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Beim Bier wächst der Umsatz mit der Sonne © dpa/Armin Weigel
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christian novacek 29.09.2017

Beim Bier wächst der Umsatz mit der Sonne

Jutta Kaufmann-Kerschbaum, Chefin des Brauereiverbands, zum Tag des österreichischen Bieres.

••• Von Christian Novacek

Der Brauereiverband vertritt die größte Sparte der heimischen Lebensmittelindustrie. Größe steht derzeit ebenso für Stabilität: Österreich ist ein Land der Biertrinker, und die Erlöse mit dem Gerstensaft halten einen hohen Pegel. Aus Anlass des Tages des österreichischen Bieres morgen, Samstag, sprach medianet mit Brauereiverband-Geschäftsführerin Jutta Kaufmann-Kerschbaum.


medianet:
Wofür steht Bier für Sie?
Jutta Kaufmann-Kerschbaum: Bier ist ein ausgesprochenes Naturprodukt und ein wunderbares Genussmittel, welches von den österreichischen Brauern in höchster Qualität und großer Vielfalt gebraut wird.

medianet:
Zwischen Rausch- und Genussmittel liegt mitunter ein schmaler Grat – wie wird der beschritten?
Kaufmann-Kerschbaum: Seit jeher bekennen wir uns als Brauereiverband bzw. Österreichs Brauer ausnahmslos zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Genussmittel Bier sowie zu einem konsequenten Auftreten gegenüber jeglichem schädlichen und missbräuchlichen Konsumverhalten im Bierland Österreich. Der Brauereiverband trägt seit mehreren Jahren zudem das Pro-Ethik-Siegel des Österreichischen Werberats, und die heimische Brauwirtschaft bekennt sich mit ihrem Kommunikationskodex über die gesetzlichen Bestimmungen sowie die Selbstbeschränkungsrichtlinien des Werberats hinaus zur verantwortungsvollen Kommunikation und Bewerbung ihrer Produkte.

medianet: Aktuelle Modeströmungen in Sachen Ernährung lauten auf bewusstes Leben und gesunde Ernährung. Kann sich Bier in diesen Trend einfügen?
Kaufmann-Kerschbaum: Ja, unbedingt! Österreichisches Bier ist ein Lebensmittel aus natürlichen, nachhaltigen und qualitativ höchstwertigen Rohstoffen, die überwiegend aus der heimischen Landwirtschaft, also aus der Region, stammen. Das passt hervorragend zu einem bewussten Ernährungsstil.

medianet: Seit Jahren propagieren Brauereien das alkoholreduzierte Mittagsbier. Funktioniert das?
Kaufmann-Kerschbaum: Der Anteil des alkoholfreien Biers ist in den letzten Jahren gestiegen und liegt derzeit bei rund drei Prozent. Die zunehmende Vielfalt und der verbesserte Geschmack der alkoholfreien Biere, z.B. auch des alkoholfreien Weizenbiers, leisten da zweifellos einen Beitrag.

medianet: Gab es in den letzten Jahren eine signifikante Veränderung bei den bierigen Vorlieben der Konsumenten?
Kaufmann-Kerschbaum: Einen fixen Platz nehmen mittlerweile die Radler ein, die sich nun bei ca. sieben Prozent eingependelt haben. Interesse besteht in den letzten Jahren an Bierspezialitäten, die oft als Craft Beer oder Kreativbiere bezeichnet werden. Der Anteil derer am Gesamtausstoß ist allerdings noch äußerst gering. Das Lieblingsbier der Österreicher ist und bleibt das Märzen-/Lager-Bier. Das ist wenig verwunderlich, wurde es doch von Anton Dreher in der Nähe von Wien erfunden. Österreich ist somit die Geburtsstätte des Biertyps, der im Anschluss seinen Siegeszug um die ganze Welt antrat.

medianet:
Gibt es Erklärungen, warum Österreich so ein starkes Biertrinkerland ist? Was hat die Branche hier richtig gemacht?
Kaufmann-Kerschbaum: Die bierige Erfolgsstory des Bierlands Österreich baut auf einer langen, historisch gewachsenen Brautradition mit vielen regionalen Brauereien auf und profitiert seit jeher von der hervorragenden Zusammenarbeit mit der heimischen Landwirtschaft sowie Gastronomie. Ausschlaggebend sind vor allem vier wichtige Säulen: Erstens die Qualität des Biers, zweitens die enorme Vielfalt – in Österreich gibt es über 1.000 verschiedene Biere –, drittens die Innovationsfreude der österreichischen Brauer sowie viertens die gesellschaftlich fest verankerte Bier- und Genusskultur samt dazugehöriger Ausbildung. Österreich ist – dank einzigartigem dreistufigen Ausbildungssystem, vom Bier-Jungsommelier über Biersommelier bis hin zum Diplom-Biersommelier – weltweites Vorbild in Sachen bieriger Wissensvermittlung. Es gilt der Grundsatz: Je mehr man übers Bier weiß, desto besser schmeckt es.

medianet:
Wie sehen Sie die österreichische Bierkultur aufgestellt?
Kaufmann-Kerschbaum: Die steigende Vielfalt wird weiterhin erhalten bleiben. Dafür sorgen die ‚alteingesessenen' Traditionsbrauereien, aber auch die vielen neu gegründeten Klein- und Kleinstbrauereien. Allein in den letzten drei Jahren kamen in Österreich 45 neue Brauereien hinzu.

medianet: Um das Thema Frauen & Bier ist es zuletzt eher ruhig geworden – warum?
Kaufmann-Kerschbaum: Das sehe ich nicht so. Zunehmend trinken immer mehr Frauen das Lieblingsgetränk der Nation. Auch, weil die Sorten- und Geschmacksdiversität steigt. Für jeden Anlass und Geschmack findet gerade auch die Konsumentin ein passendes Bier. Auch das angesprochene dreistufige Ausbildungsprogramm zum Diplom-Biersommelier erfreut sich unter jungen Damen großer Beliebtheit. Derzeit gibt es – neben fast 1.500 (Diplom-)Biersommeliers – rund 800 Bier-Jungsommeliers. Und hier beträgt der Frauenanteil 80 Prozent!

medianet: Der Sommer ist vorbei – wie schaut die Bilanz 2017 aus Sicht der Brauereien aus?
Kaufmann-Kerschbaum: Vom Wetter her war es ein wirklich schöner Sommer, und wenn uns auch noch keine Branchenzahlen vorliegen, gehen wir davon aus, dass es hier positive Auswirkungen geben wird.

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