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Teils nur gefühlt hoch © Paul Jezek

In diesen Regionen liegt der Erschwinglichkeitsindex bei oder unter 13%: Hollabrunn, St. Pölten Land, Neunkirchen, Südoststeiermark und in Melk.

© Paul Jezek

In diesen Regionen liegt der Erschwinglichkeitsindex bei oder unter 13%: Hollabrunn, St. Pölten Land, Neunkirchen, Südoststeiermark und in Melk.

30.10.2015

Teils nur gefühlt hoch

Wohnen ist in Österreich immer noch gut leistbar, meint man bei ImmobilienScout24, zumal die Einkommensschere weniger weit klafft.

WIEN. Einen fast ähnlich hohen Aufmerksamkeitsgrad unter Österreichern wie bei den Themen Flüchtlinge, Arbeitsplätze und Bildung ortete Meinungsforscher ­Peter Hajek unlängst bei einer Verantstaltung des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI) beim Stichwort „Leistbares Wohnen”. Bei dieser Materie sind alle unzufrieden: Vermieter, insbesondere wenn ihre Wohnungen dem Richtwertmiet-Regime unterliegen, und – natürlich – Mieter.

Eine Annäherung an die Sachlage wagt auch das Immobilienportal www.immobilienscout24.at auf Basis des im Oktober publizierten Datenreports ImmoDEX. Basis für die Bewertung der Entwicklungen auf dem heimischen Markt sei die systematische Erfassung und Auswertung aller Angebotsdaten auf www.immobilien.net/ImmobilienScout24 für sämtliche Segmente, also für Haus, Wohnung, Grundstücke, Miete und Kauf.
Die Datengrundlage für den ImmoDEX umfasst über 250.000 Datensätze (von Jänner bis Ende September 2015; von gewerblichen Maklern). ImmobilienScout24 hat beim Erschwinglichkeitsindex EIMX das Verhältnis von Kaufkraft pro Haushalt in 101 österreichischen Bezirken zu den Wohnkosten untersucht.

Kostspieliger Westen

Das Ergebnis: Rund 29% des Haushaltsnettoeinkommens werden aktuell für Wohnen österreichweit gesehen ausgegeben. Weit über dem EIMX-Bundesschnitt liegt das Bundesland Tirol. Dort sind es vor allem die Tourismusgegenden (Kitzbühel: EIMX von 53%), aber auch Innsbruck, die das Wohnen für die Tiroler zur kostspieligen Angelegenheit werden lässt.

Eine Neubau-Eigentumswohnung kostet derzeit in Kitzbühel rund 5.980 €/m2, im Wiener Nobelbezirk Döbling etwas weniger (5.790 €/m2). Dort ist allerdings das Haushaltnettoeinkommen um knapp 20% höher als in Kitzbühel.

Hotspots in Wien

In Salzburg Stadt geht rund ein Drittel des zur Verfügung stehenden Einkommens für das Wohnen auf. Neben der bekannt teuren Mozartstadt kommt man speziell im Gebiet von Zell/See zum Handkuss: Eine neue Eigentumswohnung kostet dort aktuell 3.700 €/m2.

Im Westen zeigen sich Dornbirn, Bregenz und Feldkirch als Hotspots. Im Süden ist der Bezirk Villach-Land vergleichsweise kostspielig.
Dass das Wohnen in der Bundeshauptstadt ein prinzipiell teureres Vergnügen ist, ist soweit ebenfalls bekannt. Neben der Innenstadt und dem Nobelbezirk Döbling wird es in Mariahilf oder Wieden zunehmend schmerzhafter, zumal die Nettoeinkommen stagnieren: Mehr als 40% des Einkommens muss man dafür reservieren. Für eine gebrauchte Eigentumswohnung in Mariahilf muss man derzeit 3.780 €/m2 berappen (+7,5% seit dem 1. Halbjahr 2015). In Wieden kostet eine gebrauchte Wohnung überhaupt stolze 4.050 €/m2.
„Prinzipiell ist das Wohnen in Österreich gut leistbar. Die aktuelle Diskussion zum leistbaren Wohnen ist nur zum Teil berechtigt. Es sind vor allem der Westen und einige Städte, in denen die Entwicklung der Kaufkraft den Anstieg der Miet-und Kaufpreise nicht wettmacht”, kommentiert Patrick Schenner, Geschäftsführer von Immobilien­Scout24 in Österreich.
Am besten kommt man im Süden weg, obwohl dort die Einkommen großteils unter dem Austro-Schnitt liegen. In peripheren Lagen wie in Amstetten, Gmünd oder Holla­brunn, in Mattersburg oder in den einst starken Industrieregionen wie in der steirischen Mur-Mürztalfurche liegt der Wohnkostenanteil überhaupt bei oder unter 10%. So kostet aktuell ein gebrauchtes Haus in Mattersburg rund 1.360, in Bruck-Mürzzuschlag 1.160 €, in Gmünd gar nur 920 €/m2 (Österreich-Schnitt: 2.120 €/m2).
Die Einkommensschere geht in Österreich jedoch nicht so weit auf wie die Wohnkostenschere. Das Haushaltsnetto in Gmünd etwa liegt nur 11% unter jenem im Wiener Nobelbezirk Döbling, erklärt Schenner. (lk)

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