko+Partner ZT liegt der Schlüssel der Machbarkeit in der rechtzeitigen Miteinbeziehung der Gebäudetechniker, um Schnittstellen optimal zu planen und die Gewährleistung in den Griff zu bekommen. „Es gilt, die Waage zwischen Baukultur und Standardisierung zu finden – eine Aufgabe, die Architekten und Industrie lösen sollten!”

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