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Wien prunkt mit großer Stabilität © Messe München/Alex Schelbert

Expo Real Das Interesse am Standort Österreich war groß wie lange nicht, und die heimischen Immo-Firmen präsentierten sich aktiv wie zuletzt in den Zeiten des großen Zentral- und Ost­europabooms.

© Messe München/Alex Schelbert

Expo Real Das Interesse am Standort Österreich war groß wie lange nicht, und die heimischen Immo-Firmen präsentierten sich aktiv wie zuletzt in den Zeiten des großen Zentral- und Ost­europabooms.

Paul Christian Jezek 14.10.2016

Wien prunkt mit großer Stabilität

Ein Überblick über die wichtigsten Immobilien-Trends für Österreich bei der Expo Real 2016.

••• Von Paul Christian Jezek

MÜNCHEN/WIEN. Der heimische Immobilienmarkt stand bei der Immobilien- und Standortmesse Expo Real hoch im Kurs.

Allerdings betraf das Interesse nur genau definierte Teilmärkte. Auf internationaler Ebene spielt großteils nur die Bundeshauptstadt eine Rolle, und von Alt­objekten, die der Vollanwendung des MRG unterliegen, lassen viele potenzielle Käufer oft von vornherein die Finger.
„Gefragt sind große Neubauprojekte in Stadtentwicklungsgebieten mit Investitionsvolumina von mehr als 20 Mio. Euro pro Objekt, idealerweise im Rahmen von Portfolios mit zumindest 50 Mio. Euro Volumen”, erklärt Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin von EHL Immobilien Management. „Wegen der stark anziehenden Bautätigkeit gibt es diese Objekte jetzt endlich auch in ausreichender Zahl.” Traditionell wurde Österreich immer als sicherer Hafen betrachtet, in dem mit möglichst geringem Risiko investiert wurde. Heuer gab es deutlich mehr Bereitschaft, auch Risiken zu übernehmen, um erstens überhaupt Investitionsmöglichkeiten zu finden und zweitens akzeptable Renditen zu erzielen.

Forward Purchases

Es werden also auch Objekte außerhalb des Spitzensegments gesucht, noch nicht fertiggestellte Projekte werden im Rahmen von Forward Purchases gekauft, und die Investoren sind auch bereit, Vermietungen mit relativ kurzen Restlaufzeiten zu akzeptieren und so zumindest Teile des Vermietungsrisikos zu übernehmen.

Neben den traditionell domi­nierenden deutschen Institutio­nellen prüfen zunehmend auch Investoren aus Nordamerika, Asien und dem Arabischen Raum Kaufgelegenheiten in Österreich.
Da diese Anleger recht aggressive Strategien verfolgen, ist damit zu rechnen, dass ihr Marktanteil in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen wird.

Wiener Büromarkt im Fokus

Die Stabilität am Wiener Büromarkt ist ein großer Vorteil für Investoren: Erträge sind in der Regel gut prognostizierbar, und im Gegensatz zu Spitzenmärkten wie London oder Paris oder auch Warschau sind auch in den wirtschaftlich schwierigen Jahren die Mieten nicht abgestürzt, sondern haben sich weiter stabil entwickelt; die Spitzenmieten liegen derzeit bei 25,5 €/m2.

Fast noch bemerkenswerter ist die trotz Krise kaum veränderte Leerstandsrate mit derzeit 6,3%. Während in fast allen großen europäischen Märkten starke Schwankungen zu verzeichnen waren, war diese in Wien nicht nur absolut eine der niedrigsten in Europa, sondern zählt auch zu jenen, die in den vergangenen Jahren die geringste Schwankungsbreite aufwiesen.

Osten out, Deutschland top

Die heimischen Immobilienentwickler und -investoren haben sich bei der Expo Real 2016 offensiver als in den Vorjahren präsentiert; vom früheren Ostschwerpunkt ist dabei aber nichts mehr zu bemerken, mittlerweile hat sich der Fokus völlig auf Deutschland verschoben.

„Die Märkte in CEE sowie Russland sind derzeit generell schwierig, und nach einigen harten Jahren sind besonders die österreichischen Immobilienunternehmen in dieser Region sehr zurückhaltend”, meint Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting – eine gewisse Ausnahme stellen nur Tschechien und Polen dar. „Hingegen bietet Deutschland ein geradezu perfektes Marktumfeld: Wachstum, stärkere Flächennachfrage als auf dem Heimmarkt, nicht zu unterschätzen die gemeinsame Sprache und ein sehr ähnliches Rechtssystem.”
Aktuell liegt der Fokus der rot-weiß-roten Immobilienaktivitäten noch überwiegend auf Berlin, doch rücken auch die anderen fünf großen Märkte (München, Hamburg, Köln, Frankfurt, Düsseldorf) sowie in Ostdeutschland im Wohnbereich insbesondere Dresden und Leipzig in den Fokus.

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