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Wohnen hilft Holz © panthermedia.net/Chubarov

Die im Vergleich zu den Vorjahren steigenden Wohnungsneubauleistungen werden für eine stärkere Holzproduktnachfrage sorgen.

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Die im Vergleich zu den Vorjahren steigenden Wohnungsneubauleistungen werden für eine stärkere Holzproduktnachfrage sorgen.

PAUL CHRISTIAN JEZEK 08.04.2016

Wohnen hilft Holz

Die österreichische Holzverarbeitungsbranche soll schon demnächst ordentlich von steigenden Wohnbauinvestitionen profitieren.

WIEN. Der erste Blick lässt hoffen: 2015 sind die Exporte von Schnittholz um 5,1 und von Holzbauprodukten um 4,4% nominell gestiegen. Der zweite Blick stimmt melancholisch: Trotz Absatzplus waren die Produktionskapazitäten der Branche nicht ausgelastet, was zur Folge hatte, dass 2015 die Unternehmen das dritte Jahr in Folge Arbeitsplätze abbauten. In der Holzverarbeitung sind insgesamt 2,4% bzw.. 700 von insgesamt 28.000 Stellen verloren gegangen, davon 600 in der Herstellung von Holzbauelementen, der größten Einzelsparte der Branche mit 13.000 Beschäftigten.

Die Sägeindustrie mit 8.800 Arbeitsplätzen wiederum reduzierte die Zahl ihrer Beschäftigten um 1,3%. Nur die Holzplattenerzeuger und die Hersteller sonstiger Holzwaren ließen ihre Beschäftigungskapazitäten unverändert.

Hoffnungsschimmer Wohnbau

Der dritte Blick schließlich richtet sich hoffnungsfroh auf den Wohnbau. Die steigende Nachfrage nach Holzprodukten werde von den Wohnbauinvestitionen im Inland wie auch vom Wachstum der Wohnungsneubauleistung in wichtigen europäischen Absatzmärkten angetrieben, sagt Bank Austria-Ökonom Günter Wolf. Deutschland, das Ziel von mehr als 30% der heimischen Holzwarenexporte, sei dabei der Hauptmotor.

Wolf: „Auch wenn in Österreich nur ein Teil der Anfang 2016 registrierten Baubewilligungen in konkrete Projekte umgesetzt wird, sollte die Neubautätigkeit im Lauf des Jahres, nicht nur im Geschoßwohnbau, deutlich zulegen.”
Bereits 2013 und 2014 wurden in Östereich durchschnittlich 63.000 Wohnungsneubauten oder Umbauten im Jahr bewilligt und damit in etwa so viele wie in den Wohnbaubauboomjahren Mitte der 90er- Jahre; 2015 ist diese Zahl noch gestiegen.

Mehr Innovation vonnöten

Österreichs Holzverarbeitung ist in vielen Segmenten konkurrenzfähig, wie der über zwei Jahrzehnten fast kontinuierlich gewachsene Exportüberschuss mit Holzwaren beweist. 2015 wurde noch ein Plus von immerhin 1,5 Mrd. € verbucht, das sich zu etwa gleichen Teilen auf Holzplatten und -bau verteilte. „Die Basis der Außenhandelserfolge waren hohe Produktivitäts­gewinne, die aufgrund von Restrukturierungsmaßnahmen bei gleichzeitig hohen Investitionsausgaben möglich waren – vor allem in den wachstumsstarken Nullerjahren”, erklärt Wolf. Von 2004 bis 2008 wurden in der Holzverarbeitung noch durchschnittlich 400 Mio. € im Jahr investiert; in den letzten fünf Jahren sanken hingegen die Investitionsausgaben auf unter 200 Mio. € im Jahr, geichzeitig gingen Teile der Produktivitätsgewinne verloren bzw. verbesserte sich die Außenhandelsbilanz seit Jahren nur mehr wenig, und der Rekord aus dem Jahr 2007 wurde nicht mehr erreicht.

„Die angespannte Preisentwicklung lässt sich in erster Linie mit der dichten Konkurrenzsituation wie auch mit dem relativ geringen Innovationspotenzial der Holzverarbeiter erklären”, warnt Wolf. Nur 40% der holzverarbeitenden Betriebe hierzulande sind im Sinne der EU-Innovationsbefragungen innovativ. Das ist einer der niedrigsten Werte aller Industriebranchen und liegt zudem unter dem durchschnittlichen Ergebnis der EU15-Holzverarbeitung von 49%.

Wachstumsperspektiven

In Österreich ist der Holzbauanteil laut Wolf seit 1998, bezogen auf die Gebäudezahl, von 25 auf 43 und im Wohnbau gar auf 48% gestiegen und werde „zumindest langsam weiter wachsen”.

Im Jahr werden in Österreich bereits rund 0,8 m3 Sägeprodukte und Holzplatten pro Bewohner verbraucht – in etwa so viel wie bei den europäischen Rekordverbrauchern Finnland und Schweden, und weit mehr als im EU-Schnitt von 0,3 m3 pro Einwohner.
Europas Holzverarbeiter profitieren von der Tatsache, dass in vielen Ländern noch genügend Nachfragepotenzial brachliegt.

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