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Billige Semmeln bröseln die Branche auf © Lidl Österreich

Backbox & Co: Frisches Gebäck beim Discounter ist ein Sargnagel für Bäcker.

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Backbox & Co: Frisches Gebäck beim Discounter ist ein Sargnagel für Bäcker.

12.06.2015

Billige Semmeln bröseln die Branche auf

Bäckersterben Das warme Semmerl im Supermarkt macht den Gang zum Bäcker zusehends überflüssig

Wien/Linz. Bäckereien haben's nicht leicht: Die Insolvenzen nehmen zu, zuletzt ließen Traditionsbetriebe wie Ring (Linz), Schrammel Brot (Wien) oder Schmidl (Dürnstein) aufhorchen. Das Problem der Branche ist klar verortet: „Es ist die Konkurrenz von Supermärkten, die vermehrt Backshops haben und mit vorgefertigten Produkten arbeiten”, kommentiert die KSV-Insolvenzexpertin Petra Wögerbauer gegenüber der APA.

„Der Kunde bekommt sein warmes Semmerl im Supermarkt, und der Weg zum Bäcker ist oft nicht mehr nötig”, so die Kreditschützerin. Neben der Bequemlichkeit spielt der Preis seine Rolle. Das Gebäck beim Bäcker sei „preislich in einer anderen Liga”, also weitaus teurer. Die höhere Qualität aufgrund des hohen Anteils an Handarbeit ist naturgemäß uneinheitlich – und wird vom Konsumenten kaum honoriert.
„Die Produktionsbetriebe arbeiten erst ab einer bestimmten Mindestauslastung rentabel”, betont Wögerbauer. Angesichts der verschärften Marktsituation durch Billigkonkurrenz müssten die Bäcker knapp kalkulieren, um beim Preis konkurrenzfähig zu bleiben. Erträge bzw. Deckungsbeiträge gerieten da ins Hintertreffen.

Backen in der Nische?

„Überleben wird der Bäcker können, wenn er sich spezialisiert, Nischenprodukte favorisiert und durch die Belieferung von Lebensmittelhandelsketten eine hohe Auslastung hat”, meint KSV-Expertin Wögerbauer.
Ein Großabnehmer für Gebäck von über 500 regionalen Bäckern in ganz Österreich ist die Handelskette Spar. Da der Händler auch österreichweit dasselbe Sortiment anbietet, werden größere Mengen benötigt, als kleine Bäcker liefern könnten. Spar wolle dennoch, so Präsident Gerhard Drexel, „die Zusammenarbeit mit den großartigen regionalen Bäckern weiterhin stärken und ausbauen”.
Inwieweit das gut für die Bäcker ist, relativiert Josef Schrott, Bäcker-Innungsmeister in der Wirtschaftskammer Österreich: „Das muss jeder Bäcker selbst kalkulieren, ob er das machen will und kann – Spar wird sicher nicht um jeden Preis einkaufen.” Supermärk-te hätten vor etwa 20 Jahren massiv mit dem Brotverkauf begonnen und mittlerweile sukzessive mit eigenen Backöfen aufgerüstet – Strukturbereinigung inklusive.
Die Backbox des Lebensmitteldiskonters Hofer sei „die jüngste Entwicklung, die uns Konkurrenz macht”, so Schrott. „Die 1.000 Arbeitsplätze, die Hofer damit schafft, kosten uns 3.000 Stellen – knapp 500 davon sind mit der Ring Bäckerei schon weg”, verweist er auf die jüngste Insolvenz. Eine frisch aufgebackene, warme Semmel aus dem Supermarkt schmecke „freilich nicht schlecht”, billigte Schrott zu. „Nach mehreren Stunden braucht man sie aber nicht mehr zu essen.”(APA/red)

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