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Alu-Deos im Blickfeld: Wie gefährlich sind sie? © Panthermedia.net/Viktor Cap
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Nataša nikolić 30.06.2015

Alu-Deos im Blickfeld: Wie gefährlich sind sie?

Aluminium Während das Gesundheitsministerium Konsumenten zur Vorsicht rät, betont die Industrie die Unbedenklichkeit von aluminiumhaltigen Antitranspirantien, erweitert aber gleichzeitig ihr Portfolio an alu-freien Deos.

Wien. Deos bzw. Anti-Transpirantien, die Aluminiumsalze enthalten, stehen seit einigen Jahren wegen der potenziellen Gefahren durch das Leichtmetall in der Kritik. Obwohl es bisher keine Studien gibt, die langfristige Folgen von Aluminium auf den menschlichen Körper untersuchen, thematisieren einige den Zusammenhang zwischen Aluminium und Alzheimer, Brustkrebs bzw. Erkrankungen des Nervensystems. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist die Datenlage dieser Studien allerdings uneinheitlich und unsicher in Bezug auf die Langzeitfolgen chronischer Aluminiumexposition, sodass ein tatsächlicher Zusammenhang nicht wissenschaftlich erwiesen ist.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser rät dennoch, „vorsorglich auf Produkte, die Aluminium enthalten, zu verzichten”. Die Ministerin begrüßt es, dass immer mehr Hersteller auf Aluminum verzichten: „Erfreulich ist, dass einige Kosmetikfirmen in letzter Zeit verstärkt freiwillig auf Aluminium in ihren Kosmetikprodukten verzichten. Dies zeigt, dass mittlerweile ein Umdenken in den Reihen der Konsumenten stattgefunden hat, sodass auch die Industrie – wenn auch aufgrund von Eigeninteressen – den vorsorglichen Verbraucherschutz nicht länger ignorieren kann”, lautet Oberhausers Fazit.Dieses Umdenken bzw. Einlenken der Industrie bestätigen auch aktuelle Nielsen-Zahlen; ihnen zufolge sind aluminiumhältige Damendeos um 4,8% am Gesamtdeomarkt zurückgegangen (und liegen derzeit bei 31,1%), während jene ohne Aluminium einen Anstieg von 5,1% verzeichnen, was einem Marktanteil von 25% entspricht. Bei Herrendeodorants gingen jene mit Aluminium um 1,8% zurück und haben einen Marktanteil von 15,3%; Deos ohne Aluminium nehmen deutlich mehr ein: 28,6% (+1,4%).

Warum gerade Aluminium?

Aluminium wird vor allem wegen seiner schweißhemmenden Wirkung in Antitranspirantien eingesetzt. Das Schwitzen wird verhindert, wenn sich dank der Aluminiumverbindungen die Hautporen zusammenziehen und so die Schweißkanäle temporär blockieren. Wie viel Aluminium dabei tatsächlich von der Haut aufgenommen wird, ist unklar. Einige Wissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass insbesondere gereizte Haut (z.B. durch Rasur) deutlich mehr Aluminium aufnimmt, das sich dann im Körper anreichert, und damit die tolerierbare Menge überschreiten könnte.
Diese wöchentlich tolerierbare Menge an Aluminium hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt (für die orale Aufnahme über die Nahrung); die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält sogar 2 mg pro Kilogramm Körpergewicht für wöchentlich tolerierbar. Wie viel Aluminium man tatsächlich aufnimmt, ist unklar, da es durch viele verschiedene Komponenten in den Körper gelangt. Mit der Verwendung von aluminiumhaltigen Antitranspirantien könnte die zulässige Menge überschritten werden.
medianet hat bei Unilever, Beiersdorf und Henkel nachgefragt und erfahren, dass die Produzenten von Deos und Antitranspirantien der Marken Dove, Rexona, Axe, Nivea, Hidrofugal, Fa oder Bac ihr Sortiment an aluminiumfreien Deos zwar erweitern, dies aber mit einer verstärkten Konsumentenanfrage begründen und nicht etwa mit gesundheitlicher Bedenklichkeit von Aluminium. Auch wollte keiner der befragten Produzenten etwas zum Aluminiumgehalt in seinen Produkten sagen; die Begründung lautete meist, dass es nur auf die Menge ankommt, die die Haut tatsächlich aufnimmt. Die Industrie überlässt den Konsumenten damit selbst die Wahl, ob sie zu Deos oder doch zu ggf. gesundheitlich bedenklichen Antitranspirantien greifen. Einige Hersteller bieten auf ihren Webseiten zwar Informationen über die Wirkung ihrer Produkte, bagatellisieren dabei das Thema allerdings deutlich. „Sie möchten trotz ihrer Unbedenklichkeit auf Aluminiumsalze im Deo verzichten?” steht etwa auf Unilevers Homepage.
Konkurrent Beiersdorf macht es ähnlich: Auf der Webseite von Nivea ist zu lesen, dass das Unternehmen Aluminiumsalze für unbedenklich hält, jedoch die Sicherheit der Kunden an erster Stelle steht und daher all jenen, die trotzdem auf Aluminium verzichten möchten, eine entsprechende Auswahl an aluminiumfreien Produkten bietet. Ein Widerspruch in sich, aber zumindest besser als Henkels Lösung: Selbst nach umfangreicher Suche nach Informationen zu Alu-Deos findet man bei Henkel nur die einzelnen alu-freien Produkte. Auf medianet-Anfrage hieß es, dass die Produkte „vor Markteinführung von wissenschaftlichen Experten umfassend auf ihre Sicherheit geprüft” wurden. Außerdem schickte uns Henkel einen Link zu der Internetseite „Kosmetik transparent”, auf der ein Artikel die Unbedenklichkeit von Alu-Deos, selbst auf frisch rasierter Haut, betont. Beim Klick aufs Impressum stellt sich aber dann ein No-na-Effekt ein: Die Mitglieder von Kosmetik transparent sind Beiersdorf, Johnson & Johnson, L’Oréal, Procter & Gamble, Henkel und Unilever.

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